Die Werte der Lebensversicherung sinken
Die Werte der Lebensversicherung sinkenQuelle: Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay 
Märkte & Vertrieb

Lebensversicherung: "90 Prozent der Kunden müssen Kürzungen hinnehmen – durchschnittlich 5,5 Prozent"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Emotionsbeschleuniger Lebensversicherung. Kein Bericht über das (ehemals?) liebste Kind der deutschen Altersvorsorge ohne Zustimmung der LV-Gegner und Häme der Befürworter – oder andersherum. Das wird auch bei folgender Aussage von Partner in Life (PiL) so sein: "Lebensversicherte mussten im letzten Jahrzehnt durchschnittlich 5,5 Prozent Wertverlust hinnehmen". Doch es gibt noch einen anderen schweren Vorwurf.

Die Aussage ist noch geschönt. 90 Prozent der Lebensversicherungspolicen haben in den letzten acht, nicht zehn, Jahren, die genannten Verluste hinnehmen müssen, sagt PiL. "Im Marktdurchschnitt in Höhe von 5,5 Prozent im Vergleich zu den Ablaufprognosen des Jahres 2002". Das zeigt eine Auswertung des Analysehauses PiL, nach eigener Aussage Marktführer im Ankauf am deutschen Zweitmarkt für kapitalbildende Lebensversicherungen. In wie weit die Versicherer ihre Prognosen haben kürzen müssen, zeigt diese Grafik. Es führen die Allianz, Neue Leben und Debeka, was aber nicht zwingend mit der schlussendlichen Performance des Unternehmens in Verbindung stehen muss.

Kürzungen der Prognosen in der LV
Kürzungen der Prognosen in der LVQuelle: Partner in Life - PiL

Lob für die Branche vom LV-Zweitverwerter

Das Problem der Niedrigzinsen ist nicht nur im Versicherungsbereich relevant, was allerdings den LV-Kunden wenig hilft. "Was die Sparer in den letzten Jahren gefühlt hinnehmen mussten, haben wir für die Lebensversicherung jetzt in Zahlen nachgewiesen", sagt Dean Goff, Vorstand der PiL.

 

Tatsächlich lobt Goff die Versicherer dafür, dass sie meist das Beste aus der Situation gemacht hätten. "Wir weisen nach, dass sich die Versicherer – trotz der schwierigen Rahmenbedingungen – am Ende meist gut geschlagen und für ihre Kunden einen positiven Wertzuwachs erwirtschaftet haben." Ob die "schwierigen Rahmenbedingungen" durch Politiker ausgelöst wurden oder diese die Lebensversicherer am Ende sogar gerettet haben, war gestern Thema des viel diskutierten LV-SCHLAGLICHTS auf VWheute.

 

Viele Versicherer hätten laut Goff einen guten Job gemacht, als Beispiel führt er die Allianz an, die "bei nahezu allen Policen über die Zeit gekürzt" hätte, aber eine durchschnittliche Brutto-Beitragsrendite von 3,5 Prozent pro Jahr erwirtschaftet habe. Wie sich die anderen Unternehmen im Bereich der Bruttorendite geschlagen haben, kann folgender Grafik entnommen werden.

Bruttorenditen der LV-Versicherer
Bruttorenditen der LV-VersichererQuelle: PiL

Ein schwerer Vorwurf

 

Neben der Betrachtung der jeweiligen Ablaufleistung ist es laut PiL wichtig, in welchem Umfang die Versicherungsgesellschaften nach Stückzahl der analysierten Verträge tatsächlich signifikant (mehr als zwei Prozent) reduziert haben. Die Grafik können Sie hier sehen.

Reduktion nach Stückzahl
Reduktion nach StückzahlQuelle: PiL

Doch bei der Analyse ist Vorsicht geboten: Die Versicherer am rechten Rand der Grafik wie Neue Leben, LVM oder LV 1871 haben mit jeweils über 90 Prozent "nahezu alle konventionellen Verträge nach unten angepasst". Es sei allerdings zu beachten, dass Versicherungsgesellschaften, die vergleichsweise wenige Verträge reduziert haben, vor Jahren "gegebenenfalls eine unzulängliche Mitteilungspraxis an den Tag gelegt hatten". Das könne dazu führen, "dass zum Beispiel Schlussüberschussanteile nicht vollständig ausgewiesen wurden". Mithin wären in diesem Fall "die Kürzungen sozusagen unsichtbar geblieben". Als Beispiele werden die Unternehmen am linken Rand der Grafik angeführt, die Volksfürsorge, Zürich Deutscher Herold oder Nürnberger,

 

Das ist eine harte Aussage von PiL. Wenn von den Versicherern keine ausreichenden Informationen bereitgestellt wurden und die Verluste damit "unsichtbar" blieben, ist das eine Täuschung in Verbindung mit einem Vermögensschaden. Das Strafgesetzbuch ist in diesem Punkt sehr spezifisch: "Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, […] durch […] Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft." Wenn das von PiL Gesagte zutrifft, ist es eine interessante Frage, ob ein Gericht das nicht bereitstellen von Informationen als "Absicht" beurteilen würde. Die Standmitteilungen der Lebensversicherer würden so nicht zum ersten Mal Thema eines intensiven Disputes werden.

 

Insgesamt würde die Auswertung nachvollziehbar zeigen, dass im Wesentlichen "der gesamte Markt seine Prognosen deutlich nach unten angepasst hat". Hiervon waren über 90 Prozent der Verträge betroffen; 80 Prozent der untersuchten Verträge haben einen Wertverlust von mehr als zwei Prozent hinnehmen müssen, schreibt PiL. Es sei daher ratsam, Verträge mit weniger als zehn Jahre Restlaufzeit "von unabhängigen Fachleuten analysieren zu lassen". Sie erraten, wen PiL dafür unter anderem vorschlägt. Richtig, es sind "Unternehmen wie PiL".

 

Anmerkung der Redaktion: Das Unternehmen PiL wird nach einer Spezifikation des Themas " unzulängliche Mitteilungspraxis" von VWheute befragt werden. Die Antworten können Sie dann auf VWheute nachlesen.

Partner in Life · Lebensversicherungsmarkt · Renditen · Prognosen
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