Quelle: Huk-Coburg
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Hype, Hyper, Hyper: Die tödliche Bilanz des E-Scooters

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Einen Monat sind die neuen E-Scooter nun für den Straßenverkehr in Deutschland zugelassen. Eine erste Bilanz der neuen Gefährte fällt indes eher durchwachsen aus. In Großbritannien gab es sogar ein erstes Todesopfer.

Die britische Youtube-Moderatorin Emily Hartridge kam vergangenen Freitag in London bei einem Unfall mit dem E-Scooter ums Leben. Wie die britische Zeitung The Sun berichtet, kollidierte die 35-Jährige mit einem Lkw und erlag noch am Unfallort ihren Verletzungen. Erst fünf Tage zuvor hatte die Youtuberin, Personaltrainer und Moderatorin das Gerät von ihrem Freund geschenkt bekommen, obwohl diese im Vereinigten Königreich nicht für den Straßenverkehr zugelassen sind.

 

Auch in Deutschland warnen die Verkehrsverbände - allen voran der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und der ADAC - eine besser Aufklärung für die Bundesbürger. So registrierte die Polizei in den vergangenen Wochen bereits mehrere Unfälle mit Verletzten - die Trunkenheitsfahrten noch gar nicht mit eingerechnet. Allein in Berlin wurden bislang mindestens sieben E-Scooter-Unfälle und mindestens acht Schwerverletzte mit Knochenbrüchen und Kopfverletzungen registriert. Frankfurt und Hamburg meldeten jeweils eine einstellige Zahl an Unfällen. Behörden in München zählten bislang mindestens sechs Unfälle.

 

"Aus unserer Sicht läuft der Start der E-Scooter in Deutschland nicht besonders gut. Das sieht man auch an den Unfällen und Regelverstößen. Es gibt extrem viele Trunkenheitsfahrten", kritisiert Julia Fohmann vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat gegenüber der Bild. So wurden allein in München seit 15. Juni mindestens 98 betrunkene E-Tretroller-Fahrer, 36 davon mit mehr als 1,1 Promille von der Polizei erwischt. Sechs Fahrer standen dabei unter Drogen.

 

"Dass es massive Probleme geben wird zwischen E-Scooter-Fahrern und anderen Verkehrsteilnehmern, liegt auf der Hand. Die Frage ist nur: Wie schwerwiegend sind diese Probleme", konstatierte Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) bereits im Juni. "Wir wissen aus internationalen Studien und Daten, dass das Verletzungspotenzial beim E-Scooter-Fahren sehr hoch ist. Ich frage mich, ob wir gut genug darauf vorbereitet sind", ergänzte Christopher Spering von der Klinik für Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Göttingen. 

 

Bereits Anfang des Jahres hatten Wissenschaftler Daten aus Notfallambulanzen von zwei Kliniken in Südkalifornien ausgewertet: Das Ergebnis: rund 250 Fahrer von E-Scootern kamen binnen eines Jahres in die Notaufnahmeambulanzen. Die häufigsten Verletzungen waren Kopfverletzungen, gefolgt von Knochenbrüchen, Prellungen, Stauchungen und Platzwunden. 15 Patienten mussten stationär behandelt werden, zwei kamen mit schweren Kopfverletzungen auf die Intensivstation.

 

Versicherungsschutz besteht wie in der Autoversicherung für Schäden gegenüber Dritten mit den Höchstversicherungssummen von üblicherweise 15 Mio. Euro pro geschädigte Person sowie 100 Mio. Euro für Sachschäden. Diese Höhe dürfte in der Regulierungspraxis keine Probleme bereiten. Die Prämien liegen bei teilweise unter 30 Euro im Jahr und sind daher gut erschwinglich. Wie bei einer Moped- oder Rollerversicherung beginnt das Versicherungsjahr jeweils am 1. März und endet automatisch zum 28. Februar des Folgejahres, so dass jedes Jahr neuer Versicherungsschutz mit einer dann anderen Farbe des Kennzeichens gekauft werden muss. Natürlich kann auch unterjährig eingestiegen werden, was die Prämien dann entsprechend sinken lässt, erklärt Thomas Perk, Buchautor Sach- und Vermögensversicherungen leicht gemacht, VVW.

 

Neben der Haftpflichtversicherung besteht auch die Möglichkeit, den E-Scooter über eine Kaskoversicherung abzusichern. Eine Möglichkeit des Einschlusses in die Hausratversicherung besteht leider nicht, da auch hier die Kfz-Eigenschaft des Scooters dagegen spricht. Wie beim Auto können Sie hier eine Teilkasko (im Normalfall mit 150 Euro Selbstbeteiligung) abschließen. Eine weitergehende Deckung im Rahmen einer Vollkasko wird üblicherweise nicht angeboten, nur vereinzelt lassen sich "Allgefahren-Deckungen" bei Nischenanbietern finden, die aber nicht wirklich notwendig erscheinen.

 

Ausreichend ist der Abschluss einer Teilkasko, die nicht viel teurer als die Haftpflichtprämie sein wird und die wichtigsten Risiken für einen E-Scooter wie das Feuerrisiko (wer weiß, wohin sich die Elektromotoren und die Akkus entwickeln) und insbesondere das Diebstahlrisiko mit abdeckt.

E-Scooter
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