Überaschungs-Ei_Schlumpf, ein Investment, lukrativer als Gold.
Überaschungs-Ei_Schlumpf, ein Investment, lukrativer als Gold.Quelle: Bild von martaposemuckel auf Pixabay 
Schlaglicht

Wenn Oliver Bäte mit Thomas Buberl über den Nachtschwärmer-Schlumpf ringt

Von Maximilian Volz und Thomas SoltauTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wenn ihnen auf dem Flohmarkt Giulio Terzariol begegnet, grüßen Sie ihn freundlich. Vielleicht ist der Chief Financial Officer der Allianz genau wie sie auf der Suche nach einem Schnäppchen fürs Eigenheim. Oder aber er fahndet nach Investments wie Comics oder Überraschungs-Ei-Schlümpfen, denn deren Renditen sind unerreicht. Grund hätten er und seine Kollegen in der Niedrigzinsära.

Die Zinsen fielen jüngst erneut und es wurde ein Negativrekord aufgestellt. Der zehnjährige-Eurozinsswapsatz lag Ende Juli mit aktuell 0,05 Prozent auf einem historischen Tiefpunkt. Das Problem ist nicht neu, aber es verschärft sich zunehmend und stellt die Kapitalanleger vor zunehmende Probleme. Wie wenig andere Wirtschaftssubjekte sind Versicherer darauf angewiesen, Anlageerträge zu generieren, um Rechnungszins und Renditen zu erwirtschaften.

Dass es in Bälde auf dem Zinsmarkt besser laufen wird, sieht die Branche nicht. Die Ratingagentur Assekurata hat zwanzig relevante Entscheider aus dem Asset Management von Versicherern nach ihren Kapitalmarkterwartungen sowie den Implikationen für das eigene Portfolio befragt. Die Ergebnisse sind erwartbar uneuphorisch
Leitzinserhöhung, eher spät als jetzt.
Leitzinserhöhung, eher spät als jetzt.Quelle: Assekurata

Kaum ein Versicherer glaubt an eine Zinsanhebung und warum sollten sie. Aktuell hat die amerikanische Zentralbank FED den Leitzins gesenkt, vermutlich auch deswegen, weil US-Präsident Donald Trump den Druck auf die Institution stetig erhöhte. Vor dem Hintergrund dieser Tatsachen ist es wenig verwunderlich, dass viele Kapitalverantwortliche die Zukunft düster sehen.

Kapitalanlage 2019
Kapitalanlage 2019Quelle: Assekurata

Wenige Befragte sehen, dass 2019 unter Kapitalanlagegesichtspunkten ein gutes Jahr wird, die Mehrheit sieht es neutral bis negativ. Fast ein Drittel sieht in der Niedrigzinspolitik eine hohe oder sehr hohe Gefahr.

 

Die Alternative ist Batman

 

Die Zinsen sind niedrig und werden es auch noch einige Zeit bleiben. Doch wo liegen die alternativen Investments, der Immobilienmarkt ist überhitzt und fossile Brennstoffe sind in etwa so populär wie Flüchtlingsboote an der Küste Italiens unter Matteo Salvini.

 

Die Versicherer müssen umdenken. Alternative Investments sind gefragt, wie wäre es beispielsweise mit einer Flasche Macallan Valerio Adami 1926. Der schottische Whiskey ging für 950.000 Euro über den Auktionstisch –eine Flasche versteht sich. Besonders beliebt sind im Whisky-Bereich Original und Sonderabfüllungen, bis allerdings eine echte Wertsteigerung erreicht ist, kann es Jahrzehnte dauern.

Dasselbe gilt für Comichefte. Eine Erstausgabe von Superman, Action Comics Nr. 1, erzielte 175.000 US-Dollar, der Einkaufswert betrug im Jahr 1938 etwa zehn Cent. Doch das sind Peanuts, das erste Exemplar des dunklen Rächers Batman erzielte drei Millionen US-Dollar. Wer einen solchen Schatz sein Eigen nennt, sollte gut auf ihn aufpassen, der kleinste Makel kann den Wert zerstören.

 

Doch auch europäische Comics können Top-Preise erzielen, ein vom belgischen Künstler Hergé gezeichnete Umschlagseite für ein "Tim und Struppi-Heft" wurde in Frankreich für 1,3 Millionen Euro versteigert. Wichtig, einen kühlen Kopf bewahren, oft steigt der Preis eines seltenen Stückes. Das oben genannte Superman-Heft war drei Jahren nach dem genannten Verkauf drei Millionen Dollar wert, dagegen sind 175.000 Dollar eigentlich ein Geschenk.

 

Schlümpfe und Kunst

 

Wer als Kind ein Schleckermaul war und fleißig Kinderschokolade aß, kann heute davon profitieren. Die Spielzeugfiguren in den Schoko-Eiern erzielen bei Sammlern fünfstellige Summen, beispielsweise der Nachtschwärmer- oder der Eitelkeits-Schlumpf. Auch Teddybären können stolze Preise erzielen, ein verschuldeter Hedgefonds-Manager verkaufte im Jahr 2010 seine Steiff-Teddybären-Sammlung für 1,23 Millionen Euro. So eine Geschichte kann man nicht erfinden.

Natürlich kann ein Versicherer seine Milliarden an Anlegesummen schlecht in Teddysammlungen investieren, aber beispielsweise in Kunst, wie die Deutsche Bank. Die Sammlung des Geldinstitutes wurde im Jahr 1979 gegründet und gilt als eine der bedeutendsten Sammlungen internationaler Zeichnungen und Fotografien nach 1945. Über die Größe und den Wert gibt es unterschiedliche Angaben, die Bank selbst spricht von 5000 vertretenen Künstlerinnen und Künstler aus mehr als 40 Ländern, die Sammlung wird aber intern nicht als Investment gesehen.

 

 Es ist keine offizielle Zahl, doch Kunstexperten sprechen hinter, mehr oder weniger, vorgehaltener Hand von 150.000 Werken und einer Versicherungssumme im dreistelligen Millionenbereich.

Auch in der Versicherungslandschaft wird fleißig gesammelt, unter anderem haben die Talanx und die Allianz bedeutende Sammlungen, die sie über Museen und Ausstellungen den Menschen präsentieren. Warum also nicht das Nützliche mit dem Lukrativen verbinden und die Kunst auch als Investment sehen. In den Konzernen ist genug Kunstexpertise vorhanden.

 

Ebenfalls kennen sich KFZ-Versicherer sehr gut mit dem Wert von Autos und Oldtimern aus, ein weiteres Feld, in dem stolze Renditen eingefahren werden können. Ein Porsche 911 mit Oldtimer-Status konnte seien Wert zwischen 2005 und 2018 um 683 Prozent steigern. Das sind Renditen, bei denen selbst Giulio Terzariol feuchte Augen bekommt.

 

Exoten-Investments erfordern (viel) Langmut, doch wie wusste schon der Starinvestor Warren Buffet: "Der erfolgreiche Investor hat sehr viel Geduld, er kauft weit unter dem fairen Wert und verkauft weit darüber."

 

Mehr zum Thema Investments in Comics, Whiskey und Co. finden Sie im Artikel "Oldies but Goldies" in der aktuellen Versicherungswirtschaft.

alternative Investments · Allianz SE · Axa · Kunstmarkt · Investments · Giulio Terzariol
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