5 vor 12 für die PKV oder alles im Griff?
5 vor 12 für die PKV oder alles im Griff?Quelle: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 
Märkte & Vertrieb

"Aussichten auf Neugeschäft in der PKV sind schlecht" – das sieht die Branche anders

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die private Krankenversicherung geht schwierigen Zeiten entgegen. Das sagen Assekurata und Map-Report in unterschiedlichen Härtegraden. Debeka und PKV-Verband haben da eine andere Ansicht.

Die Ratingagentur Assekurata lobt ein Brutto-Wachstum in der privaten Vollversicherung, bemängelt allerdings einen geringen Bestandsabrieb von 0,2 Prozent, der seit Jahren anhält. Die Reduktion betrifft die Unternehmen unterschiedlich stark, Allianz und DKV gehören zu den größten Nettoverlierern, die Debeka gewinnt dazu – VWheute berichtete ausführlich. Assekurata meldet zudem, dass die Beitragsanpassungen "relativ moderat ausfielen", verweist aber auch auf die schwierigen Rahmenbedingungen für die Versicherer.

 

Der Map-Report hat sich die Bilanzen der Versicherer angesehen und festgestellt, dass es nicht nach vorne geht. Die Beitragseinnahmen steigen nur wenig und wie bei Assekurata wird festgestellt, dass in der Vollversicherung die Bestände "das siebte Jahr in Folge" schrumpfen. Die Aussichten auf Neugeschäft bleiben daher "schlecht".

 

Die Beitragseinnahmen sind im Jahr 2018 branchenweit nur wenig gewachsen. Mit 1,9 Prozent liegt die Steigerung ganz knapp über der Inflationsrate. Im Vorjahr hatte sie noch 4,8 Prozent betragen, schreibt Map-Report. Den Gesamtmarkt nach verdienten Beiträgen, Voll-Pflege- und Zusatzversicherungen, führt die Debeka mit weitem Abstand an, gefolgt von DKV, Allianz, Axa und Signal Iduna.

Beitragseinnahmen der PKV, Top-Fünf
Beitragseinnahmen der PKV, Top-FünfQuelle: Map-Report

PKV-Verband und Debeka betonen das Positive

 

Bei so vielen schlechten Nachrichten wird der PKV-Verband sich ja wohlangemessen zerknirscht geben; doch offenbar hat das niemand dem Leiter des Geschäftsbereiches Kommunikation gesagt. Stefan Reker ist guter Dinge: "Die Zukunft der PKV-Vollversicherung ist absolut stabil. Im Jahr 2018 sind mehr Versicherte von der Gesetzlichen Krankenversicherung in die Private gewechselt als umgekehrt. Dank der kapitalgedeckten Alterungsrückstellungen im Rekordwert von mehr als 255 Milliarden Euro sind die lebenslang garantierten Gesundheitsleistungen in der PKV sichergestellt, völlig unabhängig vom Neuzugang."

 

Dass infolge der demografischen Entwicklung bei den kleineren und jüngeren Jahrgängen auch die Zahl der potenziellen Neuversicherten entsprechend geringer werde, dass sei seit langem absehbar und für den Bestand der Branche "kein Problem".

 

Die stetige Anhebung der Einkommensgrenze zur GKV-Versicherungspflicht schränke den Kreis der Versicherten mit Wahlfreiheit immer mehr ein. So müsse ein Arbeitnehmer heute 600 Euro mehr im Monat verdienen als noch vor 5 Jahren, um in die PKV wechseln zu können. Da wäre eine Absenkung sinnvoll, meint Reker.

 

In der PKV-Zusatzversicherung, wo es derartige Hürden nicht gibt, verzeichnen wir ein anhaltendes Wachstum, erklärt Reker. Zudem würde sich die betriebliche Krankenversicherung extrem dynamisch entwickeln. Fazit des Verbandes: "Gute Aussichten".

 

Und was sagt der Marktführer aus Koblenz? "Die PKV ist und bleibt eine tragende Säule im gegliederten deutschen Krankenversicherungssystem. Schwierige Rahmenbedingungen gelten für alle Marktteilnehmer. Angesichts der demografischen Entwicklung wird die PKV in Zukunft mehr denn je ihre Stärke der Kapitaldeckung ausspielen", schreibt die Debeka.

 

Es ist wohl wie so häufig im Leben, alles Ansichtssache. Die Ratingagenturen sehen Probleme, die PKV verweist und vertraut auf die eigene Stärke. Am Ende wird den Erfolg Vater Zeit zeigen.

PKV-Verband · Debeka · Map-report · Assekurata · Marktausblick
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