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Schlaglicht

K-Frage in der Versicherungsbranche: Will wirklich jede Frau Karriere machen?

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Frauen können sich stärker in ihr Gegenüber hineinversetzen als Männer, glaubt Axel Schwartz. Das sei ein großer Karrierevorteil. Für den Personalmanager besteht die Frage vor allem darin, ob jede Frau tatsächlich Karriere machen möchte. Im Interview erklärt der Experte, was Frauen in der Versicherungsbranche viel besser können als Männer.

Frauen sind in den Vorständen der 30-Dax-Konzerne noch immer unterrepräsentiert. Vor allem bei den Banken und Versicherern sind Frauen in der Chefetage noch immer die Ausnahme. Worin sehen die Gründe für diese Entwicklung und warum ist es für Frauen noch immer so schwer in Führungspositionen zu gelangen?

Ich würde nicht unterschreiben, dass es grundsätzlich schwer für Frauen ist, in Führungspositionen zu gelangen. Dies gilt auch für Banken und Versicherungen und zeigt unsere tägliche Praxis. Hier besteht gerade im mittleren Management großes Interesse, Frauen für Führungsaufgaben zu gewinnen. Nach ganz oben ist die Luft allerdings tatsächlich noch dünn. Ich denke, dies ist auch teilweise ein Spiegel der hier angelangten 1960er-/1970er-Generation, die mit einem anderen Rollenverständnis aufgewachsen ist und wo männlich dominierte Netzwerke karriereförderlicher als heute waren. Ich denke jedoch, dass die Zeit für die Frauen spielt: In der nächsten Führungsgeneration werden weibliche Topmanager, die sich für diesen Weg entscheiden, selbstverständlich sein. Das geht auch ohne staatliche Regulierung.

Axel Schwartz, Diplom-Kaufmann, Geschäftsführer Axel Schwartz People Management
Axel Schwartz, Diplom-Kaufmann, Geschäftsführer Axel Schwartz People ManagementQuelle: Axel Schwartz

Laut jüngstem DIW-Managerinnen-Barometer bräuchten Frauen allein in der Finanzbranche bis 2098, um überhaupt mit den Männern gleichzuziehen. Wie ist Ihre Einschätzung und wie könnte dies aus Ihrer Sicht schneller gehen?

Die Frage ist zunächst, ob wirklich jede Frau Karriere machen möchte. Auch in der Generation Y stellen wir fest, dass viele Frauen eher eine traditionelle Rollenverteilung anstreben. Im Gegensatz zu früher möchten oder müssen sie zwar nach einer Kindererziehungszeit in ihren Beruf zurückkehren, setzen ihren Schwerpunkt aber auch dann stärker in der Familie, z.B. durch Teilzeit. Wichtig ist aus meiner Sicht also nicht ein Gleichziehen, sondern vielmehr, dass Frauen, die Karriere machen möchten, diese auch ohne Nachteile gegenüber ihren männlichen Kollegen machen können.

Auch im Versicherungsvertrieb sind Frauen derzeit noch in der Minderheit. Wie beurteilen Sie aktuell die Entwicklung?

Der immer noch männlich dominierte Vertrieb bietet gerade für Frauen hervorragende Karrierechancen. Die Versicherungsunternehmen und Vermittlerbetriebe haben ein großes Bestreben, Vertrieb weiblicher zu machen. Dies sowohl im Verkauf als auch in der Führung. Früher galt der Finanzdienstleistungsvertrieb, insbesondere bei Versicherungen, als "hard selling" mit allen hiermit verbundenen negativen Klischees. Dies schreckte Frauen ab. Regulierung sowie gestiegene Kundenerwartungen an Beratung haben den Vertrieb deutlich "smarter" gemacht. Die Digitalisierung unterstützt diesen Trend zusätzlich. Dies ist eine Entwicklung, die Vertrieb auch für Frauen attraktiver macht. Die Chance ergreifen müssen Frauen natürlich selbst.

Frauen oder Männer als Versicherungsvermittler oder Makler: Was können Frauen besser als ihre männlichen Kollegen? (Stichwort: Empathie)

Empathie ist das entscheidende Stichwort. Frauen können sich erfahrungsgemäß stärker in ihr Gegenüber hineinversetzen als Männer. Dies ist im Verkauf ein enormer Pluspunkt. Insofern spielt die heute vorherrschende Verkaufspraxis, sich wirklich intensiv und ernsthaft mit den Wünschen und Zielen der Kunden auseinanderzusetzen, Frauen in die Karten. Hier können sie diese Kernkompetenz gewinnbringend einsetzen. Gleiches gilt im Übrigen auch für Führung.

In einer Studie der Axa Deutschland hieß es jüngst: "Frauen fehlt es an Selbstbewusstsein in Finanzfragen". Inwieweit fehlt es Frauen an Selbstbewusstsein in Führungspositionen der Versicherer?

Frauen haben keinen Grund, nicht selbstbewusst zu sein. Warum auch? Ich denke diejenigen, die nach einer Quote rufen, machen sich selbst unnötig klein. Frauen sollten sich vielmehr auf ihre Stärken fokussieren, diese für ihre Ziele nutzen und selbstbewusst ihren Weg nach oben gehen. Letztlich zählen Qualifikation und Leistung, egal ob als Mann oder Frau.

Werfen wir noch einen kurzen Blick in die berühmt-berüchtigte Glaskugel von VWheute: Wann herrscht in der Versicherungsbranche die "Gleichberechtigung in den Vorstandsetagen"?

Formale Gleichberechtigung besteht bereits und braucht nicht regulatorisch geschaffen zu werden. Wie bereits ausgeführt werden die kommenden Führungsgenerationen in meiner Prognose gar nicht mehr die Frage nach dem Geschlecht in den Vordergrund stellen, sondern alleine nach Qualifikation und Leistung Managementpositionen besetzen.

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