Frank Walthes, Vorstandsvorsitzender BWV
Frank Walthes, Vorstandsvorsitzender BWVQuelle: BWV
Köpfe & Positionen

Themenspezial Bildung: „Umsetzung der IDD ist kein lästiges Abhaken einer weiteren bürokratischen Verpflichtung“

Von Michael StanczykTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Dass die Insurance Distribution Directive eine weitere Professionalisierung im Vertrieb fördert, davon ist Frank Walthes überzeugt. In seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des BWV spricht er im letzten Interviewteil über neue Standards, Strukturen und das Verhältnis zu den IHK´s.

Wie wichtig ist ein Anbieter von fachlich fundiertem Wissen, wie der BWV?

 

Das Know How und die Kompetenzen der Beschäftigten der Versicherungswirtschaft sind seit jeher ihr Betriebskapital. Der Wirtschaftszweig hat daher vor 70 Jahren unsere Bildungsinstitutionen (BWV Bildungsverband, BWV Regional und die DVA) geschaffen, um die betriebliche Aus- und Weiterbildung überbetrieblich zukunftsorientiert und auf höchstem Niveau zu ergänzen. Dieser Auftrag gilt bis heute. Als Bildungsverband bündeln wir die Interessen aller Versicherungsunternehmen in Deutschland und formulieren diese gegenüber bildungspolitischen Entscheidungsträgern. Dabei wirken wir auch häufig als Beschleuniger, denn über unsere Gremienarbeit sind wir vernetzt mit anderen Branchen, anderen Ländern und anderen Bildungsinstitutionen. So können wir frühzeitig Trends und Bedarfe erkennen und aktiv darauf einwirken. Damit sind wir zudem in der Lage, zuverlässige Strukturen für die Aus- und Weiterbildung in der Versicherungswirtschaft zu schaffen und die Qualität der überbetrieblichen Angebote zu sichern. Eine wesentliche Kernaufgabe will ich dabei noch einmal hervorheben, nämlich die Modernisierung des Ausbildungsberufs Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen sowie die Fortbildung Geprüfte/-r Fachwirt/-in für Versicherungen und Finanzen. Als Bildungsverband sind wir selbst kein Bildungsanbieter im herkömmlichen Sinne. Das ist die Leistung unserer Partner im Bildungsnetzwerk – den 30 regionalen Berufsbildungswerken sowie der Deutschen Versicherungsakademie (DVA).

 

Wie steht es um das Verhältnis (bzw. die sich überschneidenden Aufgabenbereiche) zwischen BWV und IHK? Wie sieht die Kooperation bzw. Arbeitsteilung aus?

 

Bereits im Gründungsprotokoll des BWV Bildungsverbands vor 70 Jahren betont die Versicherungswirtschaft, dass sie ein hohes Interesse daran hat, alle Aus- und Weiterbildungsthemen so stark wie möglich selbst zu gestalten und einen eigenen, hohen Qualitätsanspruch zu verfolgen. Wir haben vor 30 Jahren bereits einmal eine freiwillige Brancheninitiative erfolgreich gestartet: die Prüfung der Quereinsteiger in den Vertrieb. 2007 wurde diese Prüfung dann in die Versicherungsvermittlerverordnung übernommen, und die Industrie- und Handelskammern wurden zuständige Prüfungsstelle. Heute arbeitet der BWV Bildungsverband mit 36 Industrie- und Handelskammern als Dienstleister zusammen, um die Sachkundeprüfungen zu organisieren. Als BWV Bildungsverband sind wir hierbei verantwortlich für die Prüfungsaufgaben-Erstellung, die Prüfungsdurchführung und für Angebote zur Aus- und Weiterbildung der Prüfer. Die gesetzliche Weiterbildungsverpflichtung ist noch ganz jung. Auch hier konnte der Gesetzgeber auf die von der Branche etablierten Strukturen aufbauen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Standards, Strukturen und Erfahrungen, die wir in gut beraten in den letzten 5 Jahren etabliert haben, auch im Rahmen der Beaufsichtigung insbesondere der Industrie- und Handelskammern berücksichtigt werden.

 

Wir werden uns hier deutlich positionieren, um zu erreichen, dass die Umsetzung der IDD kein lästiges Abhaken einer weiteren bürokratischen Verpflichtung ist, sondern weiterhin echtes Weiterbildungsengagement und eine weitere Professionalisierung im Vertrieb fördert. Mit der freiwilligen Brancheninitiative gut beraten, sollte zusammen mit den Industrie- und Handelskammern ein möglichst unbürokratisches und dennoch höchst wirksames, qualitätsgesichertes Verfahren zum Nachweis der Weiterbildung für alle Beteiligten etabliert werden. Heute wissen wir, dass dieses Ziel innerhalb der Branche mit über 170.000 Teilnehmern erreicht worden ist. In einem nächsten Schritt möchten wir, dass sich auch die IHK-Organisation diese Ergebnisse zunutze macht. Versicherungsunternehmen, Vermittlerbetriebe und Bildungsdienstleister vertrauen auf das qualitätsgesicherte Verfahren und haben ihre Prozesse und IT-Systeme auf gut beraten hin ausgerichtet. Hier wollen wir darauf hinwirken, gemeinsam mit der IHK die für eine Anerkennung der Nachweise erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen.

 

 

Wie bilden Sie sich als Top-Manager der Branche eigentlich selbst weiter?

 

Zum einen geschieht dies regelmäßig mit dem gesamten Vorstandsteam, indem wir uns gemeinsam in Theorie- und Praxisworkshops mit Zukunftsfragen im Hinblick auf die digitale und kulturelle Transformation befassen. Wir setzen uns mit der eigenen, aber auch mit anderen Industrien und anderen Märkten auseinander. Bedeutend für uns ist dabei auch der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus, sprich, der Blick auf andere Geschäftsmodelle.

 

Lernen von den Amazons und Googles dieser Welt also ...

 

Richtig, im Dialog versuchen wir zu erkennen und herauszuarbeiten, welche Erkenntnisse auch für unsere Industrie von Nutzen und letztendlich auch umsetzbar sind. Ein weiteres Lernfeld stellt die ‚Customer Journey’ dar. Hier setzen wir uns als Versicherer intensiv mit Kundenwunsch und Kundenerwartung auseinander. Ferner ist für mich meine Tätigkeit als Lehrbeauftragter eine Quelle der Horizonterweiterung. Nicht nur die dadurch erforderliche, erweiterte inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen, sondern gerade auch der persönliche Austausch mit den Studierenden sind für mich unverzichtbare Lernwelten. Und ein letzter Bereich, den ich gerne anführen möchte, ist das regelmäßige Erarbeiten von Fachbeiträgen gemeinsam mit Professoren und Vorstandskollegen, bei denen wir uns tiefergehend mit Thematiken aus Theorie und Praxis befassen. Beispielhaft erwähnen möchte ich einen Beitrag, den wir jüngst mit Professor Braun von der Hochschule St. Gallen und meinem Vorstandskollegen unseres digitalen Versicherers, Martin Fleischer, über „Die Kunst der organisationalen Mehrhändigkeit“, geschrieben haben.

Frank Walthes · BWV Bildungsverband
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