Ammerländer konnte die Mitgliederzahl signifikant steigern
Ammerländer konnte die Mitgliederzahl signifikant steigernQuelle: Bild von Peggy und Marco Lachmann-Anke auf Pixabay
Unternehmen & Management

Riesen Wachstum bei der Ammerländer – die Vorstände Axel Eilers und Gerold Saathoff im Interview

Von Elke PohlTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Ammerländer Versicherungsverein knackt die 600.000er Marke bei Kunden. Vor fünf Jahren waren es rund 247.000. Zeit, über diesen erstaunlichen Aufschwung zu sprechen. Ein Vorstand ist dafür kaum genug, weswegen Axel Eilers und Gerold Saathoff, Vorstandsvorsitzender und Vertriebsvorstand der Ammerländer Versicherung, Rede und Antwort standen.

VWheute: Die Ammerländer hat in den letzten fünf Jahren eine erstaunliche Entwicklung genommen. Sie planen jetzt die Erhöhung Ihrer Mitarbeiterzahl?

 

Axel Eilers: Ja, wir erweitern unseren im letzten Jahr fertiggestellten Firmenneubau in Westerstede, wodurch wir unsere Mitarbeiterzahl von jetzt 106 auf 130 erhöhen können. Wir wachsen moderat und die Mitarbeiter meistern dies mit viel Einsatz und Flexibilität. Immerhin haben wir seit vergangenem Jahr erstmals mehr als 500.000 Kunden bzw. Mitglieder, die betreut werden wollen. Wenn man bedenkt, dass wir vor fünf Jahren noch bei 247.000 Mitgliedern waren und in diesem Jahr die 600.000er Schwelle überschreiten wollen, kann man stolz sein auf unsere Unternehmensentwicklung. Dabei haben wir uns von einem regional tätigen zu einem bundesweit erfolgreichen Kompositversicherer entwickelt. Gleichzeitig ist es uns gelungen, ein konzernunabhängiger Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit zu bleiben.

 

VWheute: Die Versicherungsvereine erleben gerade einen beträchtlichen Aufschwung? Wie erklären Sie sich das?

 

Gerold Saathoff: Ich kann nur für uns sprechen. Wir vereinen Bodenständigkeit und Tradition, die wir als VVaG mitbringen, mit Erfindungsgeist und verstehen uns als ein digitaler Sachversicherer. Wir bieten transparente und innovative Produkte mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Das zeigen unsere neuartigen Nischenprodukte, die Trends frühzeitig aufgreifen. So versichert seit fünf Jahren die Fahrrad-Vollkaskoversicherung Privat hochwertige Räder und E-Bikes, wo die Hausratversicherung nicht mehr leistet. Und für gewerblich genutzte Dienst-Fahrräder, die aktuell auf dem Vormarsch sind, greift unsere Fahrrad-Vollkaskoversicherung Gewerbe. Das gilt auch für Leasing-Räder.

 

Axel Eilers: Ich denke, Kunden wissen es zu schätzen, wenn sie zugleich Mitglieder des Versicherungsvereins sind. Denn anders als Kapitalgesellschaften sind wir nicht in erster Linie der Gewinnmaximierung verpflichtet. Der Kundennutze geht immer vor. Zudem setzen wir verstärkt auf einen nachhaltigen Versicherungsbetrieb.

 

Gerold Saathoff: Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: Da wir uns aktuell auf Deutschland als Geschäftsgebiet fokussieren, können wir im Vergleich zu international tätigen Gesellschaften Schadenszenarien genauer einschätzen. Dadurch können wir unsere Beiträge genauer kalkulieren.

Axel Eilers:
Axel Eilers:Quelle: Ammerländer, Vorstandsvorsitzender

VWheute: Wie stehen Sie zu Insurtechs?

 

Gerold Saathoff: Sie sorgen definitiv für neue Impulse. Wie bringen etablierte Versicherer dazu neue Blickwinkel einzunehmen. Das gilt vor allem für die Art und Weise, wie wir in Kontakt mit unseren Kunden treten. Das kann uns also bereichern. Was Insurtechs aber noch häufig vermissen lassen, ist die langjährige Erfahrung im Versicherungswesen. Das haben wir Ihnen in versicherungstechnischen Belangen voraus. Um die Möglichkeiten der Digitalisierung auf unsere Weise auszunutzen, entwickeln wir ständig unsere Prozesse und Strukturen weiter, vor allem in der Schaden- und Auftragsbearbeitung. Hier liegt der Schlüssel zu erfolgreichem Kundenservice, aber auch zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit unseren Vertriebspartnern.

 

VWheute: … und zur Regulierung?

 

Axel Eilers: Natürlich haben Regulierungen wie Solvency II ihre Berechtigung. Letztlich sorgen derartige Richtlinien für verbesserte Kundensicherheit. Im Fall von Solvency II ist allerdings die Belastung für mittelständische Unternehmen wie die Ammerländer Versicherung nach wie vor kritisch zu sehen. Die Umsetzung bindet in hohem Maße personelle Ressourcen und verursacht damit Kosten. Es besteht außerdem die Gefahr, dass das Proportionalitätsprinzip aufweicht, was mittelständische Gesellschaften übermäßig belastet. Es bleibt zu hoffen, dass hier noch Anpassungen geschehen, die das verhindern.

 

VWheute: Welche Vorhaben stehen in der kommenden Zeit an?

 

Axel Eilers: Wir arbeiten auf allen Ebenen daran, unser Wachstum nachhaltig zu gestalten und ein gesundes, dynamisches Unternehmen zu bleiben. Vor diesem Hintergrund werden wir weiterhin in IT-Strukturen investieren, um die Möglichkeiten der Digitalisierung sinnvoll zu nutzen. Optimiert wird außerdem das Risikomanagement und damit verbunden auch unser Kontrollsystem, das auf allen Unternehmensebenen greift. Die Basis unseres Erfolges sind neben den Vertriebspartnern vor allem unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Daher arbeiten wir weiter daran, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Work-Life-Balance zum Beispiel mit flexiblen Arbeitszeitmodellen zu verbessern sowie das betriebliche Gesundheitsmanagement voranzutreiben.

 

Gerold Saathoff: Wer sich gesund entwickeln will, muss sich für Neuerungen öffnen. Wir bauen daher unsere Stellung als innovativer und digitaler Sachversicherer aus. Auf Produktebene entwickeln wir unser Portfolie vor allem bei individuell kombinierbaren Lösungen weiter. Die Themen E-Mobilität, autofreie Städte und Fahrräder werden uns dabei stetig begleiten. Auch der Schutz gegen Elementargefahren, insbesondere Phänomene wie Starkregen, wird an Gewicht gewinnen. Als mittelständischer Versicherer können wir – anders als große Gesellschaften – zeitnah und flexibel mit Produkten reagieren. Vor allem unsere Erfahrung bei Nischenprodukten wird uns auch in Zukunft helfen die Produkte besonders alltagstauglich zuzuschneiden. Zudem werden wir unser Profil als Ammerländer schärfen und die Markenbildung vorantreiben.

Gerold Saathoff, Vertriebsvorstand Ammerländer
Gerold Saathoff, Vertriebsvorstand AmmerländerQuelle: Ammerländer
Ammerländer · Gerold Saathoff · Axel Eilers · Vorstandschef · Vorstände · Wachstum
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