Klimawandel
KlimawandelQuelle: Bild von Tumisu auf Pixabay 
Politik & Regulierung

Führt der Klimawandel zu höheren Versicherungsprämien?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
In Deutschland haben die Wetterextreme in den vergangenen Jahren bekanntlich zugenommen. Eine mögliche Ursache: Der Klimwandel. Dies könnte jedenfalls dazu führen, dass die Versicherungsprämien klimabedingt in den kommenden Jahren steigen könnten, berichtete unlängst das ARD-Magazin Plusminus. Während die Verbraucherschützer weiterhin für eine Versicherungspflicht gegen Elementarschäden plädieren, lehnt der GDV ein solches Vorhaben indes ab.

So konstatiert der Branchenverband in einer Stellungnahme: "Eine Pflicht zu versichern verhindert keinen einzigen Schaden, kann damit also zu keiner Preissenkung führen. Schäden müssen von Beiträgen bezahlt werden. Auch kann keine Versicherungspflicht der Welt die Prämien vor dem Hintergrund der Klima-Schadenprojektionen stabil und bezahlbar halten. Steigende Schäden werden also auch eine Pflichtversicherung verteuern. Die Versicherungsprämie sinkt auch nicht, wenn eine Pflichtversicherung eingeführt wird. Denn die heute unversicherten Gebäude sind ebenso schadenbelastet - nur nicht versichert."

 

Darüber hinaus würde sich mit "der Pflichtversicherung sich folglich nur die Versichertengemeinschaft vergrößern, nicht aber die Schadenlast der Versichertengemeinschaft verringern. Es gibt derzeit auch keine Negativauslese bei den versicherten Gebäuden. D. h. bei einer Pflichtversicherung kämen also nicht überproportional 'leichte' Risiken hinzu. Das Verhältnis von versicherten Werten und Schäden bliebe gleich – und damit auch die Prämien." Zudem spreche eine solche Pflichtversicherung "auch keine Bauverbote in hochgefährdeten Gebieten aus oder zwingt den Versicherungsnehmer zu einem schadenmindernden Wiederaufbau im Schadenfall." Außerdem mache sie "den Bürgern auch keine Gefahren transparent und investiert in die Risikominderung", heißt es beim GDV weiter. 

 

Das Argument, eine Versicherungspflicht würde unter anderem jenen Eigentümern helfen, die derzeit keine Chance erhielten, eine Versicherung gegen Elementarschäden abzuschließen, will der Branchenverband demnach ebenfalls nicht gelten lassen. "Probleme bezüglich der Versicherbarkeit sind daher die Ausnahme, nicht der Regelfall. Insofern muss man sehr gründlich hinschauen, wenn behauptet wird, ein Risiko sei "unversicherbar". Blickt man dann hinter die Kulissen, sind wiederholte Schwierigkeiten, Versicherungsschutz zu erlangen, häufig auf Störungen im Vertragsverhältnis zurückzuführen, z. B. außergewöhnliche Häufung von Schadenereignissen, ohne dass der Gebäudeeigentümer seiner Pflicht zur Prävention nach § 5 Absatz 2 Wasserhaushaltsgesetz nachkommt, gänzlich fehlende Präventionsmaßnahmen am Gebäude selbst, schlechter baulicher Allgemeinzustand des zu versichernden Objektes etc.", konstatiert der GDV gegenüber PlusMinus. Hinzu komme, "dass Gebäudebesitzer unbesehen ihrer finanziellen Lage nahezu jeden Beitrag für eine solche Deckung für 'zu teuer erachten und dies nach unserer Erfahrung als 'unzumutbar' oder 'unversicherbar' bezeichnen."

 

Aktuell sind in Deutschland lediglich 43 Prozent der Gebäude gegen Naturgefahren wie Hochwasser und Überschwemmung versichert. Die Unterschiede sind dabei zwischen den einzelnen Bundesländern gravierend. Während in Baden-Württemberg 94 Prozent der Gebäude umfassend gegen Naturgefahren versichert sind, sind es in Bremen gerade einmal 21 Prozent. Die hohe Versicherungsdichte in Baden-Württemberg hat historische Gründe: Bis zum Jahr 1993 bestand hier eine Versicherungspflicht gegen Elementarschäden.

Quelle: GDV

Die Politik selbst hat ihre Soforthilfen bei Unwettern jedenfalls deutlich zurückgefahren. So hat Bayern beschlossen, zum 1. Juli 2019 keine Soforthilfen mehr zu gewähren, wenn Schäden versicherbar waren. Rheinland-Pfalz hatte 2018 sein Hilfskonzept für Betroffene neu aufgestellt und dann wieder gestrichen. In Sachsen werden entsprechende Gelder nur für dann gewährt, wer bedürftig ist und sich nicht versichern konnte. Zudem hatte Hessen seine Richtlinie zur Gewährung staatlicher Hilfen bei Elementarschäden im vergangenen Jahr auslaufen lassen. Lediglich Baden-Württemberg ist ein Sonderfall, weil es dort eine Pflichtversicherung mit dem Staat als Garantiegeber gab. 1993 wurde dieses Modell hingegen für unzulässig erklärt.

Klimawandel · GDV
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