Innovationen sind auch in der PKV gefragt
Innovationen sind auch in der PKV gefragtQuelle: Bild von TeroVesalainen auf Pixabay 
Schlaglicht

Ralf Kantak: Warum die PKV ein Motor für Innovationen ist

Von Dr. Ralf KantakTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Gesundheitsversorgung in Deutschland steht vor einem Umbruch, die Digitalisierung wird sie in den kommenden Jahren fundamental verändern. Diese Entwicklung können und müssen wir gestalten – und zwar im Sinne des Patienten. Bislang wird sie allerdings maßgeblich aus den USA und aus Asien getrieben, wo digitale Versorgungsange­bote längst zum Alltag gehören. Ein Gastbeitrag von Dr. Ralf Kantak, Vorsitzender des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV).

Aber auch im deutschen Gesundheitsmarkt entsteht eine zunehmende digitale Dynamik. Für die Patienten ist das eine gute Nachricht, denn digitale Angebote werden ihre Versorgung verbessern:

● Telemedizinische Angebote erleichtern den Zugang zu medizini­scher Versorgung – auch weitab der großen Zentren,

● Gesundheits-Apps begleiten Menschen mit chronischen Erkrankungen,

● digitale Angebote unterstützen die Patienten in der Prävention oder in der Therapie-Sicherheit bei Arzneimitteln.

Die Private Krankenversicherung (PKV) will ein Treiber der digitalen Innovation sein, so wie die PKV im Wettbewerb des dualen deutschen Gesundheitssystems seit jeher als Motor für medizinische Innovationen wirkt.

 

Daher werden wir im Rahmen unserer Kapitalanla­gen mit einem eigenen Fonds innovative Gründer unterstützen und digitale Gesundheits-Startups aktiv fördern. Dafür bilden wir eine Partnerschaft mit zwei führenden Unternehmen aus dem Bereich Digital Health. Die Verhandlungen sind bereits sehr weit gediehen, das Konzept steht – und sobald die Verträge fertig sind, werden wir loslegen.

 

Durch unseren Innovations-Fonds sollen digitale Gesundheitsanwendun­gen noch schneller in die Versorgung gelangen. So wollen wir die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens aktiv mit voran­treiben, um auch in Zukunft eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau zu garantieren.

Innovativ ist die PKV auch bei der Entwicklung von elektronischen Gesundheitsakten, die für die Verankerung von ‚eHealth‘ in der medizinischen Grundversorgung eine Schlüsseltechnologie sind. Sie ermöglichen es dem Patienten, Ärzten und Kliniken Einblick in seine Gesundheitsdaten zu geben und z.B. Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Dafür ist ein reibungsloser, volldigitaler Datenaustausch mit den Leistungserbringern erforderlich. Er soll in Zukunft über die sogenannte Telematikinfrastruktur (TI) als Datenautobahn erfolgen. Die Gesetzgebung sieht bislang allerdings nur eine verbindliche Anwendung von elektronischen Patientenakten im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung vor. Die diskriminierungsfreie Nutzung der durch Privatversicherte und Beihilfeberechtigte ist derzeit nicht geklärt. Hier besteht noch dringender politischer Handlungsbedarf.

 

Neue Gebührenordnung und Versicherungslösungen

 

Sehr weit vorangekommen sind wir auf dem Weg zu einer neuen Gebühren­ordnung für Ärzte (GOÄ), für die wir gemeinsam mit der Ärzteschaft und Vertretern der Beihilfe ein modernes Konzept entwickeln – das auch zukünftige medizinische Innovationen ganz rasch integrieren kann.

 

Große Fortschritte gibt es auch bei innovativen Versicherungslösungen, zum Beispiel im Versorgungsmanagement. Fast alle PKV-Unternehmen unterhalten inzwischen spezielle Programme zur Versorgung von Versicherten mit chronischen Erkrankungen oder schweren Indikationen (z.B. Diabetes, Herz-Kreislauf, psychische Erkrankungen). So stellen wir den Patienten beispielsweise medizinisch oder pflegerisch qualifizierte Mitarbeiter zur Verfügung, die sie als Lotsen im System unterstützen.

