Politik & Regulierung

Glyphosat-Prozess: Kauft sich Bayer mit 8 Mrd. Euro frei?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Milliardenstrafen gegen Bayer wurden zuletzt stark reduziert. Warum die Aktie jedoch jetzt in die Höhe schießt, liegt daran, dass womöglich ein Vergleich bevorsteht. Einem Bloomberg-Bericht zufolge hatte der Dax-Konzern bis zu acht Milliarden Dollar offeriert, um die mehr als 18.000 Schadensersatzklagen im Zusammenhang mit Glyphosat beizulegen. Damit würde Bayer vergleichsweise günstig wegkommen.

Das weiß auch der als Mediator im Verfahren eingesetzte US-Anwalt Kenneth Feinberg, der den Zeitungsbericht dementiert. "Bayer hat nicht vorgeschlagen, acht Milliarden Dollar zu zahlen, um alle US-Roundup-Krebs-Klagen beizulegen. Solch eine Behauptung ist reine Fiktion", stellte Feinberg im Gespräch mit dem Handelsblatt klar. "Die Entschädigung ist nicht einmal diskutiert worden in den globalen Vermittlungsdiskussionen, die noch bis in den September andauern werden", betonte Feinberg.

 

Bayer selbst nahm am Freitag unter Verweis auf die Verschwiegenheitspflicht im Rahmen des Mediationsverfahren nicht Stellung zu den Gerüchten. "Wenn Bayer mit acht Milliarden Dollar durchkommt, wird die Aktie bald bei 90 Euro sein und sich binnen Jahresfrist verdoppeln", schätzt Markus Mayer von der Baader Bank. 

 

Der Pharmakonzern Bayer hat im Juni auch den dritten wichtigen Prozess im Zusammenhang mit dem Monsanto-Unkrautvernichter "Roundup" verloren – und soll 2,05 Mrd. Dollar Schadenersatz (1,82 Mrd. Euro) zahlen. Ein Ehepaar hatte das Unternehmen verklagt, weil es „das Mittel für seine Krebserkrankungen verantwortlich macht. Die Summe setzt sich aus Schadensersatz und Strafzusatzzahlungen – den so genannten "Punitive Damages" zusammen. Der Bayer-Konzern, der Monsanto im vergangenen Jahr für fast 60 Mrd. Euro übernommen hat, unterschätzte offenbar die Prozessrisiken von Monsanto völlig. Inzwischen wurden die Strafen deutlich reduziert. Das ist jedoch keine Entwarnung. Selbst wenn jeder der 18.000 Kläger etwa 10 Mio. Euro erhält, ergibt das eine Summe von 180 Mrd. Euro.

 

Bayer gibt an, vor der Fusion habe man zugunsten von Monsanto auf eine Produkthaftpflichtdeckung zu marktüblichen Bedingungen bestanden. Unklar ist, ob die Police wie in den USA üblich auf Basis von claims-made oder auf occurrence (Verstoß) funktioniert. In der Praxis dürfte dies aber aufgrund der wohl vorhandenen Serienschadenklausel irrelevant sein, d.h. auch nun noch geltendgemachte Ansprüche dürften auf dasjenige Policenjahr zurückfallen, in dem der erste Schadenersatzanspruch gestellt wurde, vermutlich 2016. Typischerweise schließen Produkthaftpflichtpolicen die Rekordstrafen der punitive damages aus. 

 

Monsantos Mitgift bei der Übernahme ist ein Multimillarden-Rechtsrisiko. Hinzukommen noch die herkömmlichen Probleme bei der Integration. Seit August 2018 hat Bayer fast 50 Mrd. Euro an Börsenwert verloren. Durch einen möglichen Vergleich könnte dem Konzern jedoch schnell wieder der Befreiungsschlag gelingen.

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