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Politik & Regulierung

Kreditrating: Coface wertet Deutschland ab

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Deutschland ist aus der Champions League der wirtschaftsstärksten Länder abgestiegen. So hat der Kreditversicherer Coface die Bundesrepublik von A1 in A2 herabgestuft. Dabei  bereiten vor allem die Autobauer den Ökonomen derzeit besonders große Sorgen.

Demnach sieht Coface für die Wirtschaftszweige Automotive und Metall ein "hohes Risiko", die Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Pharma wurden auf "mittleres Risiko" herabgestuft. So profitiere die deutsche Wirtschaft noch von einigen positiven makroökonomischen Fundamenten, wie einem guten privaten Haushaltskonsum und einem insgesamt dynamischen Arbeitsmarkt, konstatiert Christiane von Berg, Volkswirtin bei Coface Deutschland: "Sie spürt aber seit dem Jahreswechsel zunehmend Gegenwind. Daher haben wir bereits im März unsere Wachstumsprognose für 2019 auf 0,8 Prozent angepasst, nachdem die Wirtschaft im Vorjahr noch um 1,5 Prozent gewachsen ist."

 

Allerdings erwartet der Kreditversicherer derzeit keine kurz- bis mittelfristige Verbesserung der Branchenkonjunktur. "Die jährliche Rate der Industrieproduktion ist seit Monaten negativ und sinkt von Raten um plus sechs Prozent im November 2017 auf minus 2 Prozent im April 2019. Auch der Auftragseingang im In- und Ausland ist negativ", prognostiziert die Coface-Ökonomin: "Motor der Abschwächung ist die deutsche Automobilindustrie."

 

Dabei sei die Automobilproduktion von einer jährlichen Rate von fünf Prozent im Februar 2017 auf rund minus zwölf Prozent im Frühjahr 2019 gesunken. Seit August 2018 seien zudem die negativen jährlichen Produktionszahlen im Durchschnitt fast durchgehend zweistellig. Auch die Auftragseingänge und Exportzahlen seienm auf Jahresbasis negativ. "Zwar haben die deutschen Hersteller ihre Investitionen in die E-Mobilität von 2017 bis 2018 verdoppelt. Insgesamt gingen die Investitionen in die Automobilproduktion jedoch zurück", bilanziert von Berg. Global investierten die 16 größten Automobilunternehmen 2017 noch in 156 Projekte im Wert von rund 26,7 Mrd. US-Dollar. 2018 waren es nur 118 neue Projekte im Wert von 22,4 Mrd. US-Dollar.

 

Leichte Schatten sieht Coface auch über der Pharmaindustrie. "Generell ist die aktuelle Geschäftslage der deutschen Pharmaindustrie positiv", sagt Christiane von Berg. "Die positive Grundstimmung spiegelt sich in den Umsatzzahlen der letzten Jahre wider, und die Margen der Pharmahersteller blieben bis Ende 2018 hoch." Allerdings wirke sich die nachlassende Wachstumsdynamik in der deutschen Industrie teilweise auf die Pharmaindustrie aus, obwohl der Gesamteffekt geringer ist als in anderen Branchen. Die Auftragszahlen für pharmazeutische Grundstoffe und deren Herstellung liegen aber seit einigen Monaten unter dem Vorjahr, heißt es bei Coface weiter.

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