Bernd Neumann, Vorstand Frankfurter Leben
Bernd Neumann, Vorstand Frankfurter LebenQuelle: Frankfurter Leben
Märkte & Vertrieb

Frankfurter Leben: "Der Köder schmeckt dem Fisch nicht mehr", die Lebensversicherung muss "deutlich reformiert werden"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Frankfurter kaufen und verwalten LV-Verträge. Das Unternehmen profitiert von einer Marktentwicklung, bei der immer mehr Lebensversicherer an ihre Grenzen stoßen. Wer ist also besser geeignet, den Ist-Zustand und die Zukunft der beliebtesten(?) Sparform der Deutschen zu bewerten. Ein Gespräch mit Bernd Neumann, Vorstandsmitglied der Frankfurter Lebensversicherung AG.

VWheute: Wie laufen derzeit die Geschäfte und wie bewerten Sie die aktuelle Marktsituation in Deutschland?

Bernd Neumann: Das Geschäftsmodell hat sich im Markt etabliert. Die Öffentlichkeit geht inzwischen deutlich sachlicher mit Run-off bzw. dem Bestandsmanagement um. Die seinerzeitigen Befürchtungen, dass die Plattformen die Kunden nicht gut behandeln, haben sich schließlich nicht bewahrheitet und die Vorteile, die wir bieten, werden im Markt besser verstanden. Wir erwarten, dass sich die Konsolidierung im deutschen LV-Markt in den nächsten Jahren fortsetzt und erwarten weitere Übertragungen auf Run-off-Plattformen.

 

VWheute: Wie bewerten Sie die aktuellen Entwicklungen beim Run-Off?

Bernd Neumann: Die Diskussion hat sich in den letzten Monaten versachlicht. Die Bafin achtet genau darauf, dass die Belange der Versicherten gewahrt bleiben. Kein Kunde darf durch eine Übertragung auf eine Run-off-Plattform benachteiligt werden. Und das ist gut so. Daher können die Kunden nur gewinnen.

 

VWheute: Lebensversicherungen sind beratungsintensiv. Welche Rolle spielt der Vermittler in der Zukunft und wird irgendwann einmal ein Roboadvisor oder gar ein Sprachassistent an dessen Stelle treten?

Bernd Neumann: Ich glaube auch an eine Konsolidierung im Vertrieb. Der persönliche Vertrieb wird jedoch nicht durch Alexa ersetzt und verschwinden. Ich glaube an die Zukunft eines hybriden Vertriebs, in dem die persönliche Beratung auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird.

 

VWheute: Wie bewerten Sie die politischen Pläne für den Provisionsdeckel sowie die aktuellen Referentenentwürfe?

Bernd Neumann: Der Provisionsdeckel hat mit unserem Geschäftsmodell eigentlich keine Berührung. Bei dem aktuellen Zinsniveau spielen die Kosten und damit auch- aber nicht nur – die Provisionen eine wichtigere Rolle. Ich bin jedoch der Meinung, dass dies nicht durch staatliche Eingriffe geregelt werden sollte.

 

VWheute: Wie bewerten Sie die aktuelle Lage des deutschen Lebensversicherungsmarktes und wie sieht es um die Zukunft der LV?

Bernd Neumann: Die Lebensversicherung verliert leider seit langem Marktanteile an andere Sparformen, obwohl sie für die Altersversorgung eigentlich unverzichtbar ist. In der aktuellen Ausgestaltung des Produktes "schmeckt der Köder aber dem Fisch nicht mehr". Daher muss das Produkt aus meiner Sicht deutlich reformiert werden, um zukunftsfähig zu sein. Garantien in der heutigen Ausgestaltung sind sehr teuer und eigentlich auch nicht sinnvoll. Ich verstehe nicht, welchen sachlichen Mehrwert es hat, dass man in z.B. 30 Jahren 100.000 Euro garantiert bekommt, da man den realen Wert dieses Betrages nicht kennt. Die sachliche Ebene ist aber nur ein Teil. Emotional wird das anders gesehen und das wird sich so schnell auch nicht ändern.

Frankfurter Leben · Bernd Neumann · Lebensversicherungsmarkt
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