Johannes Behrends (Aon), Rolf Gierhard (Link11 GmbH), Moderator Marc Surminski, Vincent Schwarz (Cleverbridge AG) und Manuel Metz (W. R. Berkley Europe AG) (v.r.n.l.)
Johannes Behrends (Aon), Rolf Gierhard (Link11 GmbH), Moderator Marc Surminski, Vincent Schwarz (Cleverbridge AG) und Manuel Metz (W. R. Berkley Europe AG) (v.r.n.l.)Quelle: lie
Märkte & Vertrieb

Ernüchterung im Cyber-Markt

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nach der Goldgräberstimmung sind deutsche Versicherer bei Cyberrisiken offenbar zurückhaltender geworden. "Jetzt, wo die Nachfrage der Kunden da ist, sind die Versicherer restriktiver geworden, haben teils sogar ihre Kapazitäten eingeschränkt. 2019 hat sich dies zwar wieder etwas entspannt. Die Explosion der Abschlüsse aber bleibt aus – obwohl die Kunden wollen", berichtete Johannes Behrends, Head of Specialty Cyber beim Makler Aon, auf der Euroforum-Konferenz "Cyber Insurance". Hätten sich die Versicherer 2011 noch unterboten und intensiv um Kunden geworben, habe sich die Prämie nach den ersten, größeren Schadenfällen im Markt teilweise verdoppelt. Zudem würden den Kunden sehr viel mehr Informationen abverlangt.

Zuvor hatten Lutz Torbohm, Geschäftsführer der SMS Insurance GmbH, Sabine Pawig-Sander, geschäftsführende Gesellschafterin der Erichsen GmbH, und Vincent Schwarz, Director of Global Compliance & Information Security, des E-Commerce-Unternehmens Cleverbridge AG über ihre Erfahrungen mit der Eindeckung von Cyber-Risiken berichtet. Ihr Tenor: Die Versicherer fragten (zu) viel, verstünden die Geschäftsmodelle ihrer Kunden nicht, honorierten keine Schadenprävention – und gäben oftmals keine Quotierung für Risiken ab.

 

Besonders Kurioses berichtete Schwarz von Cleverbridge, die für digitale Waren-, Dienstleistungs- und Software as a Service-Unternehmen globale Handels-, Abrechnungs- und Zahlungslösungen erstellt. Von zehn vom beauftragten Makler angefragten Versicherern habe nur einer eine Quotierung abgegeben und ein weiterer nach zusätzlichen Informationen gefragt. In den USA hatte Cleverbridge bereits eine Tochtergesellschaft gegen Cyber-Risiken versichert. Der dortige Makler habe die deutschen Aktivitäten dann über einen US-Versicherer preislich günstiger mit weniger Ausschlüssen versichert. Der Clou: Die deutsche Tochter des US-Versicherers hatte das Risiko Cleverbridge zuvor abgelehnt.

 

Von zehn zur Quotierung aufgeforderten Versicherern hat die SMS-Gruppe von zweien kein Angebot erhalten und von vier weiteren nur eines für die XS-Position. Eine Grunddeckung, für die sich die Gruppe inzwischen entschieden hat, bekam sie nur von vier Gesellschaften. "Man hat unsere guten Unterlagen gelobt, aber alle haben über das von uns zur Verfügung gestellte Material noch weitere Infos gebraucht. Dabei war in den Fragen keine Konsistenz. Unsere IT-Leute fanden sie teilsweise auch komisch", so der SMS-Risikomanager Torbohm. In ihren Policen hätten die Versicherer oft Sachverhalte definiert, die wie rechtliche Wirksamkeit eigentlich unstrittig seien.

 

"Es gab Policen mit 40 Definitionen, oft mehrere Seiten lang", sagte er. In der Regel seien Ansprüche durch Produkte und Leistungen der SMS bei den Kunden der Kunden nicht versichert gewesen. Dies sei für SMS, die ihren Kunden eigene Software in den Anlagen liefert, aber wichtig. Dafür hätten die Policen oft Deckungsbausteine enthalten, die über anderen Sparten bereits mitgedeckt gewesen wären.

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