Prieskampf in der KFZ-Saison 2019/20?
Prieskampf in der KFZ-Saison 2019/20?Quelle: Pexels/ Pixabay
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Bereitet die Allianz den KFZ-Preiskampf vor?

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Im März verkaufte die Allianz Deutschland Allsecur an die eigene Muttergesellschaft. Das Ziel war eine gemeinsame IT-Basis für die Allianz Direct, den Onlineversicherer der pünktlich zur neuen KFZ-Wechselsaison startet. Aus dem Konzern hört man, dass anfängliche Verluste beim neuen Spross verkraftbar wären. Das klingt nach Preiskampf. Doch neben dem Kampf um Prozente hat die Branche auch ein Schlüsselproblem.

Die Idee eines Online-Versicherers ist auf dem Markt nicht neu, Huk24 Cosmos und viele andere hatten den Einfall schon vor langer Zeit und verkaufen sich auf dem Markt teuer. Die Allianz Direct muss sich also etwas einfallen lassen, wenn sie bei den Kunden punkten möchte, am einfachsten geht das über den Preis.

 

Das Unternehmen schreibt zu den Gründen für den Start des Online-Versicherers: "Aus der Erfahrung der vergangenen Jahre haben wir gelernt, dass Online-Kunden andere Profile und Bedürfnisse haben als Kunden, die Beratung suchen. Dieses Kundensegment spricht Allianz Direct an: Kunden, die selbst entscheiden und keine Beratung für die Autoversicherung wünschen."

 

So weit so gut, doch was ist mit den in Kauf zu nehmenden Verlusten, wollen die Münchener am Ende doch über den Preis punkten? "Die höhere Kostenquote ist bedingt durch den Aufbau des neuen Versicherungsgeschäftsmodell über vier Länder", schreibt das Unternehmen. 

 

"Durch die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene kann Allianz Direct mittelfristig Innovationen schneller und länderübergreifend verfügbar machen. Dies ermöglicht es uns, unsere Kunden mit der Geschwindigkeit und Einfachheit unseres Services zu einem wettbewerbsfähigen Preis noch besser zu bedienen."

 

Die Münchener zieren sich ein wenig um eine klare Aussage, doch wer die Allianz kennt, weiß, nur mitspielen ist deren Ding nicht. Der KFZ-Wettbewerb wird in diesem Jahr interessant werden.

 

Keyless Go – Auto Gone

 

Der ADAC und sein österreichisches Gegenstück haben schlüssellose Zugangssysteme getestet. Das Ergebnis ist verheerend. Keyless Go beschreibt ein System, um ein Fahrzeug ohne aktive Benutzung eines Autoschlüssels zu entriegeln und per Knopfdruck zu starten. Dass es bei der Methode so große Probleme gibt, ist sehr überraschend, denn es ist seit etwa zwei Jahrzehnten im Einsatz.

Wie groß die Probleme sind, erklärt der Techniker Steffan Kerbl vom österreichischen Automobilclub: "Mittlerweile wurden 273 Autos mit Keyless-Go getestet, und nur vier Modelle ließen sich nicht knacken."

Das ist natürlich auch für die KFZ-Versicherer kein gutes Ergebnis, eine Anfrage beim Allianz Zentrum für Technik zeigt, wie groß das Problem ist.

 

"Der ADAC Test adressiert ein bei den Herstellern schon länger bekanntes Problem konventioneller Schlüssel, sogenannter passiver Schlüssel, landläufig als Keyless Go bezeichnet.  Auch das Allianz Zentrum für Technik (AZT) hat im Jahre 2016 einen Demonstrator gebaut und die Risiken in Fachkreisen dargelegt."

 

Die Lücke ist also bereits seit mindestens drei Jahren bekannt. Ein Umstand, der nach einer Lösung verlangt. Das sieht auch die Allianz so: "Diese Lücke muss nach unserer Auffassung für neue Fahrzeuge rasch geschlossen werden, entsprechende Technologien sind verfügbar. Die Zahlen für Totaldiebstahl von PKW in Deutschland schwanken seit 2006 nur mit geringen Ausschlägen und blieben konstant unter 20.000 Fällen pro Jahr."

 

Wie viele der Diebstähle auf falsche Schlüssel zurückzuführen sind, können die Münchener nicht sagen. "Der Anteil der Fahrzeuge, die mittels eines Angriffs über Keyless Go entwendet wurde, lässt sich aus unseren Daten nicht ermitteln." Das eine so offensichtliche Sicherheitslücke seit Jahren von den Autoherstellern nicht geschlossen wird, ist nicht nachvollziehbar.

 

Wichtig ist bei der Diskussion die Unterscheidung, das es sich bei Keyless Go und dem Virtuellen Schlüssel, über den VWheute ausführlich berichtete, um zwei völlig getrennt zu betrachtende Techniken handelt. Der Virtuelle Fahrzeugschlüssel als Smartphone-Lösung wurde erstmals mit Einführung der Mercedes E-Klasse Ende 2017 eingeführt und unterscheidet sich technisch grundlegend von Keyless Go -Systemen.

 

Wenn Sie mehr über den Virtuellen Schlüssels lernen möchten, empfiehlt sich das Lesen des Artikels, der im Text verlinkt ist.

Allianz Deutschland · Kfz-Markt · Wechselsaison · Allianz Direct · Allsecur
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