Haben die Bausparkassen ihren Korb mit Rücklagen geleert?
Haben die Bausparkassen ihren Korb mit Rücklagen geleert?Quelle: Bild von Rebecca Matthews auf Pixabay 
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Plündern die Bausparkassen den Notstrumpf?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Betrag im "Fonds zur bauspartechnischen Absicherung" (FBTA) schmilzt. Viele Anbieter ziehen ihre Gelder aus dem Fonds ab, wie eine Analyse des Onlineportals Kreditvergleich zeigt. Viele Bausparkassen von Versicherern sind unter den Unternehmen, die das Geld komplett entnommen haben. Der Verband der Bausparkassen sieht in dem Vorgehen kein Problem, es handle sich lediglich um eine Umschichtung.

Der FBTA wurde im Jahr 1991 gegründet, die Liquidität im Bausparkollektiv für die Zuteilung von Darlehen zu sichern. Dies war eine Konsequenz der Liquiditäts- und Zuteilungsengpässe bei deutschen Bausparkassen während der frühen Achtzigerjahre, ironischerweise eine Folge des damals hohen Zinsniveaus.

Aktuell gilt das Gegenteil, für angelegte Gelds gibt es nur wenig Rendite. Die Bausparkassen stehen vor der Problematik, dass die Zinsen der ausgereichten Bauspardarlehen unter dem Zinssatz der Altverträge liegen. Die Ausgaben würden die Einnahmen übersteigen, schreibt Kreditvergleich.

 

Bei vielen Unternehmen findet sich im Jahr 2018 bereits eine "Null" beim Guthaben des FBTA, das Konto wurde also komplett geleert. Dazu gehören Bausparkassen der Versicherer wie Debeka, Signal Iduna oder die Alte Leipziger

 

Stand FbtA-Fonds (in Mio. Euro)
Stand FbtA-Fonds (in Mio. Euro)Quelle: www.kreditvergleich.net

Der Verband beruhigt

Doch so schlimm ist die Situation nicht, wie Alexander Nothaft erklärt. Der Leiter Kommunikation beim Verband der privaten Bausparkassen, erklärt, es habe nur eine bilanztechnisch bedingte Umschichtung stattgefunden.

 

"Bausparkassen nutzen eine ihnen vom Gesetzgeber gewährte zusätzliche Möglichkeit, den im Übergang auf die Niedrigzinssituation entstandenen Ertragsrückgängen entgegenzusteuern. Konkret geht es um den neuen gesetzlichen Verwendungszweck: ,Sicherung der für den nachhaltigen Betriebs des Bauspargeschäfts erforderlichen kollektiv bedingten Zinsspanne', erklärt Nothaft. Ziel sei die Stärkung der Risikotragfähigkeit der Bausparkassen.

 

Zu diesem Zweck wurden Mittel aus dem FBTA vor allem in den Reservetopf für allgemeine Bankrisiken nach § 340 g HGB umgeschichtet. Dieser zählt im Gegensatz zum FBTA zum aufsichtsrechtlichen Eigenkapital. Weitere Entnahmen aus dem Fonds würden dazu dienen, "die Ertragssituation zu stabilisieren", beispielsweise durch Investitionen in neue marktgängige Tarife. 

 

"Ende 2018 wies der Fonds zur bauspartechnischen Absicherung insgesamt und branchenweit 548 Millionen Euro auf – nach 637 Millionen Euro Ende 2017. Gegenüber dem Vorjahr hat sich das Volumen der Umschichtung deutlich reduziert: von 703 Millionen Euro im Jahresverlauf 2017 auf 89 Millionen Euro im Jahresverlauf 2018", erklärt Nothaft. 

 

Die Zukunft wird zeigen, wie stabil die Bausparkassen sind.

Bausparkassen · Fonds · Bilanzierung
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