Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung
Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Deutschen AktuarvereinigungQuelle: DAV
Köpfe & Positionen

Bader: "Zinszusatzreserve wird sich in Summe weiter aufbauen"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Welche Auswirkungen hat die Entlastung der Zinszusatzreserve (ZZR) auf die Lebensversicherer? "Die Entlastung ist enorm. Zum Vergleich: Ende 2017 lag der Referenzzins bei 2,21 Prozent. In 2018 sank er durch die neue Korridormethode statt auf 1,88 „nur“ auf 2,09 Prozent ab. Das sind immerhin 21 Basispunkte", konstatiert DAV-Vorstandsvorsitzender Guido Bader.

Zudem glaubt der Stuttgarter-Vorstand, dass sich die ZZR "in Summe weiter aufbauen" werde. "Vorausgesetzt die Zinsen bleiben auf dem heutigen Niveau, gehe ich von einem weiteren Aufbau im Branchenmittel bis mindestens 2025 aus, wenngleich mit geringeren Zuführungsbeträgen als in der Vergangenheit", glaubt er im Interview mit dem Finanzmagazin Procontra Online. "Durch die Korridormethode mussten die Anbieter weniger Bewertungsreserven realisieren, um die Zinszusatzreserve zu finanzieren. Das heißt, die außerordentlichen Erträge, damit auch die Kapitalanlageergebnisse und die Nettoverzinsungen gingen zurück. Diese Effekte, ausgehend von der veränderten ZZR-Berechnung, sollte man berücksichtigen, wenn man die Ergebnisse der Gesellschaften interpretieren möchte", ergänzt Bader mit Blick auf die Bilanzkennzahlen.

 

Für die Kunden ändere sich hingegen "unter dem Strich erst einmal nichts. Die Zinszusatzreserve ist eine rein bilanzielle Größe. Es macht für den Versicherten a priori keinen wesentlichen Unterschied, ob ein Lebensversicherer beispielsweise 100 Millionen Euro sofort oder über fünf Jahre zu je 20 Mio. Euro nachreservieren muss. Der Aufwand für das Unternehmen ist in Summe derselbe, die Ansprüche des Kunden gegenüber dem Unternehmen ändern sich ebenso wenig", betont Bader. Allerdings habe sich die Situationdurch den Zinsverfall noch weiter verschärft." Inwieweit der Druck sich dann in sinkenden Überschussbeteiligungen für 2020 widerspiegelt, wird man am Ende des Jahres sehen. Aber eines ist klar, durch die Anpassung der Berechnungsmethode bei der ZZR steht den Anbietern jetzt kein zusätzlicher Geldtopf zur Verfügung, den sie an die Kunden ausschütten können",betont Bader.

ZZR · Zinszusatzreserve · Guido Bader
Auch interessant
Zurück
14.08.2019VWheute
Bader über Solvency II: "Man sollte die Über­gangs­maß­nahmen punk­tuell ausbauen" "Solvency II ist über das Ziel hinausgeschossen", kritisiert Dr. …
Bader über Solvency II: "Man sollte die Über­gangs­maß­nahmen punk­tuell ausbauen"
"Solvency II ist über das Ziel hinausgeschossen", kritisiert Dr. Guido Bader und fordert: "die öffentlichen Solvenzberichte müssen gekürzt und vereinfacht werden". Der Vorstand der Stuttgarter …
23.07.2019VWheute
"Ohne Politik wären LV-Versi­cherer pleite gegangen" – haben die Unter­nehmen das Schlimmste hinter oder noch vor sich? Unfallgeschäft lohnt sich, …
"Ohne Politik wären LV-Versi­cherer pleite gegangen" – haben die Unter­nehmen das Schlimmste hinter oder noch vor sich?
Unfallgeschäft lohnt sich, Lebensversicherung nicht (mehr). Das ist in der Branche Allgemeingut. Was soll also bei einer Untersuchung von Assekurata zum Thema …
04.07.2019VWheute
Guido Bader: "Wir sind kein Lobby­ver­band der Versi­che­rungs­wirt­schaft" Der neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) Guido …
Guido Bader: "Wir sind kein Lobby­ver­band der Versi­che­rungs­wirt­schaft"
Der neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) Guido Bader will die Bekanntheit der DAV steigern und sich dabei auch von der Versicherungswirtschaft emanzipieren, wie er in einem …
27.06.2019VWheute
Bader (DAV) zu neuen Regu­la­rien: "Weiter­ent­wick­lung kann auch Konso­li­die­rung bedeuten" An zu wenig Vorschriften mangelt es bei der …
Bader (DAV) zu neuen Regu­la­rien: "Weiter­ent­wick­lung kann auch Konso­li­die­rung bedeuten"
An zu wenig Vorschriften mangelt es bei der Altersvorsorge nicht. Fortlaufend diskutieren Branche, Politik und Verbraucherschützer über neue Regeln. Mittendrin die Deut­sche …
Weiter