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Politik & Regulierung

Streitfall Grenfell: Darum gewann Munich Re gegen Protector

Von Philipp ThomasTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Brand des Londoner Grenfell Towers 2017 kostete über 70 Menschen das Leben. Das Gebäude gehörte der Gebietskörperschaft Royal Borough of Kensington and Chelsea RBKC, welche es wiederum bei der britischen Operation der norwegischen Protector Forsikring ASA versichert hatte. Rückversicherer war Munich Re. Protector hatte sich auf den Standpunkt gestellt, 6,9 Mio. Pfund an Schadenkosten gingen unter einem 2016 auf Dreijahresbasis abgeschlossenen Summenexzedenten zulasten von Munich Re. Dieser Auffassung folgte das zwischen Munich Re und Protector vereinbarte Schiedsgericht nicht.

Gemäß einer 2018er Investorenpräsentation von Protector lag seinerzeit der Property Selbstbehalt auf PML Basis bei 2 bis 4 Mio. Pfund, der Summenexcedent gewährte weitere 100 Mio. Pfund an Kapazität. An die Stelle des Summenexzedenten scheint ab 2019 ein in drei Layer aufgefächertes Schadenexzedentenprogramm getreten zu sein.

 

Die Mehrjährigkeit der Deckung sowie die scheinbar hundertprozentige Platzierung bei Munich Re könnten darauf hinweisen, dass die Deckung in die Kategorie finite/strategisch fiel und spezifisch dem Zweck der kosmetischen Solvabilitäts-Schönung diente.

 

Bei derartigen nicht klassischen Speziallösungen können die Auffassungen der Beteiligten über das Maß des beabsichtigten Risikotransfers auseinanderklaffen. Denkbar ist auch, dass Protector das Gebäude mit einem weit unterhalb der Versicherungssumme liegenden und durch den Totalschaden um ein vielfaches überschrittenen PML unter dem Summenexcedenten zedierte und dies im nachhinein zu revidieren trachtete.

 

Aus dem Schiedsspruch resultiert ein ausserordentlicher Nettoschadenaufwand der Protector, welcher im zweiten Quartal 2019 verbucht werden wird. In einer auf den Februar 2019 zurückgehenden letzten Schätzung hatte Protektor den Grenfell Bruttoschaden mit 75 Mio. Pfund beziffert. Die Master-Police betreffend RBKC betrifft allerdings 7.000 Einzelrisiken. Die 2017er Bruttoschadenquote hatte 883 Prozent betragen, die für netto (aber unter Falscheinschätzung der MunichRe Haftung) 128,6 Prozent

 

Die Gesellschaft zeigte sich enttäuscht hinsichtlich der nicht mehr angreifbaren schiedsrichterlichen Entscheidung und behält sich ein Vorgehen gegen den die einstige Rückversicherung platzierenden Makler wegen Falschberatung vor. Das wäre dann eventuell ein Schaden unter der Errors & Omissions Berufshaftpflicht-Deckung des Maklers.

 

Protectors Aktienkurs brach nach Bekanntwerden der ungünstigen Schiedsgerichtsentscheidung um 15,5 Prozent ein. Dennoch wir Protector immer noch von der Osloer Börse mit dem zweifachen net asset value bewertet.

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