Köpfe & Positionen

Haftpflichtkassenchef Roider: " Das Neugeschäft wird sich auf eine kleinere Anzahl von Vermittlern beschränken"

Von Elke PohlTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Haftpflichtkasse VVaG erwartet 2019 einen Prämienrekord von über 200 Millionen Euro, wie der neue Vorstandsvorsitzende Roland Roider im Interview betont. Ein Gespräch über Regulierung, Insurtechs und Fingerspitzengefühl.

VWheute: Herr Roider, Sie sind seit Juni Vorstandsvorsitzender der Haftpflichtkasse. Wie ist Ihr Unternehmen aktuell aufgestellt?

Roland Roider: Bestens! Mit 1,9 Millionen betreuten Versicherungsverträgen und einem Beitragsvolumen von 187 Millionen Euro haben wir 2018 unseren Erfolgskurs der vorherigen Jahre fortgesetzt. Das schlägt sich nun auch in den Zahlen des ersten Halbjahres 2019 nieder und liefert Grund zur Annahme, dass wir 2019 ein historisch hohes Prämienvolumen von über 200 Millionen Euro erzielen werden. Das stabile Bruttoumsatzwachstum setzt sich also fort. Das stimmt uns zuversichtlich und bietet Anlass, weiterhin davon auszugehen, organisch und gesund zu wachsen.
 

VWheute: Worauf führen Sie Ihren Erfolg zurück?

Roland Roider: Ganz wesentlich auf die gute Zusammenarbeit mit unseren Kunden, den Maklern. Derzeit betreuen wir rund 16.000 Geschäftspartner. Dabei stehen deren Bedürfnisse konsequent im Fokus unseres Handelns. Beispielsweise führen wir regelmäßig eigenständige Vermittlerumfragen durch, die uns helfen herauszufinden, wie zufrieden die Vermittler mit uns sind. Dadurch können wir schnell und flexibel Service- und Produktleistungen anpassen. Wir sind sehr stolz auf die hohe Weiterempfehlungsbereitschaft unserer Geschäftspartner von mehr als 92 Prozent. Die Makler schätzen unsere sehr gute telefonische Erreichbarkeit. Von den rund 400.000 Anrufern pro Jahr erreichen 98 Prozent beim ersten Anlauf den richtigen Gesprächspartner, der zu über 90 Prozent endfällig die Anliegen innerhalb dieser Gespräche löst. Hinzu kommt, dass wir den Nutzen der Digitalisierung weitergeben. Von der Angebotserstellung bis zur Tarifierung können Makler alle relevanten Prozesse auf unserem Maklerportal digital abzuwickeln. Mehr als zwei Drittel unseres Neugeschäfts werden dunkel verarbeitet, zudem stellen wir Maklern Tarifrechner für ihre Website zur Verfügung. Prozesseffizienz sowie der Ausbau technischer Anbindungsmöglichkeiten – zugeschnitten auf die digitalen Schnittstellenanforderungen unserer Partner – stehen ganz oben auf der Prioritätenliste.

 

VWheute: Sehen Sie in Insurtechs eine Bedrohung für Ihr Geschäftsmodell?

Roland Roider: Natürlich kann der Eintritt relevanter Wettbewerber wie Friday, Lemonade oder GetSafe unangenehm für Maklerversicherer werden. Auf der anderen Seite sind unsere eigenen Prozesse an Effizienz kaum zu überbieten. Die Entwicklungen stellen also noch nicht das ganze Geschäftsmodell infrage, aber wir erleben im Moment eine digitale Revolution, die den Wettbewerbsdruck verstärkt. Davor werden wir die Augen nicht verschließen. Ich sehe im Gegenteil darin einen Ansporn für uns, die Zufriedenheit unserer Kunden tagtäglich zu steigern und uns weiterhin an unserem Versprechen messen zu lassen.

 

VWheute: Was wünschen Sie sich in Bezug auf weitere Regulierungsbestrebungen von der Politik?

Roland Roider: Ich erwarte ein ganzes Stück mehr Analyse von Nutzen und Mehrwerten. Die Rückmeldungen der Kunden zu den regulatorischen Maßnahmen könnten – genau wie bei unserer Bewertung von Service- und Produktversprechen – wichtige Stellschrauben eines noch wertvolleren Verbraucherschutzes sein. Was erwarten Kunden an Informationen, was lesen sie? Ich finde, das sind sehr gute Indikatoren, wenn es darum geht, die Bedeutung von Information zu bemessen. Hier gilt vielleicht, dass mehr nicht immer besser ist. Eine Reduktion auf das Wesentliche für Kunden sollte die gemeinsame Basis der Regulatorik bilden. Regulatorische Anforderungen dürfen keinesfalls ein Hemmnis auf dem Weg zur Kundenbegeisterung werden.-

 

VWheute: Welche Themen kommen auf Sie und die Branche in der kommenden Zeit zu?

Roland Roider: Ich denke, dass die Erfolgsfaktoren innerhalb unserer Branche generell neu definiert werden müssen. Wir werden weiterhin auf innovative Ansätze bauen, um Chancen zu identifizieren und zu nutzen, die ansonsten nur ein Schattendasein führen würden. Zudem werden wir die Digitalisierung nutzen, um Prozesseffizienz und Automatisierung im Sinne unserer Kunden ausbauen. Denn die Zufriedenheit und Loyalität unserer Partner sind entscheidend für unseren Erfolg. Andererseits sorgen demografische Entwicklungen weiterhin für einen Schrumpfungsprozess des Maklermarktes. Das Neugeschäft wird sich auf eine kleinere Anzahl von Vermittlern beschränken, der Wettbewerb um sie wird sich erhöhen. Deshalb wollen wir Vermittler mit Zukunftspotenzial identifizieren und unser Lösungsangebot auf deren Bedürfnisse hin zuschneiden.

 

VWheute: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Roland Roider: Unsere mit viel Fingerspitzengefühl geschaffenen Mischung aus Service, Produkt du Innovation bietet beste Voraussetzungen, uns auch künftig am Markt zu behaupten. Allerdings müssen sich auch starke Player – und dafür halten wir uns –weiterentwickeln, wenn sie stark bleiben wollen. Wir sind davon überzeugt, dass eine mittlere Unternehmensgröße sowie eine Spezialisierung schnelleres und flexibleres Agieren ermöglichen im Vergleich zu großen Unternehmen. Dazu trägt auch bei, dass wir als Versicherungsverein unabhängig von großen Konzernen und Interessen anonymer Finanzgeber handeln können.

Roland Roider · Haftpflichtkasse · Interview
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