Seifenblasen sind transparent, im Gegensatz zu vielen BU-Versicherern.
Seifenblasen sind transparent, im Gegensatz zu vielen BU-Versicherern.Quelle: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 
Schlaglicht

Rating Berufsunfähigkeitsversicherung: "Der Branche mangelt es deutlich an Transparenz"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Berufsunfähigkeitsschutz hat einen schlechten Leumund, im Schadenfall werde nicht gezahlt. Gegen diesen Ruf stehen Fakten. Die BU- Leistungsquote beträgt über 80 Prozent, bei schweren Erkrankungen ist sie höher. Leistungsverweigerung sehe anders aus, schreibt Franke und Bornberg in ihrer aktuellen BU-Leistungspraxisstudie. Dennoch gibt es auch Mängel, wie der Geschäftsführer der Ratingagentur Michael Franke exklusiv erklärt: "Viele Gesellschaften haben kein Interesse daran, ihre Prozesse offen zu legen und von Außenstehenden prüfen zu lassen."

Die Studie hat eine Aussagewirkung, obwohl nur sechs Unternehmen teilnehmen. Der Untersuchung liegen Daten der Allianz, AachenMünchener, Ergo, HDI, Nürnberger und Swiss Life zugrunde. Fast alle Gesellschaften sind schon seit dem Erstrating dabei. Mit rund 32.800 (2016: 24.600) Neuanmeldungen von BU-Leistungsfällen decken diese Versicherer "mehr als die Hälfte aller Leistungsfälle des Jahres 2017" ab.  

 

BU Leistungsquote ist hoch

 

Von systematischer Leistungsverweigerung könne zumindest bei den teilnehmenden Gesellschaften keine Rede sein, berichtet Michael Franke, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Franke und Bornberg. "Noch nicht einmal eine von fünf BU-Leistungsprüfungen endete hier mit einer Ablehnung; mehr als 80 Prozent der untersuchten Regulierungen sind zu Gunsten der Versicherten ausgefallen. Verweigerung sieht anders aus." Bei mehr als 14.000 Regulierungen könne die Studie allerdings nicht jeden einzelnen Fall analysieren, die Verteilung der Annerkennungen und Ablehnungen können Sie in folgender Grafik sehen.

Ablehnungen und Anerkennung in der BU
Ablehnungen und Anerkennung in der BUQuelle: Franke und Bornberg

Von den Anerkennungen im Jahr 2017 erfolgten 92,7 Prozent bedingungsgemäß, gegenüber 86,5 Prozent im Vorjahr. Dementsprechend fielen die Vereinbarungen aufgrund einer individuellen Vereinbarung von fast 11 auf aktuell knapp über 5 Prozent, auch die Einigungen vor Gericht sanken, von 2,6 auf 2 Prozent. Dennoch gibt es aber natürlich Ablehnungen, die Verteilung sehen Sie in den folgenden beiden Grafiken.

Ablehnungen in der BU 2017
Ablehnungen in der BU 2017Quelle: Franke und Bornberg
Ablehnungsquoten bei Krankheiten
Ablehnungsquoten bei KrankheitenQuelle: Franke und Bornberg

Je nach Krankheitsbild schwankt der Anteil der Anerkennungen deutlich. Bei Krebs wurden über 90 Prozent der Anträge auf BU-Leistungen anerkannt. Die meisten Antragsteller mit diesem Befund zählen zur Altersgruppe 50 Jahre oder älter.

 

Anders ist das Bild bei psychischen Erkrankungen. Hier wurden mehr als ein Viertel aller Anträge abgelehnt. Die höchste BU Leistungsquote findet sich bei den 54-Jährigen, die niedrigste bei Menschen von 32 Jahren. Bis zu diesem Alter ist die Ablehnungsquote fast immer höher als die Zahl der Anerkennungen. Ablehnungen bei Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und Bindegewebes sowie Kreislauferkrankungen liegen zwischen diesen beiden Polen.

 

Zu guter Letzt schreibt die Ratingagentur den Versicherern noch eine Warnung ins Hausaufgabenheft.  "Höchstmögliche Transparenz ist das beste Mittel gegen pauschalisierte Vorwürfe“, daran mangele es "jedoch noch deutlich". Nicht zuletzt zeige das die Zahl der untersuchungsbereiten Versicherer. 

Ein interessanter Punkt und Grund genug, mit Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg,  über die Ergebnisse der Studie zu sprechen.

 

VWheute: Wie bewerten Sie den BU-Markt insgesamt, was ist gut, was muss besser werden?

