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Schlaglicht

PKV-Vollversicherung: Die Allianz fällt tief

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Beitragsanstieg, angeblich befangene Treuhänder, mehr KV-Wahlrechte für Beamte - die Zeiten werden härter in der PKV. Dennoch gelingt einigen Unternehmen Wachstum bei den Vollversicherten, während andere herbe Einbußen hinnehmen müssen. Auf beiden Seiten des Spektrums finden sich Hochkaräter.

In kleinen Schritten geht es für die Branche voran. Die PKV als Ganzes konnte im vergangenen Jahr ihr Bruttowachstum in der Vollversicherung erstmals seit 2011 um 4.100 Personen auf 284.600 erhöhen, meldet Assekurata.

 

Allerdings, unter Berücksichtigung der Abgänge sank die Anzahl der vollversicherten Personen das siebte Mal in Folge. Im Jahr 2017 zählte die PKV marktweit noch 8.753.400 Vollversicherte, ein Jahr später war die Zahl um 0,2 Prozent geringer.

 

Trotz der geringen Gesamtzahl sind die Verschiebungen zwischen den Versicherern teilweise gravierend. Gewinner sind Debeka, Hanse Merkur und Signal Iduna.

Zuwächse in der PKV in 2018
Zuwächse in der PKV in 2018Quelle: Assekurata

Die Debeka konnte ihren Vollversichertenbestand "wieder einmal am deutlichsten ausbauen", schreibt Assekurata. Insgesamt 32.870 Vollversicherte gewannen die Koblenzer netto hinzu und waren somit das einzige PKV-Unternehmen, das ein fünfstelliges Bestandswachstum verbuchen konnte.

 

Ursächlich dafür ist vor allem die starke Position im Beihilfegeschäft, da dieses Segment marktweit noch um 0,9 Prozent wächst, während das Nicht-Beihilfesegment um 1,3 Prozent schrumpft. Es folgen die Hanse Merkur und die Signal Iduna Kranken.

 

Deutlich mehr Verlierer

 

Wie schon in den vergangenen Jahren ist die Liste der Bestandsverlierer mit 21 Unternehmen ungleich länger. Das sind die größten Nettobestandsverlierer in der Vollversicherung laut Assekurata.

Bestandsverlierer in der PKV, 2018
Bestandsverlierer in der PKV, 2018Quelle: Assekurata

Die DKV verliert am stärksten, gefolgt von der Allianz. Allerdings sind die dargestellten Bestandsveränderungen laut Assekurata "mit einer gewissen Vorsicht zu interpretieren".

 

Unter den verlierenden Unternehmen finden sich viele Versicherer mit älteren Beständen beziehungsweise Versicherten. Deren Sterblichkeitsrate ist ungleich höher als bei einem jungen Kollektiv. Deutlich sticht dies zum Beispiel bei einem Vergleich zwischen der Ottonova und der Allianz ins Auge. Mit einem neuen und damit recht jungen Bestand taucht erstere in der Liste der Nettogewinner auf, während die Münchener vermeintlich zu den Verlierern zählen.

Gleichwohl habe die Allianz in den vergangenen Jahren ihren Bruttozugang in der Vollversicherung kontinuierlich steigern können, meldet Assekurata. Dies kompensiert bislang aber nicht die Abgänge insbesondere durch Tod oder Wiedereintritt der Versicherungspflicht.

Das mag ein Grund sein, doch es ändert nichts am Verlust. Wenn die natürlichen Abgänge nicht mit jungen Neukunden ausgeglichen werden, sinkt der Bestand und es droht eine Vergreisung. Kann auf lange Sicht Probleme bei der Beitragsstabilität mit sich bringen? Assekurata winkt ab, "wenn richtig kalkuliert wurde", sei damit nicht zu rechnen.

 

Die Ratingagentur geht davon aus, dass die Anzahl der Vollversicherten in den nächsten drei Jahren stagnieren wird, wie ein Sprecher bestätigt. Wenn politische Eingriffe ausbleiben, erwartet das Ratingunternehmen "keine großartigen Ausschläge". Obwohl bei mehr Unternehmen die Nettozahl der Versicherten fällt, ist in absehbarer Zeit nicht mit "heftigen Marktkonsolidierungen" zu rechnen.

 

Die Unternehmen sprechen

 

Die Debeka erklärt zu ihrem Zuwachs: "Unser Brutto-Neuzugang in der Kranken-Vollversicherung liegt seit Jahren bei circa 80.000 Versicherten pro Jahr. Daraus resultieren auch die hohen Netto-Zugänge, wie zuletzt 2018 mit 32.870 Personen.

 

Diese Erfolge beruhen laut dem Unternehmen auf mehreren Faktoren, die sich zum Teil gegenseitig verstärken würden, der Gesellschaftsform als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, das Preis/Leistungsverhältnis wie auch die große Mitgliederzahl und der damit einhergehende Risikoausgleich. "Wir wissen seit 114 Jahren, wie Krankenversicherung geht", schreiben die Koblenzer selbstbewusst.

"An den bewährten Erfolgsfaktoren halten wir fest. Parallel dazu sind wir dabei, uns vom Kostenerstatter zum Gesundheitsdienstleister zu entwickeln." Das Unternehmen geht davon aus, auch in den nächsten Jahren Neuzugänge auf dem hohen Niveau der Vorjahre zu erreichen. Im ersten Halbjahr 2019 sei das bereits gelungen.

 

Und was sagt die Allianz zu ihrem Rückgang, die Münchener nehmen es als Herausforderung und kontern mit ihren Zusatzversicherten.

"Es ist richtig, der Bestand unserer Vollversicherten ist 2018 gesunken, diese Entwicklung wurde aber von Zusatzversicherten überkompensiert: In der Vollversicherung haben wir 601.000 Versicherte, das sind 10.500 weniger als im Vorjahr, Stand 31.12.18. Insgesamt jedoch stieg die Zahl der APKV-Versicherten um rund 22.000 auf 2,66 Mio. Kunden", schreibt die Allianz. "Wir sehen also eine Veränderung in der Bestandszusammensetzung, keinen Bestandsrückgang in Summe."

 

Zudem würden die neuen Vollversicherungstarife "gut angenommen" und das Unternehmen verzeichne "seit Jahren kontinuierlich erfreuliche Zuwächse". Freiwillig würden nur sehr wenige Versicherte das Haus verlassen, die vermeidbare Stornoquote bei der Vollversicherung lag zum Jahresende 2018 – wie seit Jahren – im Promillebereich. Den größten Anteil würden die Sterbefälle ausmachen.  "In Bezug auf Leistungsstärke und Sicherheit liegen wir ganz vorn im Markt. Und das wird sich in Zukunft auszahlen."

 

Hinweis der Redaktion: In der Grafik zu den Bestandsgewinnern hatte sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Diese wurde gegen die richtige Grafik ausgetauscht.

PKV · Assekurata · Allianz Deutschland · Debeka
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