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Beziehungsstatus IFRS und Versicherungsverträge: Es ist kompliziert

Von Joachim KölschbachTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Mit  dem IFRS 17 Insurance Contracts liegt seit gut zwei Jahren ein einheitlicher internationaler Rechnungslegungsstandard für Versicherungsgeschäfte vor. Ziel ist es, die Transparenz und Vergleichbarkeit der Abschlüsse der Versicherungskonzerne zu erhöhen. Die derzeitige Bilanzierung nach dem Übergangsstandard IFRS 4 erlaubt keine Vergleichbarkeit. 

Das IASB hat die Versicherer bei der Umsetzung eng begleitet und zahlreiche Bedenken sowie Umsetzungsprobleme festgestellt. Um diesen Rechnung zu tragen und um die Umsetzung zu erleichtern, hat es jetzt Änderungen des IFRS 17 in sieben Bereichen vorgeschlagen, begleitet von einem Aufschub der Erstanwendung um ein Jahr bis zum 1. Januar 2022:

 

  • Bestimmte Kreditkarten und Darlehen, die Versicherungsdeckungen beinhalten und in der Regel von Nichtversicherungsunternehmen ausgegeben werden, müssen nicht zwingend nach IFRS 17 bilanziert werden; der Anwendungsbereich des IFRS 17 bleibt damit im Wesentlichen auf Versicherungsunternehmen begrenzt.
  • Bei bestimmten Verträgen, die Investmentmanagement-Dienstleistungen beinhalten, werden Gewinne auch entsprechend deren Erbringung und nicht nur entsprechend dem erbrachten Versicherungsschutz vereinnahmt; so wird die tatsächliche Performance besser dargestellt. 
  • Kosten für den Abschluss von Versicherungsverträgen werden auch auf erwartete Vertragsverlängerungen, außerhalb der Vertragsgrenzen des ursprünglichen Vertrages, verteilt; damit werden die Abschlusskosten in Perioden aufwandswirksam, in den die erwarteten Margen zu ihrer Deckung ertragswirksam werden.
  • Bestimmte Risikominderungen über Rückversicherung können entsprechend dem Risikomanagement auch im Abschluss berücksichtigt werden, so wie im bisherigen IFRS 17 schon für Derivate vorgesehen.
  • Der Ausweis von Versicherungsverträgen als Aktiva oder Passiva aus Versicherungsverträgen wird auf Portfolio-Ebene ermittelt; das erleichtert die Zuordnung von fälligen Beitragsforderungen und anderen Abrechnungsposten zu den Bilanzierungseinheiten.
  • Soweit erwartete Verluste quotal vom Rückversicherer getragen werden, dürfen die entsprechenden Gewinne aus Rückversicherung simultan ausgewiesen werden.
  • Die Bilanzierung von vor dem Übergang auf IFRS 17 im Rahmen von Unternehmenserwerben übernommenen Schadenrückstellungen wird erleichtert.

 

Nicht übernommen hat das IASB die Petition der Branche, auf eine Bewertung auf der Basis von Jahresscheiben sowie auf die Anpassung der Vorjahreszahlen bei der Erstanwendung verzichten zu können. Versicherer sind derzeit unter bestimmten Voraussetzungen befreit, Finanzinstrumente nach dem neuen Standard IFRS 9 abzubilden; sie sollten die Bilanzierung von Kapitalanlagen - das sind weitestgehend Finanzinstrumente - und von versicherungstechnischen Rückstellungen gleichzeitig umstellen dürfen. Das IASB hat daher vorgeschlagen, auch hier den Anwendungszeitpunkt auf 2022 zu verschieben. Die Veröffentlichung der endgültigen Änderungen ist bis Mitte 2020 vorgesehen. Vor Anwendung muss der Standard noch von der EU angenommen werden.

 

IFRS 17 ist ein sehr komplexer Standard und stellt hohe Anforderungen an die Umsetzung. Die Umsetzung betrifft nicht nur das Rechnungswesen und das Aktuariat, sondern auch viele andere Bereiche. Daten, Systeme und Prozesse sind  anzupassen. Deutsche Versicherer sind mit den Projekten relativ weit fortgeschritten. Sie hoffen darauf, dass die Annahme in der EU rechtzeitig erfolgt und die Erstanwendung 2022 nicht gefährdet und die Projekte noch weiter auf die lange Bank geschoben werden. Auch Analysten und Investoren fordern jetzt endlich eine wirklich vergleichbare und transparente Rechnungslegung der Versicherer, denn das, was die Versicherer derzeit unter IFRS und Solvency II berichten, ist für eine Performancemessung unzureichend.“
IFRS 17 · KPMG
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