Porsche Cayenne als autonomes Fahrzeug umgerüstet
Porsche Cayenne als autonomes Fahrzeug umgerüstetQuelle: MV
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Große Fortschritte von autonomer Mobilität in Karlsruhe – Hacker, Hitze und zu viel Schatten als Gefahren

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das autonome Fahren ist im Ländle Chefsache. Wenn die Initiatoren des Testfeldes Autonomes Fahren Baden-Württemberg (TAF BW) in Karlsruhe zur Präsentation der Fortschritte im Bereich autonomer Mobilität rufen, kommen die Großen aus Politik und Forschung. Es gab viel zu sehen und lernen. Mittendrin die Badische Versicherung (BGV) als Versicherer des Projektes. 

Der Verkehrsminister des Bundeslandes Baden-Württemberg, Winfried Hermann, und der Oberbürgermeister der Stadt Frank Mentrup waren nur einige der prominenten Teilnehmer. Ihnen und dem Publikum konnte der Leiter des Testfeld-Konsortiums, Professor Marius Zöllner, Erstaunliches präsentieren. Vor Ort war in Form ihres Vorstandsvorsitzenden Edgar Bohn auch der Versicherer des Projektes, die Badische Gemeindeversicherung (BGV).

 

Die Risiken eines einmaligen Projektes wie dem autonomen Fahren ist der Sache nach nicht kalkulierbar, dementsprechend hoch ist das Risiko. Doch Bohn erklärte, dass die Versicherungswirtschaft bei zukunftsrelevanten Projekten mitarbeiten und fördern muss.

Edgar Bohn hat sich im Publkum versteckt, doch VWheute hat ihn entdeckt
Edgar Bohn hat sich im Publkum versteckt, doch VWheute hat ihn entdecktQuelle: MV

Viel zu regulieren gab es bisher allerdings nicht, wie Michael Decker, Professor für Technikfolgenabschätzung und Leiter des Bereichs Informatik, am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erklärte. Ihm seinen bisher keine Unfälle bekannt.

 

Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Probleme mit dem mobilen Fahren gelöst worden sind. Zwar wurde laut Decker die Kommunikation des autonomen Fahrzeuges mit der Umwelt verbessert, beispielsweise mit sensorlosen Fußgängern oder Fahrradfahrern, aber es sei noch viel zu tun. Wichtig ist dabei nicht nur, dass das Fahrzeug die Fußgänger erkennt, sondern auch, dass diese selbst mit dem Auto kommunizieren können. Die Fahrzeuge haben unter andrem dafür eine Laserrundumsicht, eine Fülle von Sensoren und Radar.

Sensoren auf Autodach eines autonomen Fahrzeugs sorgen für Rundumblick
Sensoren auf Autodach eines autonomen Fahrzeugs sorgen für RundumblickQuelle: MV

Selbstlernendes System unter Aufsicht

In der Versicherungswirtschaft sind selbstlernende KI-Systeme mittlerweile nicht mehr so selten, beispielsweise beim Roboadvisor. Beim autonomen Fahren ist die Selbstschulung der Autos zwar gewünscht, doch nur unter Aufsicht.

 

Aus welchen Daten am Ende Lehren gezogen werden, muss aus Sicherheitsgründen in der Hand der Forscher nicht der Technik bleiben, erklärt Decker. Nicht jeder betrunkene Fahrradfahrer und seine Eskapaden taugen dem System als Lernmotiv, das bereits in Karlsruhe eingesetzt wird, wie Sie HIER in einem Video sehen können.

 

Überhaupt können selbst die entwickelten Systeme menschliches Verhalten nicht vorhersehen. Die Technik erkennt allerdings bereits jetzt Situationen, in denen unvorhergesehene Dinge geschehen können, beispielsweise Schülergruppen am Straßenrand.

Blick auf das Display während der Fahrt im autonomen Auto. Strecke und andere Verkehrsteilnehmer werden digital angezeigt.
Blick auf das Display während der Fahrt im autonomen Auto. Strecke und andere Verkehrsteilnehmer werden digital angezeigt.Quelle: mv

Das Verhalten des Autos wird dann vorher angepasst, beispielsweise mittel Reduktion der Geschwindigkeit, erklärt ein Mitarbeiter des KIT während der autonomen Fahrt.

