Ergo Deutschland-Chef Achim Kassow
Ergo Deutschland-Chef Achim KassowQuelle: Ergo
Schlaglicht

Kassow sieht viel Potenzial bei Ergo-Abwicklungsplattform

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Ergo stellt sich strukturell und auf der Produktseite neu auf. "Alles, was die Kontaktaufnahme des Kunden zu uns vereinfacht, tun wir“ erklärt Achim Kassow. VWheute sprach mit dem Vorstandsvorsitzender der Ergo Deutschland AG über den Vermittler der Zukunft, den Verkauf von Versicherungen über Alexa und den umstrittenen Provisionsdeckel.

VWheute: Sie haben eine Kooperation mit IBM gegründet, um die Klassik-Bestände im Unternehmen abzuwickeln. Hat sich dieser Schritt bereits für die Ergo bezahlt gemacht?

Achim KassowDurch unsere Partnerschaft mit IBM haben wir den Grundstein für eine leistungsfähige Plattform zur Verwaltung geschlossener Bestände gelegt. Die Bündelung der Kompetenzen von Ergo und IBM wird zum mittelfristigen Aufbau eines leistungsfähigen, hoch effizienten Bestandsverwalters führen. Die Aufbauphase läuft. 2020 sollen erste Ergo-Bestände auf die neue Plattform übertragen werden.

 

VWheute: Ergo will künftig auch Lebensversicherungen weiterer Anbieter abwickeln. Welche Pläne verfolgen Sie dabei konkret und welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Plan? Und worin wollen Sie sich dabei von anderen Run-off-Spezialisten unterscheiden?

Achim KassowUnser Fokus liegt zunächst auf der Migration der eigenen Bestände. Aber ja, sobald wir diese erfolgreich auf der neuen Plattform verwalten, haben wir grundsätzlich die technischen Voraussetzungen, dies auch für andere Versicherer zu tun. In der Fachsprache heißt das Third Party Administration, kurz TPA. Wir sehen mittelfristig viel Potenzial für TPA-Geschäft: Viele Lebensversicherer stehen mit ihren klassischen Beständen vor der Herausforderung, notwendige IT-Investitionen bei gleichzeitig schrumpfenden Beständen darzustellen. Bei unseren Kontakten im Markt stellen wir schon jetzt ein großes Interesse am Thema TPA fest. Insbesondere für kleine und mittlere Versicherer könnten wir mit unserer hochmodernen IT-Plattform ein attraktiver Partner sein: Während Ergo die komplette Vertragsverwaltung im Hintergrund übernimmt, bleibt für die Versicherten der anderen Unternehmen alles beim Alten. Ihr Vertragspartner ändert sich nicht.

 

VWheute: Lebensversicherungen gehören zu den beratungsintensiven Produkten. Welche Rolle spielt der Vermittler in der Zukunft beim Thema Beratung und wird irgendwann einmal ein Roboadvisor oder gar einen Sprachassistent (Alexa) an dessen Stelle treten?

Achim KassowDer Vermittler wird auch in Zukunft zentraler Bezugspunkt unserer Kunden sein. Nicht nur, aber insbesondere beim Abschluss einer Lebensversicherung ist auch künftig das persönliche Gespräch ausschlaggebend. Altersvorsorge ist, wie Sie zu Recht sagen, ein Thema, in das viele persönliche Aspekte, Rahmenbedingungen und Wünsche einfließen. Zudem sind die Produkte individuell gestaltbar, unsere Vermittler sind hierfür optimal ausgebildet. Da hilft es also, die Optionen in einem persönlichen Dialog zu sondieren und gemeinsam individuell passende Lösungen zu finden. Gleichzeitig ändern sich Interaktionspräferenzen. Ob über Sprachassistenten, mobil oder online: Digital ist zunehmend der erste Kontaktpunkt eines Kunden. Das sehen auch unsere Vermittler und haben ihre Aktivitäten darauf eingestellt. Zusammen haben wir zum Beispiel die Sichtbarkeit bei Google für unsere Vermittler vor Ort optimiert und sie bieten Terminvereinbarung heute online oder auch über WhatsApp an. Und als ERGO-Kunde sehen Sie beispielsweise im Online-Kundenportal alle Infos zu ihren Verträgen auf einen Blick und können direkt Änderungen vornehmen, Verträge anfragen, Angebote, die der Vermittler eingestellt hat, mit einem Klick annehmen oder auch direkt Kontakt zum Vermittler aufnehmen. Der Kunde will heute selbst entscheiden, wie und wann er mit uns in Kontakt tritt. Alles, was die Kontaktaufnahme vereinfacht, tun wir.

 

VWheute: Sie sagten ja kürzlich in einem Interview mit dem Tagesspiegel, Versicherungen künftig verstärkt über Alexa verkaufen zu wollen. Wie sehen diese Pläne konkret aus?

