Wartezimmer in einer Arztpraxis
Wartezimmer in einer ArztpraxisQuelle: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 
Märkte & Vertrieb

Gut versichert im Wartezimmer

Von Claudius von SoosTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Lebensversicherung, Schaden- und Unfallversicherung, private Krankenversicherung, KfZ-Versicherung - die Bandbreite wie sich die Deutschen im Laufe Ihres Lebens absichern, ist vielseitig. Die Sorge um das eigene Wohl treibt die Anzahl der abgeschlossenen Versicherungsverträge sogar jährlich nach oben. Gute Aussichten für Versicherungsanbieter sollte man meinen. Allerdings hat sich das Geschäftsmodell in der Branche in den letzten Jahren massiv gewandelt.
Nicht mehr allein der Versicherungsvertreter überzeugt den Kunden im persönlichen Einzelgespräch von einer Versicherung. In Zeiten von Internet und allumfänglicher Verfügbarkeit präsentieren sich Anbieter mit Ihren Produkten und Services gleich selbst beim Kunden und ganz nebenbei im Alltag. So kommt der Vertrag heute immer häufiger ohne Mittler per Mausklick

Kommunikationskanäle auf dem Prüfstand 

Die neue Nähe zur Zielgruppe veranlasst die Versicherungsbranche auch in Ihrer Kommunikation neue Wege einzuschlagen. Eine individuelle Ansprache, emotionale Imagefilme sowie eine schnelle Vermittlung der Produktversprechen bestimmen moderne Versicherungskampagnen. Aber nicht nur Inhalte und die Kreation sind auf den Direktvertrieb gepolt, auch die Auswahl der Kanäle wird viel enger an den Lebensrhythmus der Kunden angepasst. Dabei rücken neue Medien in den Fokus, so etwa digitale Out-of-Home-Angebote, die in den letzten Jahren sprunghaft gewachsen sind.

 

Bestes Beispiel dafür ist der Healthcare-Sender TV-Wartezimmer, der seine Netto-Mediaumsätze 2018 um 90 Prozent auf zwei Millionen Euro steigern konnte. Das Medium für Patienten ist zum beliebten Werbeumfeld geworden und profitiert vor allem von den Investitionen der Versicherungsbranche. Jakob Muziol, Leiter Marketing, erklärt: "Wir suchen die Nähe zu potentiellen Neukunden. Im Wartezimmer gibt es nicht viel Ablenkung, die wartenden Patienten sind offen für unsere Angebote und wir können Produkte optimal nach dem ärztlichen Umfeld und der Zielgruppe aussteuern."   

 
 
Im Fall des Versicherungskonzerns Arag wurde im Sommer 2018 für eine neue Generation der Zahnzusatzversicherung geworben. Im Fokus standen dabei spezielle Leistungen, von denen Angstpatienten profitieren. Täglich waren die 15-sekündigen Spots bundesweit bei Zahnärzten mindestens einmal pro Stunde zu sehen. Monatlich generierte die Botschaft mehr als sechs Millionen Kontakte. Verantwortlich für die Mediaplanung und Kreation zeichnete die Agentur Fluent AG. Andreas Bahr, Vorstand Fluent, bestätigte, dass das Ziel der Kampagne Impactsteigerung gewesen sei und man sich sehr stark an den lebens- und produktrelevanten Touchpoints der Zielgruppe orientiert hätte. TV-Wartezimmer sei als Kommunikations-Kanal deshalb gleich in die engere Wahl gekommen, denn aus seiner Sicht gäbe es kaum eine bessere Nutzungssituation. 

Den direkten Hub ins Netz nutzen 

"Opa liebt mich, auch wenn er mich vergisst", "Pflege #vorbessern. Auch bei Stoffwechselstörungen" oder "Ihr schönstes Bauchgefühl – Extras für Schwangere", das sind Motive der AOK Bayern, der AOK Nordwest oder der AOK RheinlandPfalz/Saarland, die regelmäßig auf TV-Wartezimmer werben. Eines eint die Kampagnen: Alle Spots weisen direkt auf die Webseite des Anbieters oder sogar konkret auf eine Serviceseite im Netz hin, so dass Interessenten sich ausführlicher informieren und im besten Fall den richtigen Ansprechpartner gleich kontaktieren können. Dieses Prinzip führt dazu, dass TV-Wartezimmer einen direkten Hub ins Netz bietet. Nicht selten passiert dieser wichtige Schritt entlang der Customer Journey unmittelbar in der Wartesituation.  


Für 2019 erwartet die gesamte Branche ein stabiles Beitragswachstum von etwa zwei Prozent. Ein Trend, der sich auch in diesem Jahr fortsetzt, ist die steigende Komplexität der Versicherungsprodukte. Das prophezeite auch Julian Teicke, der CEO des Insurtechs Wefox, zu dessen Unternehmensgruppe der Digitalversicherer One gehört, im letzten Herbst auf der Leitmesse für die Finanz- und Versicherungsbranche DKM in Dortmund. Vor allem kombinierte Produkte, die unterschiedlichsten situationsbedingten Versicherungsschutz für ein kurzes Zeitfenster abdecken, würden in Zukunft eine immer größere Rolle spielen, erklärte Teicke. 

Situative Versicherungsaspekte im seriösen Umfeld vermitteln 

Diese Herausforderung spiegelt sich auch in folgenden Kampagnen wider. Der BKK VerbundPlus warb so beispielsweise Anfang des Jahres auf TV-Wartezimmer für die Seite www.zahnfee-date.de. Hier wird nicht nur das allgemeine Angebot der Zahnkasse angepriesen, auch situative Versicherungsaspekte wie etwa ein schneller Kostencheck für Zahnersatz per WhatsApp für eine kostenfreie Zweitmeinung erleichtern potentiellen Neukunden die Entscheidung für einen Anbieter. Die PronovaBKK positionierte sich hingegen 2018 einen Monat lang bei Patienten im Wartezimmer von Gynäkologen oder Kinderärzten als Familienkasse und sprach damit insbesondere werdende Mütter und Familien an.  

 


Die 30-sekündigen Spots profitierten nicht nur von der passgenauen Zielgruppe, das Umfeld "Wartezimmer" wurde zudem als seriös und vertrauensvoll empfunden. Dieser Wohlfühlfaktor wird durch die Programmauswahl von TV-Wartezimmer verstärkt. Zugeschnitten auf das jeweilige Praxisumfeld besteht das Programm aus eigenproduzierten Patienteninformationen, Praxis-Präsentationen sowie einem bunten Unterhaltungsmix renommierter Medien und Programm-Zulieferer, in dem die Werbung mehrfach stündlich eingespielt wird. Seit 15 Jahren ist der Sender nun bereits on Air und mit mehr als 7.000 installierten Systemen in deutschsprachigen Arztpraxen und Kliniken Marktführer für modernste audiovisuelle Arzt-Patientenkommunikation im Wartebereich. Mehr als sieben Millionen Patienten pro Monat nutzen das vielseitige Angebot und lassen sich so die Wartezeit verkürzen.  


Jakob Muziol bekräftigt: "Wir müssen unsere Kommunikationswege immer wieder neu überdenken. Es gibt nicht mehr DIE Standardkanäle, mit denen wir potenzielle Neukunden erreichen. Vielmehr geht es um die punktgenaue Ansprache an relevanten Touchpoints im Alltag der Menschen – wie zum Beispiel im Wartezimmer."

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