Quelle: Swiss Re
Schlaglicht

Falsche Einschätzung? Swiss Re bläst IPO von Reassure ab

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Rückversicherer Swiss Re lässt den geplanten Börsengang seiner Tochtergesellschaft Reassure platzen. Die Aussetzung des IPO sei eine Folge der gestiegenen Zurückhaltung und der schwächeren Nachfrage großer institutioneller Investoren am britischen Primärmarkt. Zuvor war am Markt eine mögliche Verschiebung des Börsengangs bereits gerüchteweise herumgereicht worden. Man halte am Ziel fest, die Beteiligung am britischen Versicherungsdienstleister zu reduzieren und zu dekonsolidieren, wie Finanzchef John Dacey am Donnerstag mitteilte.

Der Börsengang des Unternehmens war lange geplant. Schon im August 2018 hatte Swiss Re damit geliebäugelt, während man sich gleichzeitig die Tür für einen allfälligen Verkauf des Geschäfts offen gehalten hatte. Die Aktionäre von Swiss Re ihrerseits werden nun voraussichtlich nicht in den Genuss eines nochmaligen Aktienrückkaufs kommen. Das Management hatte angedeutet, der Erlös eines Teilbörsengangs von Reassure könnte gegen Ende des Jahres dafür verwendet werden. Unter dem laufenden Kaufprogramm von maximal einer Mrd. Franken hat der Konzern bereits eigene Aktien im Wert von 350 Mio. Franken vom Markt gekauft.

 

Finanzchef Dacey indes ist weiter davon überzeugt, dass eine breitere Aktionärsbasis für Reassure das Beste wäre. Für Swiss Re bestehe jedoch keine Notwendigkeit, die Aktien zu jedem Preis zu veräussern, schreibt er in der Medienmitteilung. Das ändert nichts daran, dass das Management das Nachfragepotenzial für die Aktien ihrer Tochtergesellschaft falsch eingeschätzt hat, kritisiert Finanz und Wirtschaft

 

Nun bleiben Swiss Re und MS&AD, die 75 bzw. 25 Prozent des Kapitals halten, dem Unternehmen weiterhin uneingeschränkt verpflichtet. Das Geschäftsmodell von Reassure umfasst, von Lebensversicherern ganze Bestände laufender Policen zu erwerben und bis zu deren Ablauf bzw. Rückzahlung zu verwalten. Dazu ist ein hoher anfänglicher Kapitaleinsatz nötig, und erst nach Beendigung der einzelnen Transaktionen bleibt ein Mehr- oder Minderwert.

 

Noch bis vor kurzem galt der Börsengang der ReAssure quasi als ausgemachte Sache. Erst Ende Juni hatte der Rückversicherer mitgeteilt, dass die Aktien zwischen 280 und 330 Pence platziert werden sollen. Dies würde einem Börsenwert von etwa 2,8 bis 3,3 Mrd. Pfund (etwa 3,1 bis 3,7 Mrd. Euro) entsprechen. Dabei ging der Rückversicherer davon aus, dass das Angebot zu einem Streubesitz von 26 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals von ReAssure führen wird. Swiss Re stellt auch Aktien als Teil einer Mehrzuteilungsoption im Umfang von bis zu 15 Prozent des Angebots zur Verfügung, heißt es weiter. Die Swiss Re hält derzeit 75 Prozent der Anteile an ReAssure, die restlichen 25 Prozent gehören dem japanischen Versicherer MS&AD, der an seinem Anteil festhalten will.

 

Dabei war der Börsengang selbst schon von langer Hand vorbereitet. So hatte die Swiss Re diesen Schritt bereits im August 2018 in Aussicht gestellt und schließlich Mitte Juni 2019 quasi offiziell bestätigt. Dazu hatte der Rückversicherer die ReAssure in ein eigenes Unternehmen umgewandelt und Ende letzten Jahres Mark Hodges zum neuen Chef des Börsenkandidaten bestellt. Dieser gilt als erfahrener Versicherungsmanager und war zuvor Divisionsleiter beim britischen Energieunternehmen Centrica.

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