Ein Volocopter über einer Stadt
Ein Volocopter über einer StadtQuelle: Volocopter
Märkte & Vertrieb

"Flug-Taxis werden so sicher sein wie Langstreckenflieger"

Von Michael StanczykTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wer schafft den Durchbruch bei den Flug-Taxis? Ausschließlich diejenigen, die „emissionsfrei fliegen und so leise wie möglich sind“, glaubt Axel Zosel, Mitbegründer von Volocopter. Im Interview mit der Versicherungswirtschaft verrät er, wie diese neue Form der Mobilität versichert sein sollte.

Versicherungswirtschaft: Wie ist die Idee des Volocopters entstanden?

Axel Zosel: Die Idee entstand als mein Mitgründer Stephan Wolf seinem Sohn eine Spielzeugdrohne kaufte. Drohnentechnologie macht fliegen kinderleicht. Stephan war fasziniert von der Idee auch das bemannte fliegen kinderleicht zu machen und begann zu rechnen, ob man Drohnen nicht auch so groß bauen könnte, dass Menschen damit fliegen könnten.

 

Versicherungswirtschaft:Weltweit ist ein neuer Hype um die Flug-Vehikel entstanden. Ist er Ihrer objektiven Meinung nach gerechtfertigt?  

Axel Zosel: Ja. Flugtaxis und Urban Air Mobility werden die Art und Weise, wie wir Menschen uns fortbewegen massive verändern. Es gibt zahlreiche Studien, die den Marktwert für Flugtaxis auf Milliarden weltweit schätzen. 

 

VersicherungswirtschaftWie denken Sie kann das "fliegende Taxi" das Mobilsein des Menschen, gerade im Pendlerland Deutschland, in den nächsten Jahren verändern?

Axel Zosel: Flugtaxis können an wichtigen Verkehrsknotenpunkten die aktuelle Infrastruktur zum einen entlasten und das existierende Nahverkehrsnetz ergänzen. Flugtaxisysteme sind um einiges kostengünstiger als herkömmliche S-Bahnsysteme oder Straßen, da weder Straßen, Schienen, Brücken, noch Tunnel in Stand gehalten werden müssen.

Für den Fluggast heißen Flugtaxis in erster Linie Zeiteinsparungen und das immer wieder besondere Erlebnis die eigene Stadt aus einer neuen Perspektive zu sehen.

 

Versicherungswirtschaft: Gemeinsam mit der staatlichen Verkehrsbehörde „Roads and Transport Authority“ (RTA) ist Volocopter im vierten Quartal 2017 zu ersten Testflügen in Dubai abgehoben. Wie ist der Entwicklungsstand 2019?

Axel Zosel: Wir sind weiterhin Technologiepartner. Aktuell befindet sich die RTA in einer Evaluierungsphase mit welchen Anbietern sie Zusammenarbeiten möchte. Bis die RTA sich hierzu offiziell äußert, können wir leider keine Informationen herausgeben.

Axel Zosel, Mitbegründer von Volocopter
Axel Zosel, Mitbegründer von Volocopter

Versicherungswirtschaft:Auch Big Player wie Airbus und Boeing haben mittlerweile entsprechende Projekte vorgestellt. Wie können Sie da mithalten und sich im wahrsten Sinne des Wortes abheben?

Axel Zosel: Als junges Unternehmen haben wir den Vorteil, dass wir schnell agieren können und der Volocopter unsere einzige Priorität ist. Wir müssen uns nicht um Konzernpolitik kümmern und unser Projekt gegen viele andere durchsetzen. Das ist unser großer Vorteil. So entwickeln wir schnell und mit einem Spitzenteam, dass mit Leidenschaft die Mobilität verändern möchte.

 

Versicherungswirtschaft: Großkonzerne wie Daimler oder Intel sind u. a. an Volocopter beteiligt. Inwiefern hilft das?

Axel Zosel: Als strategische Partner geht die Beteiligung weit über eine finanzielle Unterstützung hinaus. Wir haben mehrere Projekte, an denen wir arbeiten, aber insbesondere in der Zukunft sind die Erfahrungen von Intel und Daimler beispielsweise in Sachen Serienproduktion extrem wertvoll.

 

Versicherungswirtschaft:Wer wird aus dem Wettstreit als Gewinner hervorgehen? Was sind die wichtigsten Kriterien?

Axel Zosel: Einige der Konzepte und Projekte werden den Markteintritt schaffen. Zumal viele der Flugtaxis unterschiedliche Strecken bedienen. Den Markteintritt werden jedoch diese zuerst schaffen, die eine vergleichsweise einfach zulassbare Technologie haben. Außerdem ist es wichtig, die Menschen von den Flugtaxis zu überzeugen. Wir glauben fest daran, dass ausschließlich Flugtaxis akzeptiert werden, die emissionsfrei fliegen und so leise wie möglich sind. Das sind die Ziele, die wir im Kopf haben, wenn wir den Volocopter entwickeln.   