Michael Franke: Die BU-Bedingungen sind durch den jahrelangen Bedingungswettbewerb austrainiert und kaum noch sinnvoll zu verbessern. Durch den harten Preiswettbewerb ist die BU jedoch für viele Personengruppen nicht mehr finanzierbar. Dies betrifft vor allem Geringverdiener und körperlich Tätige. Auch ist es bedingt durch Vorerkrankungen oft nicht mehr möglich, eine BU abzuschließen. Hier werden abseits der BU Alternativen, wie die Erwerbsunfähigkeit oder Grundfähigkeit benötigt, um auch diesen Personen einen entsprechenden Schutz der Arbeitskraft anbieten zu können.


VWheute: Die Branche arbeitet laut Test gut, dennoch ist das Image schlecht, warum ist das so?

Es gibt bei den Gesellschaften immer wieder Einzelfälle, bei denen die Regulierung nicht optimal läuft. Bei diesen Fällen kann die Regulierungsdauer sehr lang sein oder es gibt unterschiedliche Meinungen über den BU-Grad. Häufig sind es diese Einzelfälle, die in der Öffentlichkeit thematisiert werden und so die gesamte Leistungsregulierung in ein schlechtes Licht rücken.


VWheute: Der Branche "mangle es an Transparenz", warum ist das so und wie kann dem gegengearbeitet werden? Insbesondere wird bemängelt, dass sich zu wenige Versicherer Bewertungen stellen würde.

 

Michael Franke: Viele Gesellschaften haben in der Tat offenbar kein Interesse daran, ihre Prozesse offen zu legen und von Außenstehenden prüfen zu lassen. Über die Hintergründe können auch wir nur spekulieren.

Die Transparenz ist dabei ein wichtiger Schritt, um das Image der Branche zu verbessern.

 

Geändert werden kann dieses Verhalten nur durch Einfluss von außen. Nur wenn auch die Vermittler bei der Auswahl der Produkte Wert auf Transparenz legen, werden die Gesellschaften ermutigt, ihre Prozesse von unabhängiger Stelle überprüfen zu lassen.


VWheute: Warum werden psychische Erkrankungen viel häufiger abgelehnt?

Michael Franke: Bei psychischen Erkrankungen besteht oftmals das Problem, dass der BU-Grad nicht genau ermittelt werden kann. Häufig kommen unterschiedliche Ärzte zu unterschiedlichen Ergebnissen hinsichtlich der Schwere der Erkrankung. Kann dann nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass ein BU-Grad von 50 % erreicht wird, wird der Fall im Zweifel abgelehnt.


VWheute: Bemängelt wird auch die lange Bearbeitungszeit von Anträgen, wie kann dem gegengearbeitet werden?

Zunächst ist zu bemerken, dass nicht die gesamte Regulierungsdauer im Verantwortungsbereich des Versicherers liegt. Die große Stärke der BU, die Verknüpfung des persönlichen Gesundheitszustandes mit der individuellen beruflichen Leistungsfähigkeit, macht die Informationsbeschaffung enorm aufwendig. Antragsteller wie auch verschiedene Ärzte müssen Auskunft geben. Zudem sind Kenntnisse und Einschätzungen zu konkreten Tätigkeiten gefragt.

 

Dennoch können auch die Gesellschaften zur Verkürzung der Bearbeitungszeiten beitragen. Häufig ist den Kunden nicht klar, welche Unterlagen überhaupt eingereicht werden müssen. Hier sollten die Gesellschaften die Kunden von vornherein besser aufklären. Einige Gesellschaften haben z. B. gute Erfahrungen mit einer direkten telefonischen Kontaktaufnahme mit dem Kunden nach der Leistungsfallanmeldung gemacht. So wird der Kunde über den Ablauf der Leistungsprüfung und die benötigten Unterlagen bereits am Anfang des Prüfprozesses informiert und in das Verfahren eingebunden.


VWheute: Was sollte aus ihrer Sicht in der BU als nächstes angegangen werden, um ein noch besseres Produkt zu bekommen?

Michael Franke: Wie eingangs erwähnt, ist das eigentliche BU-Produkt schon fast am Optimum angekommen.

 

Jedoch können die Prozesse rund um die BU verbessert werden. Im Antragsprozess wäre das der Abschluss direkt am Point of Sale durch die Möglichkeit der elektronischen Risikoprüfung und Dunkelverarbeitung der Anträge durch die Gesellschaft. Und auch in der Leistungsfallbearbeitung gibt es zahlreiche Ansätze der Optimierung, z.B. durch automatisierte Regulierung klarer Fälle oder die Einführung einer elektronischen Akte, über die der Kunde den Stand der Leistungsbearbeitung einsehen kann. Weitere Ansätze hierzu haben wir in unserem fb>blog skizziert.

 

 Die komplette Studie finden Sie HIER.

Franke & Bornberg · Berufsunfähigsversicherung · Ratings · Marktbericht
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