Gernot Kiefer
Gernot KieferQuelle: GKV-Spitzenverband
Köpfe & Positionen

Pflege: "Länder wälzen Milliarden auf die Heimbewohner ab"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Ausgestaltung und Finanzierung der Pflegeversicherung entwickelt sich spätestens seit den letzten Bundestagswahlen augenscheinlich zum Politikum. "Doch die Bundesregierung hat bisher keinerlei Konzepte für die Finanzierung vorgelegt, dabei ist hier Klarheit dringend notwendig. Würde weiterhin nichts getan, dann müssten die Pflegebedürftigen und deren Angehörige die Kosten für die höheren Löhne allein schultern. Das wäre ein sozialpolitischer Sprengsatz", glaubt Gernot Kiefer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Verbandes.

Zudem sei "zu befürchten, dass mittelfristig wieder ausschließlich über höhere Beiträge gesprochen wird, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber dann gemeinsam zahlen müssten. Wir setzen jedoch vor allem auf andere Wege, um die Pflegebedürftigen und die Beitragszahler zu entlasten", konstatiert er im Interview mit der Berliner Zeitung. Seine Forderung: "Wir benötigen in der Pflege einen Paradigmenwechsel. Wie in der gesetzlichen Krankenversicherung ist in der Pflege eine Steuerung der Versorgung nötig. Sie sorgt dort seit Jahrzehnten erfolgreich dafür, dass alle Akteure, also Ärzte, Kliniken oder Apotheker, gezwungen sind, die notwendigen Leistungen für die Versicherten in guter Qualität zu einem meist angemessenen Preis anzubieten. Das alles gibt es in der Pflegeversicherung nur sehr eingeschränkt. Außerdem ist das System völlig intransparent. Dazu kommt, dass sich immer mehr Finanzinvestoren in der Pflege tummeln".

 

Überlegenswert sei auch ein Vorschlag von SPD und Grünen, die Eigenanteile in der Pflegeversicherung zu deckeln. "Dieser Vorschlag ist überlegenswert. Es ist völlig klar, dass wir den Anstieg der Eigenanteile stoppen müssen. Die Umsetzung klingt aber einfacher, als sie tatsächlich ist". Der Knackpunkt: "Bisher übernimmt die Pflegeversicherung nur einen Teil der Pflegekosten, der Rest muss privat finanziert werden. Werden nun aber die Eigenanteile gedeckelt, besteht die Gefahr, dass bei der Pflege zu Hause die Nachfrage nach Pflegeleistungen auch jenseits des Notwendigen zunimmt und die Kosten damit deutlich anwachsen."

Gernot Kiefer · Pflegeversicherung · GKV-Spitzenverband
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