Quelle: Munich Re
Köpfe & Positionen

Wenning: "Wir können auf Geschäftsflüge nicht verzichten"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Chef des Rückversicherers Munich Re fordert, dass der Ausstoß von CO2 teurer werden muss. Doch im Verzicht auf Flugreisen sieht Joachim Wenning keinen „entscheidenden Hebel“, um das Klima zu schützen. Andere Branchen sind für ihn klimaschädlicher. Und Elektromobilität sei auch keine Lösung.

Greta Thunberg kenne er nicht, aber er halte viel vom Engagement zum Thema Klimaschutz. Auch wenn viel Hype dabei sei, begrüße er das. Solange durch den Hype sich die Gesellschaft mit notwendigen Lösungen auseinandersetzt, die die globale Erderwärmung zu reduzieren.

 

Die Debatte um den Flugverkehr ist jedoch für ihn nicht der richtige Ansatz, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren. "Geschäftliche Flugreisen sind unverzichtbarer als etwa private Flugreisen. Sie sind für den Klimaschutz weder der richtige noch der entscheidende Hebel", erklärt Joachim Wenning der Zeitung Welt am Sonntag. "Wir können als ein globales Unternehmen mit zunehmend bedeutsamen internationalen Schnittstellen auf das Fliegen nicht verzichten. Der persönliche Kontakt ist auch durch mehr Videokonferenzen nicht zu ersetzen."

 

Fliegen trage natürlich zum erhöhten CO2-Ausstoss bei, aber "zu den bedeutendsten CCL-Emittenten gehören die Stahlindustrie, die Petrochemie sowie das Gütertransportwesen. Und das ist kein Vorwurf. Sie alle stellen Güter und Dienstleistungen her, die Sie und ich nachfragen. Mir ist nur wichtig zu sagen: Wenn man das Problem lösen will, muss man durch neue Technologien in diesen Feldern den CCL-Ausstoß senken. Darauf sollten wir uns fokussieren. Wir wollen nicht ablenken durch symbolische Maßnahmen, die nur Kosmetisches bewirken und das Problem nicht lösen."

Elektromobilität? "Nicht das Pferd von hinten aufzäumen"

Eine vielversprechende Technologie, um den CCL-Ausstoß zu verringern, ist Elektromobilität. Wenning selbst fährt einen Diesel. Wieso? Seine Antwort: "Sich ein E-Auto zu kaufen heißt, beim kleineren Problem anzufangen - ohne sichergestellt zu haben, dass die Herstellung der Energie für Elektromobilität erneuerbar ist. Damit zäumt man das Pferd von hinten auf." Wenning erläutert: "Elektromobilität wird - solange der Strom dafür fossil erzeugt wird - keine bessere CCL-Bilanz abliefern. Es verringert zwar in den Städten die Konzentration von Abgasen. Das erkenne ich als lokalen Nutzen an. Die Emissionen entstehen stattdessen in der Fläche. Gegen den Klimawandel habe ich damit aber noch nichts bewirkt."

 

Sein Vorschlag: "Nach meiner Überzeugung wird sich entscheidend erst etwas ändern, wenn der CO2-Ausstoß Geld kostet. Entweder durch Zertifikate oder eine Steuer. Bestimmte Produkte, die lange Transportwege haben - dazu gehören auch Lebensmittel wie bestimmtes Obst -, würden deutlich teurer. Industrie und Verbraucher würden sich schnell umstellen, und zwar genau dort am frühesten und stärksten, wo der Aufwand zur CCL-Reduktion am geringsten ist."

Rückversicherungen · Klimawandel · Versicherer
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