Rüdiger Feilen, Dana Hagemann und Jacques Wasserfall (vlnr)
Rüdiger Feilen, Dana Hagemann und Jacques Wasserfall (vlnr)Quelle: mv
Schlaglicht

Zurich setzt Konkurrenz mit neuem BU-Angebot gehörig unter Zugzwang

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nicht kleckern, sondern klotzen. Die Zurich will mit dem neuen Berufsunfähigkeits-Schutzbrief vieles anders und besser machen als die Konkurrenz. Neu ist beispielsweise die Abkehr von den Berufsgruppen und eine Nettopreisgarantie. Ohne es selbst explizit zu sagen, sieht sich die Zurich als bester Anbieter im Bereich und will das bleiben.

Die zukünftigen Kölner, am 21. Oktober 2019 ist Umzug von Bonn in die Domstadt, setzen künftig bei der Absicherung auf ein Punkte- bzw. Scoringmodell für verschiedene Cluster, die als Industrien bezeichnet werden. In so einer Industrie werden beispielsweise Kaufleute, Akademiker, Handwerker oder soziale Berufe zusammengefasst, an der Zahl sind es 13 Gruppen. Den Interessenten werden nach der Zuteilung Fragen zur beruflichen Tätigkeit gestellt, also beispielsweise der Grad der Bürotätigkeit oder ob eine Führungsposition begleitet wird. Bei bestimmten Tätigkeiten werden zudem berufsspezifische Angaben abgefragt, im Medizinbereich beispielsweise, ob der Antragssteller chirurgisch tätig ist.

 

Dieselben Fragen können in unterschiedlichen Industrien unterschiedlich gewichtet werden, generell gilt, je mehr Punkte der Kunde bei seinem Score sammelt, desto größer fällt der Rabatt auf den Preis der Versicherung aus. Das Ziel ist eine "individuellere und fairere Preisgestaltung", erklärt Rüdiger Feilen, Biometrie-Experte Zurich Gruppe Deutschland. Die Abkehr von den Berufsgruppen wird bereits zum kommenden Monatsanfang umgesetzt und firmiert unter dem Namen Berufsunfähigkeits-Schutzbrief".

 

Eine weitere Frage der Zurich bezieht sich auf den Bereich der Lunge. Ob ein Interessent raucht, fließt ebenfalls mit in den Score ein. Das ist auf dem deutschen BU-Markt noch keinesfalls selbstverständlich. Feilen spricht von "fünf bis sechs Anbietern", die die Frage im Portfolio haben. Das verwundert, denn Rauchen ist ein erhebliches Gesundheitsrisiko und beim Abschluss einer (Risiko)-LV längst Standard.

 

Mit der Abkehr von Berufsgruppen setzt die Zurich die Konkurrenz unter Druck, denn das Angebot ist dank BiPRO-Schnittstellen sowohl makler- als auch vergleichsportalkompatibel, wie Feilen erklärt. Das ist aber noch nicht alles, das Unternehmen gibt eine Preisgarantie. "Wir werden die Nettoprämien nicht anpassen, und geben eine Fünfjahresgarantie, die ab Einführung des Produktes zum 1. August gilt, führt der Biometrie-Experte aus. Das ist nicht selbstverständlich, wie weit Netto- und Bruttoprämie auseinanderklaffen können, zeigt der WWK-Fall, bei dem einige Marktteilnehmer von Betrug sprechen.

 

Beständigkeit und Innovation

 

Die Garantie soll auf keinen Fall zu Lasten der Dauerhaftigkeit gehen, erklärt Jacques Wasserfall, Vorstand Life Technical Zurich Gruppe Deutschland: "Wir legen großen Wert auf Stabilität in der Überschussbeteiligung." Die Niedrigzinsära belastet auch die BU-Versicherer, erklärt der Vorstand, allerdings "weniger stark als in einer Sparversicherung". Zwar bilde ein Versicherer auch in der BU zu verzinsende Rückstellungen, es sei aber "nicht der größte Hebel". Die Einstufung der versicherten Person ist wichtiger, führt Wasserfall aus.

 

Viel Flexibilität, aber keine Grenzenlose

 

Bei einigen Sachversicherungen existieren im Markt bereits Innovationsklauseln. Legt ein Mitbewerber eine Neuerung vor, wird diese beim Versicherer mit Innovationsklausel automatisch und zum bisherigen Beitrag miteingeschlossen. In der BU ist das schwierig wie Wasserfall und Feilen unisono erklären. Ebenso schwierig, wenn auch nicht unmöglich, sind Änderungen am bestehenden Kundenschutz. Ändern sich die Parameter zu Gunsten des Versicherten, also bspw. mehr Büroarbeit oder Abkehr vom Laster Rauchen, wird der Monatsbeitrag nicht angepasst. "Weitere Flexibilität ist nicht ausgeschlossen, wir müssen aber auch auf die Stabilität des Bestandes achten", erklärt Feilen. So würden ja auch keine Beitragssteigerungen erfolgen, wenn die Parameter sich zu Ungunsten des Kunden entwickeln. Eine weitere BU-Flexibilisierung werde geprüft, erklärte Wasserfall, "Verbesserungen seien möglich".

 

Service wird gestärkt

 

Neben den harten Kriterien wie Beitragskalkulation und Leistung wurden auch Aspekte wie der Service verbessert, erklärt Dana Hagemann, Abteilungsleiterin Leistungsregulierung Leben. Im Leistungsfall helfen externe Mitarbeiter bei der Erstellung des BU-Antrages und der Beschaffung der nötigen Dokumente. Ebenso unterstützen Reha-Anbieter bei der Wiedereingliederung in den Job oder dem Ausfüllen von Behördenanträgen. Weiterhin könnten Außenregulierer den Kunden besuchen und Hilfe anbieten, die Anerkennung der Leistung durch diese Fachkräfte sei ebenso möglich. Liegen alle Dokumente vor, werde innerhalb von zehn Tagen über den Antrag entschieden, erklärt Hagemann.

 

Der Kunde soll aber nicht erst im Leistungsfall vom besseren Service profitieren. Die Gesundheitsfragen werden live mit dem Vertreter beantwortet und der Kunde erhält sofort Auskunft über eventuelle Aufschläge, erklärt Feilen. Es sei nicht das Ziel, um jeden Preis eine BU zu platzieren, die dann aber im Leistungsfall nicht ausreicht, assistiert Wasserfall. Wenn der Kunde den benötigten Schutz nicht bezahlen könne oder wolle, gäbe es Alternativen, die einen "guten Schutz gewährleisten", beispielsweise eine Dread-Disease-Versicherung. Dem Vermittler hilft dabei ein Tool, dass ebenso wie die Fragen zur Berufsspezifizierung mit dem Rückversicherer Munich Re entwickelt wurden.

 

Damit ist der Aspekt Technik aber noch nicht abgeschlossen, die Dunkelverarbeitung betrage im BU-Bereich derzeit "15 Prozent", erklärt Wasserfall, soll aber soweit gesteigert werden, dass einfache Fälle bald "automatisch ablaufen können". Die Lebensversicherung schwächelt, die Versicherer brauchen einträgliche Versicherungsfelder wie die BU. Der Markt ist noch weitgehend offen, Schätzungen zufolge haben nur 40 Prozent der Erwerbstätigen eine Absicherung. Die Zurich hat vorgelegt und greift an, die anderen Versicherer werden nachziehen müssen.

Zurich Deutschland · Berufsunfähigsversicherung
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