Achim KassowSprachanwendungen erleichtern unseren Alltag, ihre Verbreitung wird massiv wachsen. Fast die Hälfte aller aktuellen Nutzer von Sprachassistenten wären etwa interessiert, darüber ihre Bankangelegenheiten zu erledigen – und wir haben ein klares Ziel: Sobald sich ein Kunde über Alexa mit einem Versicherungsthema beschäftigt, soll er Ergo wahrnehmen. Deshalb haben wir auch für den Ausbau des Kanals Sprachassistenz extra ein spezialisiertes Team aufgebaut. Und seit Ende letzten Jahres können Sie bei uns ihre Auslandskrankenversicherung über Alexa abschließen. Dieses Angebot haben wir als einer der ersten Versicherer in Europa auf den Markt gebracht. Aktuell haben wir bei Alexa mehr als zehn Skills, darunter Anwendungen zu den Themen Recht, Risiko und Reisen. Vier davon sind an Zielgruppen innerhalb von Ergo gerichtet, unter anderem, um es unseren Vermittlern zu erleichtern, den Kunden Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können.

 

VWheute: Stichwort Provisionsdeckel: Natürlich kommen auch wir an den aktuellen Plänen der Bundesregierung zu einer Deckelung der Provisionen nicht vorbei. Die Kritik aus der Branche ist entsprechend harsch. Wie bewerten Sie die politischen Pläne sowie die aktuellen Referentenentwürfe?

Achim KassowDer nachvollziehbare Grundgedanke, Fehlanreize im Vertrieb zu verhindern, wurde bereits 2018 mit der sogenannten EU-Vertriebsrichtlinie umgesetzt. Von daher sehe ich keine Notwendigkeit für eine Deckelung. Dazu kommt, dass sich der nun vorgeschlagene Provisionsdeckel sogar als Kostentreiber und damit unter dem Strich nachteilig für den Kunden entpuppen könnte. Das ist in meinem Verständnis das Gegenteil von dem, was die Politik intendiert hat. Ich würde es sehr begrüßen, wenn die Bundesregierung ihre Pläne noch einmal grundsätzlich überdenkt.

 

VWheute: Thema Altersvorsorge: Die Lebensversicherung galt in den vergangenen Jahren als Lieblingskind der Altersvorsorge. In Zeiten niedriger Zinsen hat das Produkt mittlerweile an Reiz verloren. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage des deutschen Lebensversicherungsmarktes und wie sieht es um die Zukunft der Lebensversicherung aus? Werden Garantien künftig noch eine Rolle in der Lebensversicherung spielen?

Achim KassowEs wird immer einen Bedarf für Altersvorsorge und Risikoabsicherung geben. Wir als Ergo, wie viele in der Branche, haben auf die veränderten Marktgegebenheiten und Anforderungen der Kunden reagiert. Der zentrale Vorteil für Kunden ist doch unverändert, dass die Altersvorsorge über eine Lebens- bzw. Rentenversicherung, ob im Privaten oder über den Betrieb, eine Absicherung bis an das tatsächliche Lebensende bietet. Die Gefahr, länger zu leben als das Geld reicht, ist hiermit gebannt. Das bietet kein anderes Produkt. Außerdem lassen sich über die Jahre und das Kollektiv Schwankungen ausgleichen – in einer zunehmend volatilen Welt ein weiterer Vorteil, gerade für Kunden, die sich nicht täglich mit Ihrer Anlage beschäftigen wollen oder können. Und das wollen bisher die wenigsten. Zusätzlich bieten wir mit unseren ERGO-Investmentprodukten weitere, sehr interessante Lösungen an, so dass für jeden Kunden das Richtige dabei ist.

 

Zu den Garantien: Kunden wollen alles, von maximaler Renditeorientierung bis zur Garantie. Dafür haben wir schon vor einiger Zeit das Portfolio in der Altersvorsorge um moderne, kapitalmarktorientierte und innovative Produkte ergänzt. „ERGO Rente Balance“ und „ERGO Rente Index“ runden seitdem unser Angebot in der Lebensversicherung ab. Zusammen mit „ERGO Rente Chance“ bieten wir unseren Kunden Lösungen, die – von einer Garantie von 100 Prozent der Beiträge bis zur maximalen Renditechance ohne Garantie – die gesamte Bandbreite der Bedürfnisse abdecken können. Das ist, was wir als Versicherer selber in der Hand haben – für andere Schritte brauchen wir die Politik. So wäre grundsätzlich im Bereich der geförderten Produkte mehr Flexibilität für uns wichtig, also dass wir die Höhe der Garantien freier festlegen können, beispielsweise durch eine Aufhebung der gesetzlich vorgeschriebenen 100 Prozent-Bruttobeitragsgarantie bei Riester.

Ergo · Achim Kassow · Lebensversicherungsprodukte mit Garantieverzinsung · Run-off
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