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Politik & Regulierung

Irlands Politik zürnt: "Versicherer scheren sich einen Dreck um Versicherungsbetrug"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Massiver Ärger für die Versicherungswirtschaft in Irland – inklusive Allianz und Axa. Politiker werfen der Branche vor, die Fallzahlen bei Versicherungsbetrug zu übertreiben, um ihre Prämien zu rechtfertigen. Zudem würden sie sich nicht um Fälle von Versicherungsbetrug scheren. Drei große Versicherer mussten vor dem Parlament erscheinen.

 Die Versicherer würden nicht nur die Zahlen bei betrügerischen Ansprüchen ("fraudulent claims) "aufbauschen", sondern sich ebenfalls nicht ausreichend um die Fälle kümmern, meldet die Irish Times. Etwa zwanzig Prozent der gemeldeten Fälle wären verdächtig, die Versicherer würden allerdings nur "eine Handvoll" an die Garda (Síochána) weitergeben, das ist die zuständige Nationalpolizei.

 

Mittlerweile beschäftigt sich der Oireachtas, das irländische Parlament, mit dem Fall und hat Vertreter der Versicherer zum Gespräch gebeten, um nicht einbestellt zu sagen. Die Untersuchung des Parlaments umfasst einige Punkte, beispielsweise die Höhe der Versicherungsbeiträge und anderen " difficulties", die den Sektor berühren. Ein Aspekt sind unverhältnismäßig hohe Schmerzensgeldzahlungen vor Gericht bei geringen Verletzungen.

 

Axa, Allianz und FBD schwimmen in Anhörung

 

Die Chefs der FBD Insurance, Fiona Muldoon, der Allianz Ireland, Sean McGrath, und Axa Ireland, Phil Bradley, wurden vor das Oireachtas Finanzkomitee geladen. Ihre Verteidigung gegenüber dem Vorwurf der Übertreibung und des nicht-meldens von Betrugsfällen überzeugten offenbar nicht.

 

Alle drei gelobten zwar, dass im Falle eine Reduktion der Fall- und Schmerzensgeldkosten auch die Beiträge sinken würden, schränkten allerdings ein, dass dies nicht "euro for euro" geschehen könne.

 

Die Repräsentanten der Branche machten zudem deutlich, dass das Level von Schmerzensgeldzahlungen und die Anzahl der Betrugsfälle eine Reduktion der Beiträge nicht ermögliche. Laut Muldoon waren günstige(re) Versicherungen unter diesen Bedingungen "ökonomisch unmöglich".

 

Gar einen systemischen Fehler erkannt hat Jackie McMahon, Chief Claims Officer bei FBD: "Übertreibungen und wie das (Gesellschafts-) System diese fördert ist ein weit größeres Problem als Versicherungsbetrug. Wie sehen heutzutage kaum eine banale Verletzung ("soft tissue injury"), die kein psychologisches Trauma beinhaltet."

Er fährt fort: " Es gibt weit mehr medizinisches Personal ("pain management consultants"), die Schmerzen finden und managen, als wir bei MRI Scans sehen." Das Phänomen wäre für das Unternehmen neu.

 

Der Sprecher von der Partei Sinn Féin, Pearse Doherty, sieht das anders und bezichtigt die Branche, das Problem selbst verursacht zu haben. Er beanstandet die Zahlen und führt an, dass FBD 65.000 Versicherungsfälle pro Jahr erhalten würde, mindestens 10.000 davon wären verdächtig oder direkt betrügerisch, das entspräche rund 20 Prozent. Davon hätte das Unternehmen zwischen Oktober und März ganze 19 an die Garda gemeldet.

 

Die Allianz wäre laut Doherty nicht weniger auskunftsscheu. Ihr Irland-Chef McGrath bestätigt, dass lediglich 48 von 5000 Fällen gemeldet wurden, das entspräche rund einem Prozent. Die Axa meldete 55 Betrugsversuche bei gleicher Anzahl von Fällen.  

 

Das Parlament zürnt

 

"Die Rechnung geht nicht auf", wütete Doherty. Er bezichtigt die Versicherer, die Betrugsfälle bewusst nicht zu melden, um wegen der höheren Schadenkosten die Beiträge stabil auf einem hohen Level zu halten.

 

"Und wenn die Rechnung aufgeht, dann geben sie einen Dreck (don’t give a damn) auf den Betrug, weil sie diese nicht an Gardai melden", echauffiert sich Doherty weiter.

 

McGrath erklärte daraufhin, dass es zu viel Mühen gekostet hätte, die Beweislast für eine erfolgreiche Strafverfolgung zu erbringen. Die Aufwendungen hätten außerhalb "vernünftiger Grenzen gelegen" und das Unternehmen wollte "die Zeit der Garda nicht verschwenden".

Muldoon (FBD) bestätigte das Gesagte und stützt ihren Kollegen: "Die Garda würde uns nicht dafür danken, wenn wir jeden dieser Fälle zu ihnen bringen würden, ohne selbst weiter zu ermitteln."

 

Wenig überraschend erklärte Doherty daraufhin, dass es nicht Aufgabe der Versicherer sei, eine Bewertung der vorliegenden Beweise vorzunehmen. Allerdings wäre es sehr wohl deren Pflicht, verdächtige Fälle zu melden. Bradley akzeptierte diesen Punkt laut der Zeitung.

Irland · Parlament · Betrug · Versicherungsbetrug
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