Thorsten Pauls, Vorstand Bancassurance
Thorsten Pauls, Vorstand BancassuranceQuelle: Talanx
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Talanx-Vorstand Pauls: "Solvency II Überprüfung wird keine großen Erleichterungen bringen"

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Solvency II – kein Thema beschäftigt Vorstände mehr, wohl wenige werden sie in den nächsten Jahren mehr beschäftigen. Thorsten Pauls, verantwortlicher Vorstand für das Ressort "Finanzen und Risikomanagement" der HDI Deutschland Bancassurance (TAV, PBV, Neue Leben), zieht exklusiv Bilanz. Es ist bei weitem nicht alles schlecht, die Regeln hätten die Lebensversicherer krisensicherer gemacht, doch es gibt auch ein "aber".

VWheute: Das Regelwerk Solvency II ist seit Anfang 2016 in Kraft. Wie sieht Ihre Bilanz nach dreieinhalb Jahren aus?

Thorsten Pauls: Das Hauptziel von Solvency II ist der Schutz der Versicherungsnehmer. Es wird dadurch erreicht, dass das Regelwerk - im Gegensatz zu früheren Systemen - alle Risiken berücksichtigt, denen ein Versicherer ausgesetzt ist. Konkret wirkt sich Solvency II auf verschiedenste Steuerungsentscheidungen der Lebensversicherer aus (z.B. Produktgestaltung, Kapitalanlagen) und fördert einen bewussten Umgang mit den eingegangenen Risiken. Insofern hat Solvency II die Lebensversicherer krisenfester gemacht.

 

VWheute: Also ein grundsätzlich positives Fazit …

Thorsten Pauls: Es handelt sich allerdings um ein sehr komplexes System, mit dem auch hohe formale Anforderungen verbunden sind. Im einen oder anderen Punkt kann man sich die Frage stellen, ob der damit geschaffene Mehrwert den erforderlichen Aufwand rechtfertigt bzw. wirklich einen nennenswerten Beitrag zum Schutz des Versicherungsnehmers leistet. Ich denke hier unter anderem an die vielfältigen, sich zum Teil überschneidenden Berichtspflichten an die Aufsicht und die Öffentlichkeit.

 

VWheute: Die Europäische Kommission hat ein umfangreiches Arbeitsprogramm zur Überprüfung des Regelwerks aufgelegt. Was versprechen Sie sich als Lebensversicherer davon?

Thorsten Pauls: Ziel der Überprüfung des Solvency-II-Regelwerks sollte es sein, soweit möglich, den bürokratischen Aufwand zu verringern. Nach unserer aktuellen Einschätzung wird die Überprüfung allerdings keine großen Erleichterungen bringen. Vielmehr drohen zusätzliche quantitative Belastungen aus verschärften Anforderungen. Diese betreffen beispielsweise die den Berechnungen zugrundeliegenden Zinskurven, aber auch die damals eingeführte Volatilitätsanpassung.

 

VWheute: Bei der Überprüfung geht es auch um die Frage, ob die erleichterten Solvenzregeln über 2021 hinaus angewandt werden sollen. Glaubt man mancher Studie, werden diese von weiten Teilen der Branche auch in Anspruch genommen. Wie bewerten Sie die Pläne?

Thorsten Pauls: Die über die Jahre beobachteten verbesserten Solvenzquoten spiegeln letztlich den bewussten Umgang der Lebensversicherer mit den eingegangenen Risiken wider. Aus diesem Grund sollten die Verbesserungen nicht einfach zum Anlass genommen werden, die zu Grunde gelegten Regeln zu verschärfen.

 

VWheute: Sind die Erleichterungen angesichts verbesserter Solvenzquoten wirklich noch zeitgemäß?

Thorsten Pauls: Unseres Erachtens haben die mit Solvency II eingeführten Regeln auch über den Stichtag 2021 hinaus durchaus ihre Berechtigung. Insbesondere die Volatilitätsanpassung ist eine Maßnahme, die nicht nur für den Übergang auf Solvency II eingeführt wurde, sondern auf Dauer angelegt ist. Sie stellt keine pauschale Erleichterung für Versicherungsunternehmen dar. Aber sie führt für Unternehmen, die ihren Versicherungskunden langfristige Garantien ausgesprochen haben und entsprechende langlaufende Kapitalanlagen halten, zu einer angemesseneren Risikobewertung.

 

VWheute: DAV-Chef Guido Bader kritisierte jüngst: "Die Vielfalt der zu erstellenden Berichte geht zu Lasten der Genauigkeit." Was sind aus Ihrer Sicht die konkreten Kritikpunkte und wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?

Thorsten Pauls: In der Tat wäre es zu begrüßen, wenn die sich zum Teil überschneidenden Berichtspflichten reduziert werden könnten. Dies könnte unter anderem dadurch erreicht werden, dass der RSR- und der ORSA-Bericht, die beide an die Aufsicht gehen, zusammengelegt werden. Auch verursachen die unzähligen quantitativen Berichtsformate in Form der sogenannten QRTs einen erheblichen Aufwand. Weniger wäre da bisweilen mehr.

Thorsten Pauls · Talanx · Solvency II · Regulierung
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