Auto  mit Fahrer in der Stadt - bald Vergangenheit?
Auto  mit Fahrer in der Stadt - bald Vergangenheit?Quelle: Bild von Pexels auf Pixabay 
Schlaglicht

Weitsicht oder Kamikaze: Huk und Allianz glauben trotz autonomer Fahrzeuge und Carsharing an Wachstum im Kfz-Markt

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das große Thema beim Thema Mobilität ist das autonome Fahren. Selbststeuernde Autos, Flugtaxis, unbemannte Busse und Bahnen. Kollege Algorithmus soll die Art der Bewegung verändern, Unternehmen wie Tesla und Google sind längst mit Feuereifer bei der Sache. Dennoch investieren die Allianz und Huk-Coburg weiter in den Kfz-Markt. Wissen die etwas, was anderen verborgen blieb?

Wie weit die Technik bereits ist und wie viel bis zur Vollendung fehlt, konnte gestern auf der Veranstaltung Autonomes Fahren Baden-Württemberg in Karlsruhe gesehen und erlebt werden. Das autonome Fahren ist sehr ausgereift, allerdings (noch) nicht serientauglich. Das ein solches Projekt gerade im Autoland Baden-Württemberg stattfindet und Partner wie der Autohersteller Porsche daran mitarbeiten, ist ein erster Fingerzeig, wie die Autobranche die Zukunft sieht. Die regierungsparteien haben sich im Koalitionsvertrag zur neuen Mobilität bekannt, unter anderem heiß es dort:  "Wir schaffen den Sprung zur Mobilität 4.0: (...), Einrichtung neuer digitaler Testfelder für automatisiertes Fahren. Rechtliche Voraussetzungen für Erprobung und Weiterentwicklung des autonomen Fahrens auf allen Verkehrsträgern.“ Doch nicht nur die Politik stellt sich auf Veränderungen ein.

 

Autoindustrie auf neuen Wegen

 

Die Riesen BMW und Mercedes haben vor kurzer Zeit mit Car2go eine Carsharing-Fusion von bis dahin unbekannter Marktmacht auf die Beine gestellt.Gleichzeitig ist die Autowelt in heller Aufregung, Peugeot übernimmt Opel, Renault, Nissan und Mitsubishi bilden eine Auto-Allianz, die angedachte Fusion von Fiat und Chrysler scheiterte erst kurz vor Abschluss. Ein Autoriese wie Ford will bis Ende 2020 in Europa insgesamt 12.000 Stellen streichen und sechs Fabriken schließen. Und VW muss bei seiner (Abgasmanipulations-) Krise schon nach Frankfurt zur Deutschen Bank schauen, wenn es ein noch stärker gerupftes Unternehmen sehen möchte.

 

Der wohl wesentlichste Punkt für eine neue Mobilität ist die abnehmende Autobegeisterung in der Bevölkerung. Speziell den jungen Menschen ist das eigene fz nicht mehr so wichtig und immer weniger können mangels Fahrerlaubnis überhaupt ein Auto steuern. Alle maßgeblichen Mitspieler im Kfz-Geschäft rechnen mit schweren Zeiten und die Popularität des Automobils sinkt.

 

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer erklärt:  "Wir erleben zurzeit, wie die Zukunft der Mobilität rasend schnell gestartet wird: Der Verkehr wird vernetzt, der Siegeszug alternativer Antriebe hat begonnen. Dank selbstfahrender Autos bleiben wir künftig bis ins hohe Alter mobil. Selbst Flugtaxen sind keine Utopie mehr, sondern bald Realität. Damit ist klar: In den kommenden fünf bis zehn Jahren wird sich die Mobilität mehr verändern als in vielen Jahrzehnten zuvor.“

 

Trotz all dieser Botschaften glaubt die (deutsche) Versicherungsindustrie weiter fest an das Geschäft.

 

Allianz kauft zu, Huk investiert

 

All die Hiobsbotschaften scheinen die Allianz nicht anzufichten. Die Münchener kauften vor kurzer Zeit im Doppelpack zwei Versicherer in Großbritannien, von denen einer, die Liverpool Victoria Friendly Society, für ihr Kfz-Geschäft bekannt ist. Eine Investition in den Kfz-Markt und dessen Zukunft.

 

Die Huk-Coburg, Kfz-Marktführer hierzulande, hat angekündigt, stärker in Ökosysteme zu investieren, also unter anderem Angebote für Wartung, Reparatur oder Finanzierungen zu entwickeln. Das erfordert Investitionen.

