Norbert Porazik
Norbert PorazikQuelle: Fonds Finanz
Schlaglicht

Porazik: "Wir haben uns nicht nur finanziell weiterentwickelt, sondern vor allem auch strukturell"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Maklerpool Fond Finanz hat 2018 einen neuen Rekordumsatz hingelegt - auch dank eines "starken Geschäfts in der Lebensversicherung". Unternehmenschef Norbert Poradzik geht davon aus, "dass Makler wie auch Maklerpools eine sehr gute Zukunftsperspektive haben." Wie es um die Zukunft der Maklerpools und die Zukunft seines Unternehmens bestellt ist, erklärt er im Exklusivinterview mit VWheute.

Es lief 2018 gut bei der Fonds Finanz. Was ist für das laufende Jahr zu erwarten? Wo liegen die Chancen und Risiken?

Wir erwarten für das laufende Geschäftsjahr eine nachhaltig positive Entwicklung, die zu einer weiteren deutlichen Steigerung führt – sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn. Wir haben uns nicht nur finanziell weiterentwickelt, sondern vor allem auch strukturell. Wir haben unsere Geschäftstätigkeit in den letzten Jahren deutlich ausgebaut, unter anderem durch Unternehmenszukäufe. Durch gezielte Kooperationen haben wir unser Produkt- und Leistungsportfolio für Makler wie auch Gesellschaften maßgeblich erweitert. Umfassend investiert haben wir insbesondere in die Realisierung unserer Allumfassenden Maklerplattform – worauf auch 2019 ganz stark unser Fokus liegt.

 

Denn wir wollen die branchenweite Digitalisierung nicht nur entschieden vorantreiben, sondern vor allem aktiv mitgestalten. Maklerpools wie wir entwickeln sich immer mehr zum zentralen Bindeglied im Vertrieb von Finanz- und Versicherungsprodukten. Sie tragen in besonderem Maße zur Qualitätssicherung wie auch zur Effizienzsteigerung des Marktes bei. Die dennoch bei einigen Marktteilnehmern bestehenden Vorbehalte gegenüber Maklerpools abzubauen, daraus ergibt sich eine der größten Chancen der gesamten Branche.

Viele vermuten, dass sich der Poolmarkt konsolidieren wird. Kürzlich wurde über eine Fusion von Jung DMS & Cie. und blau direkt spekuliert. Wie stehen Sie zu Fusionen und Übernahmen? Haben Sie in dieser Richtung etwas vor?

Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass Makler wie auch Maklerpools eine sehr gute Zukunftsperspektive haben. Immer mehr Gesellschaften dünnen ihre Ausschließlichkeitsorganisationen aus, immer mehr Bankfilialen schließen. Die Produkt- und Tarifwelten werden immer komplexer, sodass Kunden nach wie vor eine persönliche Beratung wollen und brauchen. Online-Anbieter werden es dagegen weiterhin schwer haben, beispielsweise LV und PKV zu vermitteln.

 

Unsere Prognose ist daher, dass das Versicherungsgeschäft in fünf bis zehn Jahren fast ausschließlich über Pools, andere Multiplikatoren, Vertriebe und sehr große Makler laufen wird, so wie das im Investmentbereich heute schon der Fall ist. Deshalb kann es durchaus dazu kommen – beziehungsweise ist es auch schon dazu gekommen -, dass sich kleinere oder auch spezialisierte Marktteilnehmer auf die Suche nach Kooperationen begeben, die wiederum zu Fusionen führen.

 

Von unserer Seite besteht dahingehend kein Bedarf, da wir als führender Allfinanz-Maklerpool bestens aufgestellt sind: finanziell, strukturell, aber auch in strategischer Hinsicht. Durchaus interessant sind für uns aber Investitionen in Geschäftsfelder, in denen wir bislang nur wenig bis keine Expertise haben, um unser Geschäftsmodell weiterzuentwickeln.

Profitieren Maklerpools von der zunehmenden Berichtspflicht für Makler, die sich zur Entlastung in Pools flüchten?

Die diversen Regulierungen der letzten Jahre - wie die DSGVO oder die IDD - haben vor allem Einzelmakler vor teilweise große Herausforderungen gestellt, die sie alleine kaum mehr bewältigen konnten. Deshalb haben Maklerpools wie wir vermehrt Zulauf erfahren. Aufgrund unserer hochspezialisierten Prozesse und unserer wirtschaftlichen Größe konnten wir den Regulierungen sehr gut Herr werden und den Maklern die entsprechende Vertriebsunterstützung bieten, um sie in ihrem Arbeitsalltag maßgeblich zu entlasten und etwaige Risiken erheblich zu senken. Durch die Zusammenarbeit mit uns können sie sich weiter auf das Wesentliche konzentrieren: die Beratung ihrer Kunden.

Was ist im Bereich Regulierung noch zu erwarten und wie bewerten Sie die Anforderungen für Makler?

Aktuell sind ja insbesondere zwei Regulierungen noch offen: die Überarbeitung der FinVermV und der mögliche Provisionsdeckel in der Lebensversicherung. Bei beiden bleibt abzuwarten, wie sie letztlich ausgestaltet sein werden und welche Anforderungen sie mit sich bringen. So oder so: Diese beiden Regulierungen werden nicht das Ende der Fahnenstange sein. Es wird auch zukünftig Bemühungen geben, den Markt zu regulieren, da sich dieser laufend weiterentwickelt. Regulierungen bedeuten aber nicht automatisch eine Verschlechterung, sondern sollten immer auch als Chance begriffen werden, etwas Neues, Besseres und Zukunftsfähigeres zu schaffen.

Sie schreiben, dass sich das Lebengeschäft verstärkt hat. Wie erklären Sie sich das und handelt es sich um eine Anomalie oder einen Trend?

Unser Lebengeschäft war schon immer sehr stark und das ist es auch heute noch. Speziell ein Produktbereich hat sich aber besonders gut entwickelt und das ist die bAV, die generell eine immer wichtigere Rolle in der Altersvorsorge einnimmt. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz hat dabei für frischen Wind in der Branche gesorgt und so konnten wir im vergangenen Jahr einen deutlichen Zuwachs im bAV-Geschäft verzeichnen. Durch unser umfassendes Angebot - von der optimalen fachlichen Qualifizierung bis hin zur effizienten technischen Abwicklung – konnten wir neue Vertriebseinheiten für uns gewinnen und das bAV-Geschäft unser bisherigen Vertriebspartner deutlich ausbauen.

Was sind ihre Ziele für 2019?

Wir werden uns im laufenden Geschäftsjahr 2019 auch weiterhin voll darauf konzentrieren, unsere Allumfassende Maklerplattform zu realisieren. Damit treiben wir die branchenweite Digitalisierung nicht nur entschieden voran, sondern gestalten sie vor allem aktiv mit.

Norbert Porazik · Fonds Finanz
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