Fahrt im automen Auto. Das Lenkrad dreht sich, der Fahrer har die Hände auf den Beinen.
Fahrt im automen Auto. Das Lenkrad dreht sich, der Fahrer har die Hände auf den Beinen.Quelle: MV

Seit der letzten Präsentation vor zwei Jahren wurden in allen Bereichen des autonomen Fahrens Fortschritte erzielt, insbesondere bei der Kommunikation des Autos mit Dritten, seien die sensorbesetzt oder nicht, erklärten unisono alle am Projekt Beteiligten.

 

Wie überall ist auch der Schutz vor Cyberangriffen ein wesentliches Element der Arbeit. Würde ein Hacker herausfinden, wie das System im autonomen Auto funktioniert, könnte das Erfassungssystem getäuscht und dadurch manipuliert werden, erklärt Decker. Wer mehr über die Technik des autonomen Fahrens lernen möchte, dem sei dieses kurze Video empfohlen.

 

Hitze und Schatten

 

Es benötigt allerdings derzeit noch keine Hacker, um das System vor gewaltige Aufgaben zu stellen. Ungünstige Licht- und Schattenverhältnisse oder die extreme Hitze der letzten Wochen genügen bereits, damit nicht alle Technik einwandfrei funktioniert. Das gilt sowohl für Rechner im inneren des Autos wie auch für Sensoren an Lichtanlagen oder ähnlichem, erklärt ein Mitarbeiter des KIT.

Rechner in einem autonomen Fahrzeug, mitunter hitzeempfindlich
Rechner in einem autonomen Fahrzeug, mitunter hitzeempfindlichQuelle: MV

Wenn die Datenerfassung und -Austausch eingeschränkt oder ausfällt, ist das für das autonome Fahrzeug eine kritische Situation. Ist in solch einer Lage eine Vollbremsung notwendig oder ist es ausreichend, die Geschwindigkeit zu reduzieren, um die Insassen und andere Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden? Mitunter eine Sekundenentscheidung, die die Technik lösen muss. Die Situationen sind selten, aber bei 47 Millionen PKW und zig Milliarden gefahrener Kilometer wohl auch keine absolute Seltenheit.

 

Autonom ist Zukunft

 

Das autonome Fahren ist insbesondere für den öffentlichen Nahverkehr zukunftsweisend, wie Verkehrsminister Hermann in seiner Rede erklärte. "Technologie muss im Einklang zu Menschen und Natur stehen, fasst er zusammen. Den Kritikern der neuen Technik hielt er entgegen, dass es noch nie funktioniert habe, die Zeit anzuhalten, um Arbeitsplätze zu sichern. "Wir brauchen Fortschritt", erklärte er vor der Zuhörerschaft im vollbesetzten House of Living Labs des FZI in Karlsruhe.

Winfried Hermann während seiner Rede
Winfried Hermann während seiner RedeQuelle: MV

Bei einem Zuwachs der Bevölkerung von vier bis fünf Prozent und zusätzlich vielen Pendlern sei die Entwicklung von mobilen Lösungen ausschlaggebend dafür, den Verkehr in der Stadt Karlsruhe am Laufen zu halten, erklärte Oberbürgermeister Mentrup. Einen Vorgeschmack auf die mobilen Lösungen gaben die vom Hersteller Easymile vorgeführten elektrisch betriebenen Mini-Busse.

E-Bus, autonom und elektrisch
E-Bus, autonom und elektrischQuelle: KIT

Drei der Busse werden ab Anfang 2020 auf dem TAF BW unterwegs sein. Das Interieur wirkt mit den hölzernen Elementen einfach aber geräumig, der Bus selbst schnittig.

E-Bus von innen, viel Holz, viel Platz
E-Bus von innen, viel Holz, viel PlatzQuelle: MV

Damit das Konzept autonomes Fahren auch in der Gesellschaft verankert wird, sei es laut dem Verkehrsminister wichtig, die Bürger über Informationsveranstaltungen und Projekte mit einzubeziehen. Er ist zuversichtlich, dass "die Akzeptanz in der Bevölkerung zunehmen wird".

 

Dabei wollen auch andere Partner aus der Wirtschaft wie Porsche oder die BGV helfen. Denn auch für die Zukunft muss mitgearbeitet und gefördert werden, wie Bohn zuvor bereits richtig feststellte.  

KIT · BGV · Autonome Busse · autonomes Fahrzeug · Mobilität · Zukunftsstrategie
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