Im Dunklen ist gut munkekeln? Ist Transparenz in der LV wichtiger als Kundenzufriedenheit?
Im Dunklen ist gut munkekeln? Ist Transparenz in der LV wichtiger als Kundenzufriedenheit?Quelle: Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay
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Kostenersparnis statt Transparenz: Stuttgarter Leben will zu Unrecht erhobene LV-Kosten klammheimlich zurückerstatten

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Stuttgarter Leben hat ihren LV-Kunden zu viel Geld berechnet. Sie will den Fehlbetrag erstatten, aber offenbar versteckt. Der Versicherer nennt als Grund Kostenersparnis, Verbraucherschützer sprechen von "klammheimlichen Übergehen" von Fehlern.

Von dem Fehler der Lebensversicherung sind laut SZ 100.000 Verträge betroffen, die Fehlbuchungen betragen pro Vertrag etwa 86 Euro. Für einen Lebensversicherer also eher Peanuts. Neben den normalen Abschlusskosten hatte die Stuttgarter ihren Kunden "Zinsen für die vorgestreckten Abschlusskosten und einen Zuschlag wegen eines möglichen Todesfallrisikos" berechnet. Das kann ein Versicherer tun, muss es aber den Kunden mitteilen. Da das nicht geschah, haben die Kunden ein Anrecht auf das Geld. Zumindest die, die nicht vor der internen Feststellung im Jahr 2017 gekündigt haben, die gehen laut SZ leer aus.

 

Das "Wie" entscheidet

 

Der Versicherer hat seinen Fehler eingestanden und will zurückzahlen. Der Plan ist, dass die Rückzahlsumme nicht in der Standmitteilung erscheint, sondern bei Vertragsende oder Kündigung unter dem Begriff "Sonstiges" zurückerstattet wird. Ein Vorgehen, das nicht jedem gefällt. "Es ist nicht hinzunehmen, wenn Lebensversicherer Fehler, die ihre Kunden betreffen, klammheimlich übergehen wollen", erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

 

"Das hat nichts mit mangelnder Transparenz zu tun", wird dagegen Vorstand Bader zitiert. "Wir mussten zwischen Transparenz und Kostenbelastung abwägen, und haben uns für die kostengünstigere Variante entschieden." Jedes transparentere Vorgehen wäre demnach sehr viel teurer geworden. Eine Aussage, die ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage von VWheute bestätigt. Das Unternehmen hätte sich für die kundenfreundliche Variante entschieden. Ist dem so?

 

Die Führung in Stuttgart will verhindern, dass die Gutschriften für die Kunden sichtbar werden, schreibt die SZ. Offenbar "fürchte das Unternehmen die Öffentlichkeit" und wäre um den Ruf in Fachkreisen besorgt – Vorstand Guido Bader ist Vorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung.

 

Was sagt die Stuttgarter?

 

Das Unternehmen selbst erklärt die Vorgehensweise auf Anfrage von VWheute selbst wie folgt: "Die den Kunden gutgeschriebenen Beträge werden in einem eigenen technischen Vertragsteil des jeweiligen Vertrags verwaltet, der bei Vertragsablauf oder Kündigung ausbezahlt bzw. bei Rentenbeginn verrentet wird. Insofern wird diese Gutschrift den Kunden auch sofort gutgeschrieben. Aber ausgezahlt wird bei Ablauf oder Kündigung. Vergleichbare Techniken hat Die Stuttgarter im Rahmen der Rentennachreservierung (aus 2004) bereits implementiert, so dass wir auf die bestehende Technologie aufsetzen können. Hierdurch kann eine Regulierung mit vertretbaren Implementierungskosten erfolgen, was die Kunden der Stuttgarter - als Verein auf Gegenseitigkeit - insgesamt möglichst wenig belastet."

War das Vorgehen der Stuttgarter Fehlervertuschung oder sollte ein Versicherer nicht immer zuerst seine Versicherten im Blick haben, entscheiden Sie selbst.

 

Stuttgarter · Lebensversicherungsmarkt · BaFin
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