Gangs und Gewalt sind in Südamerika ein großes Problem, auch für die Versicherer
Gangs und Gewalt sind in Südamerika ein großes Problem, auch für die VersichererQuelle: Bild von Michael Gaida auf Pixabay 
Märkte & Vertrieb

Zwischen Freihandel, Gangs und Klimawandel – Versicherer in Südamerika

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Einen "historischen Moment" sah EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten. Fast 20 Jahre dauerten die Verhandlungen mit den größten südamerikanischen Ländern, jetzt steht die Ratifizierung bevor. Doch es gibt im Süden Amerikas auch erhebliche Probleme, wie Klimawandel und Kriminalität. Für die Versicherer überwiegen die Chancen.

Es ist die größte Freihandelszone der Welt. Geschlossen wurde sie zwischen der EU und den Mercosur-Staaten, also den Mitgliedstaaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Dazu kommen noch weitere mehrere assoziative Mitglieder, sodass praktisch der ganze südamerikanische Kontinent abgedeckt ist. Das Land Venezuela ist derzeit dauerhaft suspendiert, denn das Land steckt seit Jahren in einer tiefen Krise, die teilweise bürgerkriegsähnliche Züge an sich hat. Präsidenten Nicolás Maduro scheint teilweise einen Kampf gegen seine Bevölkerung zu führen und beschuldigt äußere Kräfte der Einmischung, wohl auch nicht gänzlich ohne Grund. Das führt zu Hunger und Flucht aus dem Land, doch nicht nur aus Venezuela machen sich hunderttausende Menschen auf den Weg in eine vermeintlich bessere Zukunft, meist nach Nordamerika. Die Menschen treffen dort auf eine rigide-ablehnende Immigrationspolitik von US-Präsident Donald Trump, was zu erschreckenden Situationen an der Grenze zwischen den USA und Mexiko führt.

 

Chance und Risiko

 

Die Gründe für die Fluchtwelle aus Südamerika sind vielfältig und betreffen auch die Versicherer. Die Neue Zürcher Zeitung nennt als Gründe unter anderem Klimawandel, Gangs und Kriminalität sowie korrupte und (wohl) unfähige Regierungen; wie der Fall Venezuela zeigt. Das ist nicht der Mix, der Versicherer vor Glück jauchzen lässt, doch der Markt in Europa ist gesättigt und die USA umkämpft, bleiben Asien und Südamerika.

 

Kann das Freihandelsabkommen den Kontinent als Ganzes stabilisieren, die Allianz glaubt daran. Ivan de la Sota, Mitglied des Boards der Allianz SE und verantwortlich für die Regionen Spanien und Südamerika: "EU und Mercosur sind dabei, ein denkwürdiges Freihandelsabkommen abzuschließen. Es wäre das umfassendste, das die EU je unterzeichnet hat. Es sendet ein starkes politisches Signal aus. Ich freue mich über diese Bekräftigung zum Freihandel in einer Zeit internationaler Turbulenzen und fortschreitender Handelskonflikte."

 

Aus diesem neuen Freihandelsabkommen dürften sich für uns als Versicherer zusätzliche Wachstumschancen ergeben, erklärt de la Sota. Anschwellender Warenaustausch, eine dichtere Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Terror und Cyberkriminalität sowie Gesellschaften, die sich stärker wirtschaftlich betätigen – das alles fördere die Nachfrage nach Versicherungsdienstleistungen. Das Freihandelsabkommen geht über den reinen Abbau von Zöllen weit hinaus, sodass beide Wirtschaftsregionen zusätzlich von einer erweiterten Dienstleistungsfreiheit begünstigt werden, glaubt der Experte und schließt:  "Insgesamt erwarten wir als Folge dieses Vertragsabschlusses einen volkswirtschaftlichen Aufschwung, von dem sowohl EU- als auch Mercosur-Unternehmen wechselseitig profitieren werden."

 

HDI sieht Chancen

 

Auch Camillo Khadjavi, Vorstandsmitglied HDI International und verantwortlich für das Lateinamerika-Geschäft sieht vor allem die Chance und spricht von einem Meilenstein: "Noch hat das Handelsabkommen zwischen der EU und Mercosur den Status einer Absichtserklärung und ist nicht unterzeichnet. Frankreich wünscht sich noch Änderungen im Detail. Aber wenn der Vertrag dann – nach 20 Jahren Verhandlungen – tatsächlich in Kraft treten kann, ist er ein Meilenstein für den Freihandel. "

 

Es entsteht mit 780 Millionen Menschen die größte Freihandelszone der Welt. Im Jahr 2018 exportierten die EU-Länder Waren im Wert von 45 Milliarden Euro in den Mercosur-Raum und importierten Güter im Wert von 42,5 Milliarden Euro. Das Handelsvolumen wäre mit Sicherheit größer gewesen, wenn der Handel nicht durch teilweise sehr hohe Zölle behindert worden wäre, glaubt Khadjavi. "Werden diese Handelsschranken geschleift, profitieren davon beide Regionen."

 

Das Kieler Weltwirtschaftsinstitut sagt voraus, dass der Handel der EU mit Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay erheblich wachsen wird. Davon dürften in Deutschland insbesondere die Autobranche und der Maschinenbau profitieren. Als Versicherer will HDI "indirekt daran partizipieren".

 

"Lateinamerika ist für HDI International seit Jahren ein Zielmarkt. Durch die neue Freihandelszone Europa-Mercosur fühlen wir uns in unserer Entscheidung bestätigt. Dank der wirtschaftlichen Entwicklung wächst die Mittelschicht, die demografische Entwicklung ist ebenfalls dynamisch.  Beides führt zu einer steigenden Nachfrage gerade nach Versicherungsprodukten für Privat- und Firmenkunden. Und weil wir in Lateinamerika gut positioniert sind, sehen wir das für uns als Chance", erklärt Khadjavi.

 

Probleme gibt es auch

 

Also alles gut in Südamerika, mitnichten. Die Versicherer müssen sich mit Problemen beschäftigen, die sie selbst nicht lösen können. Wenige Weltgegenden waren in den letzten Jahren stärker von Klimaveränderungen betroffen als Zentralamerika. Regnet es dann doch einmal, dann viel zu viel, es kommt zu Überschwemmungen. Das sind für Versicherer keine guten Voraussetzungen. Auch die Kriminalität können die Versicherer nicht beeinflussen. Auf den ersten zehn Plätzen des Rankings der gefährlichsten Städte fanden sich fünf mexikanische, drei venezolanische und zwei brasilianische Städte. Es gibt also viele Chancen in Südamerika und ebenso viele Probleme.

 

Wie sich die deutschen Versicherer schlagen werden, wird die Zukunft zeigen. VWheute wird am Dienstag einen Marktbericht über Südamerika liefern.

Südamerika · HDI · Allianz SE · Zukunftsstrategie
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