DVAG Zentrale in Frankfurt
DVAG Zentrale in FrankfurtQuelle: DVAG
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DVAG nennt Vorstandsbezüge nicht – warum fühlt sich die Aufsicht nicht zuständig?

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Harte Kritik an Deutschlands größtem Finanzvertrieb. Die DVAG veröffentlicht ihre Vorstandsbezüge trotz gesetzlicher Vorgabe nicht. Das Unternehmen verstößt "seit Jahren" gegen diese Pflicht.  Das sieht die DVAG anders.

Es ist selten, dass eine Zeitung wie die SZ so heftig gegen ein Unternehmen vorgeht. "Die DVAG bricht seit Jahren das Gesetz" und die Kritik der Wirtschaftsprüfer "kümmert die Eignerfamilie Pohl nicht", schreibt das Blatt.

 

Für einen Verstoß sprechen die Indizien. Die fehlende Anzeigepflicht haben die Wirtschafsprüfer von KPMG bemerkt und einen "eingeschränkten Bestätigungsvermerk" in den Geschäftsbericht gesetzt. Ein eingeschränkter Bestätigungsvermerk ist dann zu erteilen, wenn "wesentliche Beanstandungen" gegen abgrenzbare Teile des von den gesetzlichen Vertretern aufgestellten Jahresabschlusses, des Lageberichts oder der Buchführung bestehen, oder wenn Prüfungshemmnisse vorliegen, schreibt Haufe. Alles in allem nichts, was eine Aktiengesellschaft wie die DVAG gerne in ihrem Jahresbericht stehen hat.

 

Dabei müsste die DVAG nicht einmal veröffentlichen, wie viel Gehalt welcher Vorstand genau erhält. Die Gesellschaft ist nicht börsennotiert, eine Gesamtsumme wäre daher ausreichend. Börsennotierte Unternehmen wie die Allianz müssen die Gehälter vollständig angeben, weswegen jeder wissen kann, das CEO Oliver Bäte im zweistelligen Millionenbereich verdient.

 

Die Angaben der Vorstandsgehälter sollen Anlegern dazu dienen, eine Vergleichbarkeit der Gehälter gegenüber Mitbewerbern zu ermöglichen, also im Wesentlichen Transparenz herzustellen. Im vergangenen Geschäftsjahr hat die DVAG den Konzernumsatz um 16,4 Prozent auf nunmehr 1,57 Mrd. Euro und den Konzernjahresüberschuss um 3,1 Prozent auf 202 Mio. Euro erhöhen können.

 

Transparenz? Das machen die anderen

 

Bei so guten Zahlen sollte der eine oder andere Euro für den Vorstand übrigbleiben. Wie viele Silberlinge, das möchte der Konzern nicht verraten: "Die Deutsche Vermögensberatung hat sich bezüglich der Angaben zu den Bezügen des Vorstandes bereits vor Jahren dazu entschlossen, von der Ausnahmeregelung gemäß Paragraf 286 Absatz 4 des Handelsgesetzbuches Gebrauch zu machen", teilt eine Sprecherin laut SZ mit.

 

Der Paragraf sagt aus, dass die Angabe nicht erfolgen muss, wenn "sich anhand dieser Angaben die Bezüge eines Mitglieds dieser Organe feststellen lassen kann". Wie das bei der Nennung einer Gesamtsumme und drei Holding- sowie neun Vorständen der Deutschen Vermögensberatung AG gelingen soll, bleibt unklar.

 

Eine Nachfrage bei der DVAG ergab keine Antwort. Eine Sprecherin verwies auf das zitierte Statement in der SZ, das in diesem Zusammenhang keinen Sinn ergibt.  

 

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass KPMG einen eingeschränkten Bestätigungsvermerk in den Abschlussbericht gesetzt hat. Die Wirtschaftsprüfer schreiben: "Für den Fall, dass bei einer Angabepflicht die Gesamtbezüge der Vorstandsmitglieder im Jahres-/Konzernabschluss nicht offengelegt werden, hat der Wirtschaftsprüfer in seinem Bestätigungsvermerk nach § 322 HGB auf diese Pflichtverletzung nach den §§ 285 bzw. 314 HGB hinzuweisen und diesen dahingehend einzuschränken."

 

Die DVAG wurde also darauf hingewiesen, warum niemand den Verstoß ahndet, bleibt nebulös. Die Aufsichtspflicht hat die Industrie- und Handelskammern (IHK) Frankfurt, deren Geschäftsführer Reinhard Fröhlich wird mit den Worten zitiert:  "Die Einhaltung der im Handelsgesetzbuch geregelten Pflichten unterliegt nicht der Aufsicht der IHK."

 

VWheute hat bei der IHK nachgefragt, wer denn ansonsten die Aufsicht führe, denn das HGB regelt auch, dass  eine Verletzung der Berichtspflicht mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe zu ahnden ist. Die Frage, ob eine Verletzung vorliegt, sollte in einem freien und regulierten Mark eine Aufsichtsbehörde treffen.

 

DVAG · HGB · Aktiengesellschaft · KPMG
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