Aber schon die klassischen Leistungen der PKV wirken jeden Tag als Antreiber dafür, dass medizinische Innovationen möglichst schnell bei den Patienten in Deutschland ankommen. Denn der Nährboden für Fortschritt heißt Wettbewerb. Und das weit überdurchschnittliche Niveau unserer medizinischen Versorgung ist nicht zuletzt die Folge des Leistungswettbewerbs zwischen GKV und PKV.

 

Während die Leistungen der GKV nach Vorgabe des Sozialgesetzbuchs stets „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein müssen, gilt in der PKV allein die medizinische Notwendigkeit für den Patienten als Kriterium. Aufgrund dieser verschiedenen Rahmenbedingungen und der damit verbundenen Unterschiede im Zulassungsverfahren übernimmt die PKV oft die Rolle eines Türöffners. Das bestätigt z.B. auch Prof. Dr. Jürgen Wasem, einer der führenden Gesundheitsökonomen: "Die niedrigen Markteintrittsbarrieren und das relativ flexible Vergütungssystem in der PKV fördern eine schnelle Einführung von Innovationen."

 

Ich möchte das mit konkreten Beispielen belegen:

 

• Rund 15 Jahre dauerten in der Gesetzlichen Selbstverwaltung die Beratungen über eine Zulassung des Diagnoseverfahrens "Positronen-Emissions-Tomographie-CT" (PET-CT) für GKV-Versicherte, bis der Gemeinsame Bundesausschuss einen entsprechenden Beschluss fasste. Während dieser Zeit wurde das neue Verfahren, mit dem Tumore besser bestimmt werden können, von der PKV bereits erstattet. Damit stieg auch der Druck auf eine Zulassung in der GKV.

• Wenn ein Krankenhaus einen "hochintensiven fokussierten Ultraschall" (HIFU) installiert, der u.a. gegen Tumore in der Leber angewendet wird, würde sich der Betrieb allein aus der stationären Behandlung nicht rechnen, er brächte rund 70.000 Euro Verlust im Jahr. Weil aber die PKV-Unternehmen ihren Versicherten auch ambulante Behandlungen im Krankenhaus erstatten, amortisiert sich das moderne Gerät, wenn nur jeder 40. Patient ambulant behandelt und auf PKV-Basis vergütet wird. Unter dem Strich profitieren also alle Versicherten.

• Nach der Einführung moderner "Insulinanaloga" bei Typ-II-Diabetes wurden sie aus dem GKV-Leistungskatalog zunächst ausgeschlossen. Doch die PKV erstattete die Kosten von Anfang an – und so zeigte sich, dass die Medikamente den Patienten eine wesentlich bessere Lebensqualität brachten. Nach und nach waren einzelne gesetzliche Kassen dann ebenfalls zur Erstattung bereit – und sieben Jahre später hat die GKV den Ausschluss komplett zurückgenommen. Hier wirkte die PKV als Türöffner.

• Ganz aktuell erweist sich die PKV auch bei der Telemedizin als Antreiber. Wenn Ärzte mit Patienten per Online-Chat und Video-Sprechstunde zusammenkommen, können Sie das bislang nur bei Privatpatienten problemlos abrechnen. GKV-Patienten sind weitgehend außen vor – aber ich wage die Prognose: Dort wird sich das Vorbild der PKV ebenfalls durchsetzen.

• Auch in der Pflege sind Innovationen oft die Folge eines Ideenwettbewerbs zwischen GKV und PKV. Ein Beispiel ist die private Pflegeberatung "compass". Ihr erfolgreiches Vorbild einer aufsuchenden Beratung bei den Pflegebedürftigen zuhause hat den Gesetzgeber inzwischen dazu bewogen, dies auch als Angebot für gesetzlich Versicherte vorzuschreiben.

 

Die Beispiele zeigen, wie produktiv der Wettbewerb von GKV und PKV ist. Im Ergebnis profitiert die GKV vom raschen Zugang der Privatversicherten zu Innovationen, die PKV wiederum von der im System der GKV implementierten Nutzenbewertung. Dieser Systemwettbewerb wirkt zu Gunsten eines gemeinsamen Versorgungssystems und damit zum Vorteil aller Versicherten in Deutschland.

SDK · PKV-Verband · PKV · Innovationen
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