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Köpfe & Positionen

Guido Bader: "Wir sind kein Lobbyverband der Versicherungswirtschaft"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) Guido Bader will die Bekanntheit der DAV steigern und sich dabei auch von der Versicherungswirtschaft emanzipieren, wie er in einem Interview erklärt. Von einer Politisierung von Solvency II warnt er.

Die Marschrichtung Baders ist klar, mutig und emanzipiert nach vorne: "Für die kommenden Jahre ist es unser Ziel, den Bekanntheitsgrad der DAV weiter zu steigern und uns noch stärker als bisher als unabhängige Fachvereinigung zu positionieren." Die DAV und ihre Mitglieder wären "längst in der Politik und auch in der Öffentlichkeit gefragte Gesprächspartner". Bader wünscht sich allerdings, dass die "einzigartige Expertise" der Aktuare künftig noch öfter nachgefragt wird, erklärte er gegenüber Aktuar Aktuell.

 

Ein weiteres großes Themenfeld für die Zukunft wird das Thema Altersvorsorge sein. Die DAV könne und wolle einen entscheidenden Beitrag leisten, um die Diskussion über die Zukunft des Rentensystems zu versachlichen. Diese werde derzeit von zu vielen Emotionen und von zu wenigen Fakten getrieben. Bader stellt klar: "Wir werden gegenüber der Politik keine generellen Präferenzen für die gesetzliche, betriebliche oder private Altersvorsorge vertreten. Am Ende bleibt die Zukunft der Altersvorsorge eine politische Entscheidung."

 

Solvency II, die unendliche Geschichte

 

Bader sorgt sich, dass die Richtlinie Solvency II politisch unterlaufen werden könnte. "Wir sehen als DAV derzeit die große Gefahr, dass Solvency II genutzt werden soll, um mit nicht mehr risikoorientierten Ansätzen übergeordnete politische Ziele vor allem in den unbestreitbar wichtigen Bereichen Nachhaltigkeit und Klimawandel zu erreichen."

 

Es mache aus aktuarieller Sicht überhaupt keinen Sinn, Risiken genau zu messen, bestimmte nachhaltige Kapitalanlagen dann aber unabhängig vom Risikogehalt zu fördern, weil es "gesellschaftlich beziehungsweise politisch opportun ist". Das stehe im diametralen Widerspruch zum Grundgedanken von Solvency II und könne langfristig auch nicht "im Interesse der Bürgerinnen und Bürger sein".

 

Bader stellt klar: "Risikobasierte Systeme müssen risikobasiert bleiben und dürfen nicht anderen politischen Zielen untergeordnet werden."

 

Die aktuelle Ausgabe von Aktuar Aktuell inklusive des Interviews mit Herr Bader finden Sie HIER.

Aktuare · Guido Bader · Solvency II
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