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Munich Re: Weniger Schäden durch Naturkatastrophen im ersten Halbjahr 2019

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Munich Re hat im ersten Halbjahr 2019 weniger Schäden durch Naturkatastrophen registriert. Nach Angaben des Rückversicherers weist die globale Bilanz einen Gesamtschaden von rund 42 Mrd. US-Dollar auf. Damit lagen diese unter dem langjährigen Durchschnitt von rund 69 Mrd. US-Dollar. Davon versichert waren rund 15 Mrd. US-Dollar. Insgesamt verzeichneten die Münchener 370 Schadenereignisse.

Noch nicht mit eingerechnet sind allerdings die Schäden durch die schweren Überflutungen im Südosten Chinas, die im Juni begannen und Berichten zufolge bereits einen Milliardenschaden angerichtet haben. Die größten Schäden verursachten im Mai dieses Jahres die Gewitterstürme mit Tornados im Mittleren Westen der USA mit rund 3,3 Mrd. US-Dollar, von denen rund 2,5 Mrd. US-Dollar versichert waren. Auffällig sei indes der hohe Anteil von Schäden in ärmeren Ländern der Welt.

 

Drei der fünf teuersten Katastrophen betrafen nach Angaben der Munich Re die Entwicklungs- und Schwellenländer. Dazu zählen eine Hochwasserkatastrophe in Iran (Gesamtschaden 2,5 Mrd. US-Dollar) sowie Sturm- und Hochwasserschäden durch Zyklon "Fani" in Indien und Bangladesch im Mai mit einem Gesamtschaden von 2,2 Mrd. US-Dollar. Besonders schwer wurde in diesem Jahr hingegen Mosambik durch Zyklon "Idai". Dabei führte die Flutwelle des Sturms im flachen Küstengelände zusammen mit hohen Niederschlagsmengen bis weit in das Land hinein zu Überschwemmungen. Der Gesamtschaden in Mosambik und den Nachbarländern betrug dabei rund zwei Mrd. US-Dollar.

 

"Versicherungslösungen in Zusammenarbeit mit Regierungen und Entwicklungsbanken haben zum Beispiel in der Karibik mehrfach finanzielle Hilfe leisten können, bevor internationale Hilfsprogramme starten konnten. Eine ähnliche Lösung wäre auch für Mosambik sinnvoll. Es ist aber auch in industrialisierten Ländern dringend nötig, besser vorzubeugen. Wir arbeiten konsequent an Analysewerkzeugen, um Risiken besser einschätzen zu können und so neue Lösungen zur Risikoübernahme zu entwickeln", kommentiert Ernst Rauch, Chef-Klima- und Geowissenschaftler der Munich Re.

Schadenereignisse im ersten Halbjahr 2019
Schadenereignisse im ersten Halbjahr 2019Quelle: Munich Re

So verursachten in den USA zahlreiche Gewitter hohe Schäden. Nach Angaben der US-Wetterbehörde NOAA wurden bis Ende Juni bereits mehr als 1.200 Tornados gezählt, etwa ein Fünftel mehr als im Schnitt des Vergleichszeitraums von 2005 bis 2015. Die gesamten Schäden betrugen nach Angaben des Rückversicherers im ersten Halbjahr 2019 etwa 7,5 Mrd.  US-Dollar. In Europa verursachte eine Kombination aus hohen Temperaturen mit intensiver Hitzewelle im letzten Monatsdrittel und schweren Gewittern mit starken Hagelschlägen schwere Schäden. Allein in Deutschland war der Monat Juni der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und auch sehr trocken. Die Trockenheit lässt in Teilen der Landwirtschaft Europas Ernteeinbußen erwarten, da bei bestimmten Getreidearten oder auch Kartoffeln und Mais in verschiedenen Regionen das Wachstum eingeschränkt wurde. Ebenfalls besonders zu Buche schlugen in Deutschland die Pfingstunwetter. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat die Unwetterserie fast 250.000 versicherte Schäden angerichtet. Dafür erhalten die Versicherten Leistungen von rund 650 Mio. Euro. 

 

"Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass Hitzewellen durch den Klimawandel zunehmen, nach einigen neuen Studien auch Hagelgewitter. Angesichts der Schadenpotenziale und steigender exponierter Werte ist es für Versicherer sehr wichtig, diese Veränderungen zu kennen. Maßnahmen zur Verringerung der Schadenanfälligkeit sind auf jeden Fall sinnvoll. Denn wir müssen davon ausgehen, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten fortsetzen wird", konstatiert Rauch.

"Beim Blick auf das erste Halbjahr 2019 machen die Katastrophen in ärmeren Ländern nachdenklich, zumal sie wie so oft kaum versichert waren. Der Zyklon Idai, der Mosambik traf, war für das Land relativ gesehen schlimmer als das Tohoku-Erdbeben von 2011 für Japan, die teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten. Versichert war praktisch nichts, so dass die Betroffenen kaum schnelle finanzielle Hilfe für den Verlust von Hab und Gut bekommen konnten. Erfahrungsgemäß benötigen solche Länder oft Jahre, um sich zu erholen. Die Versicherungswirtschaft muss daher Partnerschaften mit Regierungen und Entwicklungsbanken voranbringen, um Länder wie Mosambik besser zu unterstützen."
Torsten Jeworrek, Vorstand der Munich Re
Die Region Asien/Pazifik wurde im ersten Halbjahr von zahlreichen Naturkatastrophen getroffen, die mit insgesamt 16 Mrd. US-Dollar zu Buche schlugen. Die teuerste Katastrophe für Versicherer waren schwere Überschwemmungen in Queensland im Nordosten von Australien mit Gesamtschäden von fast zwei Mrd. US-Dollar, davon war knapp eine Milliarde versichert. In der Region um die Stadt Townsville wurden nach schweren Regenfällen am Ende einer Hitzeperiode zahllose Gebäude überschwemmt. Der weiter westliche gelegene Flinders River trat weit über die Ufer und schwoll auf eine Breite von mehr als 35 Meilen (60 Kilometer) an.
Munich Re · Naturkatastrophen · Rückversicherer
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