Mapfre, der europäische Primus in Südamerika
Mapfre, der europäische Primus in SüdamerikaQuelle: Rolf Engelhardt
Märkte & Vertrieb

Lateinamerika: Versicherer leiden unter Wirtschaftsflaute und Niedrigzinsen

Von Rolf EngelhardtTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Prämienvolumen der Versicherer in der Region Lateinamerika ist im vergangenen Jahr um 5,2 Prozent auf 150,2 Milliarden US-Dollar eingebrochen. Das zeigt die aktuelle Studie der Mapfre zur Marktentwicklung in der Region und den dort führenden Versicherungsgruppen. Die Talanx macht Boden gut.

Probleme bereiten einerseits die schwächelnde Wirtschaft in großen Märkten wie Brasilien, Mexiko oder Argentinien, die die Entwicklung der Assekuranz bremst. Hinzu kommen massive Währungskurseffekte mit einer Abwertung des brasilianischen Reals gegenüber dem US-Dollar von 14 Prozent und des argentinischen Pesos von 70 Prozent. Generell bleiben jedoch die Entwicklungsperspektiven der Region angesichts des hohen Potentialwachstums der lokalen Volkswirtschaften hoch.

 

Die Lebensversicherer haben sich im Jahr 2018 mit einem Prämienabrieb von 7,1 Prozent auf 67,1 Milliarden US-Dollar besonders schlecht entwickelt. Ursächlich ist die stark rückläufige Entwicklung bei kapitalbildenden Produkten in Brasilien und Kolumbien. Allein auf Brasilien entfällt in der Lebensversicherung über die Hälfte des regionalen Beitragsaufkommens. In Argentinien führten die Auswirkungen der galoppierenden Inflation von knapp fünfzig Prozent zu einem Einbruch. Die Niedrigzinspolitik in vielen Ländern schränkt die Wachstumsperspektiven der Lebensversicherer momentan merklich ein. Mexiko ist hier mit einem Zinsniveau von rund acht Prozent die Ausnahme.

 

Die Deutschen in Südamerika

 

Die Prämienentwicklung der Nichtlebensversicherer im vergangenen Jahr ist mit einem Rückgang um 3,6 Prozent auf 83,1 Milliarden US-Dollar zwar etwas moderater, aber dennoch negativ ausgefallen. Die schwache Wirtschaftsentwicklung in großen Märkten wie Brasilien, Mexiko oder Argentinien ist das Hauptproblem. Einen Lichtblick stellt die Krankenversicherung dar. Sie ist in einer Reihe von Ländern die Wachstumslokomotive der Nichtlebensversicherer, während die restlichen Segmente wegen der Konjunkturdelle schwächeln. Diese Entwicklung dürfte sich bis zu einer Konjunkturerholung fortsetzen.

 

Der Blick auf das Who is Who zeigt den brasilianischen Versicherer Bradesco als unumstrittenen Branchenprimus der Region Lateinamerika im Jahr 2018. Er erzielt ein Prämienaufkommen von zehn Milliarden US-Dollar. Es folgt die ebenfalls aus Brasilien stammende Brasilprev, die ihrerseits die Nummer eins in der Lebensversicherung ist. Beide unterstreichen die Bedeutung des Versicherungsmarktes Brasilien. Nur knapp dahinter auf dem dritten Platz des Gesamtklassements liegt die spanische Mapfre. Sie ist mit großem Abstand der größte Nichtlebensversicherer Lateinamerikas vor der Zurich. Die deutschen Vertreter Allianz und Talanx rangieren im Gesamtklassement auf den Plätzen 16 bzw. 18. Beide haben ihre Stärken vor allem in der Nichtlebensversicherung, in der die Talanx auf Platz zehn vorgerückt ist und nun zur Top Ten gehört. Die Allianz folgt auf Rang elf.

 

Die Versicherer versprechen sich in Südamerika wegen dem Freihandelsabkommen zwischen EU und den Mercosur-Staaten einen Auftrieb für das Geschäft, doch es gibt erhebliche Probleme, wie eine Analyse von VWheute zeigt.

Mapfre · Allianz SE · Zurich · Talanx · Südamerika
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