 

Nach Rückzug sieht das nicht aus. Auf die Frage, ob die Unternehmen noch an den Kfz-Markt Glauben, schreiben die Coburger: "Natürlich. Unsere Arbeit dreht sich inzwischen aber nicht mehr allein um die Versicherung. Es geht uns vielmehr darum, ein gesamtes Ökosystem Mobilität anzubieten."

 

Die Allianz Deutschland als Nummer zwei auf dem hiesigen Kfz-Markt schreibt: "Der Individualverkehr wird sich verändern. Aber egal welche Antriebsart oder ob privates oder gemeinschaftlich genutztes Auto, die Fahrzeuge brauchen eine Versicherung." Gleichzeitig wird klargestellt: "Wir gehen von einem weiter leicht wachsenden Markt in den nächsten Jahren aus."

 

An Veränderungen auf dem Markt glauben beide Unternehmen. "Es wird nicht die eine Entwicklung oder die eine Lösung für die Mobilitätsprobleme der Zukunft geben. Technische Entwicklungen werden sich parallel entwickeln, manche davon nach kurzer Zeit wieder vom Markt verschwinden, andere einen nachhaltigen Entwicklungsprozess einleiten", glaubt die Allianz.

 

Nur reine Kfz-Versicherungen will auch die Huk nicht anbieten. "Der Kunde soll automatisch an die Huk-Coburg denken, wenn er mobil sein will." Mit solchen Angeboten will das Unternehmen weiter "organisch wachsen".

 

So wollen die Kfz-Riesen die Zukunft gestalten

 

Beide Unternehmen glauben an die Zukunft der Kfz-Versicherung. Selbstredend arbeiten in den Häusern viele schlaue Köpfe daran, wie das eigene Unternehmen in Zukunft noch erfolgreicher sein kann – und wie dem Hauptkonkurrenten das eine oder andere Prozent Marktanteil stibitzt werden kann.

 

Die Allianz nutzt eine Analogie zur Beschreibung ihres Plans: "Die Strategie der Allianz lässt sich an der neuen Allianz Autoversicherung verdeutlichen: Sie ist einfach, verständlich und wettbewerbsfähig. Marktübliche Kleinstdifferenzierungen zwischen Produktlinien wurden abgeschafft, sodass Kunden im Schadenfall keine negativen Überraschungen erleben."

 

Die Huk-Coburg setzt auf Abgrenzung und Spezialisierung: "Die Frage ist, wer bietet was an. Darüber differenziert man sich. Wir sind bewusst nur im Privatkundengeschäft tätig, nicht im Firmengeschäft. Unser Ansatz knüpft an das Kernprodukt der Huk an und das ist die Autoversicherung für private Kunden. Dazu passt unser Ökosystem: Das heißt Wartungsangebote für die Autos, Reparaturen oder Finanzierungen. Dahin geht die Reise."

 

Hat die Allianz oder Google recht?

 

Ob die Reise wirklich dahingeht oder eine Revolution in der Mobilität bevorsteht, weiß derzeit niemand endgültig. Die beiden größten KFZ-Versicherer im Autoland Deutschland glauben an eine dominierende Rolle des Kfz in der Zukunft.

 

Dass es andere Stimmen gibt und einige der größten Unternehmen weltweit an einer Mobilitätswende arbeiten, ist die andere Seite der Medaille. Das diese Gesellschaften nach der Revolution den Kfz- oder Mobilitätsmarkt geschäftlich prägen wollen, ist selbstredend.

Selbst wenn Allianz und Huk recht haben und der Kfz-Markt in dieser oder abgewandelter Form noch Jahre oder Jahrzehnte bestehen bleibt, ist die Gefahr von Google, Tesla und Co. nicht gebannt. Die Kfz-Versicherung ist aufgrund der einfachen Konzeption des Marktes für einen Einstieg eines versicherungsfremden Neulings dankbar.

Zudem gibt es noch die Autobauer, die bei schwindenden Absatzzahlen andere Geschäftsfelder im KFZ-Markt erschließen möchten und sicherlich einen Blick auf den Versicherungsmarkt werfen werden – Tesla hat das bereits getan.

 

Der Markt ist schon immer sehr umkämpft gewesen und wir wollen unsere Kunden zufriedenstellen, lautet verkürzt die Antwort von Huk und Allianz auf die Herausforderungen des Kfz-Marktes. Wie dieser endgültig aussehen wird, zeigt die Zukunft.

Kfz-Versicherung · Huk-Coburg · Allianz Deutschland
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