Oliver Bäte
Oliver BäteQuelle: Allianz SE
Köpfe & Positionen

Bäte: "Wenn wir Produkte heute so verkaufen würden, wie wir es vor zehn Jahren gemacht haben, wäre es schlimm"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Welche Garantien können Lebensversicherer in den heutigen Zeiten überhaupt noch geben? "Heute geben wir jedoch fast keine Zinsgarantien mehr, sondern eine Garantie auf Kapitalerhalt oder einen Teil davon. Die Bindung von Risikokapital ist mit der Umstellung auf neue Lebensversicherungen massiv gesunken", glaubt Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte. Da die Anlagerendite aber wegen der Zinslage weiter sinke, "müssen wir hart an den Kosten arbeiten und die Beratungsprozesse effizienter gestalten.

Zudem sei man "sicher auch Getriebene des geänderten Kundenverhaltens. Man kann durch die Digitalisierung heutzutage viel einfacher Produkte kaufen und Dienstleistungen in Anspruch nehmen, als dies früher der Fall war. Solche Erfahrungen übertragen sich in Erwartungen für andere Lebensbereiche, beispielsweise, wenn Kunden eine Auto- oder Feuerversicherung abschließen wollen. Zudem geben uns Kunden heute viel unmittelbarer Feedback, etwa über soziale Netzwerke. Früher lief das über Intermediäre, nämlich unsere Vertreter", betont der Allianz-CEO im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Außerdem seien die "direkteren Reaktionen der Kunden saber auch eine riesige Chance. Wir versuchen jetzt viel stärker, unseren Kunden einfache und intuitive Serviceprozesse zu bieten."

 

Eine weitere Herausforderung sei, "unsere Produkte und Prozesse so zu vereinfachen, damit wir nicht an unserer Komplexität ersticken. [...] In den letzten Jahren haben wir von 140 Datenzentren auf sechs reduziert. Wir haben zudem ein globales Allianz-Netzwerk gebaut, in dem Daten ausgetauscht werden, und 85.000 virtuelle Arbeitsplätze geschaffen. Das bedeutet, unsere Mitarbeiter können von überall auf der Welt arbeiten, wo es einen Internetzugang gibt. Die Grundlagen sind also gelegt, um Skalenvorteile heben zu können. Der nächste Schritt ist die Harmonisierung der IT. Man muss aber zuerst die Produkte und die Prozesse harmonisieren, dann kommt die IT dran."

 

Ein weiterer Aspekt sei zudem das Thema Nachhaltigkeit: "Wir haben früh mit dem Rating unseres Investment-Portfolios der Versichertengelder angefangen. Wir gehören zu den Ersten, die nicht mehr in Kohle investieren. Es gibt aber auch heikle ethisch-moralische Standpunkte. Ein konkretes Beispiel: Atomenergie. In Deutschland wurde der Ausstieg entschieden, in Frankreich gilt sie als umweltfreundlich. Ich persönlich finde den Ausstieg falsch. Es ist aber nicht die Frage, ob Bäte das gut oder schlecht findet, sondern es sind Kriterien dafür festzulegen. Neben dem Klima gibt es das Thema Sicherheit; da kann man Atomenergie sehr kritisch sehen. Dann kommt das Thema Versorgungssicherheit, da sieht Kernkraft positiv aus, Erdgas aus Russland hingegen eher negativ", erläutert Bäte.

Oliver Bäte · Allianz SE