 

Versicherungswirtschaft: Wie sicher sind die neuen Flug-Vehikel?

Axel Zosel: Urbane Mobilität wird mindestens so sicher sein, wie die Airliner, mit denen wir heute für Langstreckenflüge reisen. Dieses Level von Sicherheit ist Voraussetzung, dass die Flugtaxis überhaupt eine Genehmigung erhalten zu fliegen. In Europa reguliert die Europäische Agentur für Flugsicherheit den kommerziellen Flugverkehr

 

Versicherungswirtschaft:Wie versichert sich Volocopter gegen Unfälle? Übernehmen Sie als Produzent die Haftung?

Axel Zosel:Zum Thema Haftung arbeiten wir mit einigen innovativen Versicherungen zusammen. Wer genau die Haftung in Einzelfällen übernimmt muss individuell geprüft werden. Bis Flugtaxis in Betrieb gehen wird sicherlich neben der klassischen Produkthaftung auch die Haftungsfrage für den Betrieb geklärt sein.

 

Versicherungswirtschaft:Was ist mit Blick auf Regulierung die Infrastruktur zu beachten? Wie müssten deutsche Städte für solche Taxis umgerüstet werden?

Axel Zosel: Die VoloPorts werden genauso zertifiziert werden wie heutzutage Flughäfen bzw. Helipads. Wir werden noch dieses Jahr den ersten mobilen VoloPort Prototyp bauen in Singapur. Dieser dient auch dazu Prozesse und Wartungen zu testen und zu optimieren und mit den Behörden die Parameter festzulegen.

Grundsätzlich benötigt eine Stadt ein Air Traffic Management System, um die urbane Mobilität zu regulieren und die Landeinfrastruktur. Dafür bieten sich freie Flächen auf Hochhäusern, Parkgaragen, S-Bahn-Stationen oder auf Shopping Malls.

 

Versicherungswirtschaft: Was fordern Sie von der Bundesregierung?

Axel Zosel: Wir haben von Anbeginn sehr eng mit den Behörden zusammengearbeitet und grundsätzlich viel Unterstützung und offene Türen angetroffen. Da unsere neueste Technologie nicht in existierende Rahmen der Regulierung passt, kommt es gelegentlich zu Verzögerungen bei Genehmigungen. Hier wäre es hilfreich, Kompetenzen auf Bundeseben zum Thema Urban Air Mobility zu bündeln, damit diese schneller agieren können.

Zudem gibt es viele tolle Förderprogramme, von denen wir bereits profitiert haben. Bei kleineren Förderungen ist der bürokratische Aufwand für junge Startups schwierig zu stemmen. Hier wäre es wünschenswert, wenn es schlankere Förderprogramme für ganz kleine Firmen gäbe.

 

Das Interview und viele andere gute Geschichten finden sie in der aktuellen Versicherungswirtschaft, die Sie HIER bestellen können.

Zukunftsstrategie · Volocopter. · Mobilität
Auch interessant
Zurück
23.08.2019VWheute
DWS-Top-Manager Albrecht malt apoka­lyp­ti­sches Bild der Märkte Die Situation hat sich seit den Jahresanfang verschlimmert – und schon damals habe es…
DWS-Top-Manager Albrecht malt apoka­lyp­ti­sches Bild der Märkte
Die Situation hat sich seit den Jahresanfang verschlimmert – und schon damals habe es düster ausgesehen". Das sagt Tim Albrecht, Aktienchef Deutschland, Österreich und Schweiz der …
15.08.2019VWheute
HEK präsen­tiert elek­tro­ni­sche Gesund­heits­akte smar­the­alth Eine elektronische Gesundheitsakte (eGA) kann auch funktionieren. Mit smarthealth …
HEK präsen­tiert elek­tro­ni­sche Gesund­heits­akte smar­the­alth
Eine elektronische Gesundheitsakte (eGA) kann auch funktionieren. Mit smarthealth bietet die Hanseatische Krankenkasse (HEK) ihren Kunden ab Oktober 2019 in Form einer eGA die Möglichkeit, persönliche …
05.08.2019VWheute
Zwischen Frei­handel, Gangs und Klima­wandel – Versi­cherer in Südame­rika Einen "historischen Moment" sah EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker…
Zwischen Frei­handel, Gangs und Klima­wandel – Versi­cherer in Südame­rika
Einen "historischen Moment" sah EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten. Fast 20 Jahre dauerten die Verhandlungen mit den größten …
04.07.2019VWheute
Große Fort­schritte von auto­nomer Mobi­lität in Karls­ruhe – Hacker, Hitze und zu viel Schatten als Gefahren Das autonome Fahren ist im Ländle …
Große Fort­schritte von auto­nomer Mobi­lität in Karls­ruhe – Hacker, Hitze und zu viel Schatten als Gefahren
Das autonome Fahren ist im Ländle Chefsache. Wenn die Initiatoren des Testfeldes Autonomes Fahren Baden-Württemberg (TAF BW) in Karlsruhe zur Präsentation der …
Weiter