100 Millionen Euro Anlegerskandal um EN Storage, auch Zurich Deutschland betroffen
100 Millionen Euro Anlegerskandal um EN Storage, auch Zurich Deutschland betroffenQuelle: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 
Schlaglicht

100 Millionen Euro Anlegerskandal um EN Storage trifft auch Zurich Deutschland

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug". Das sagte einst der Philosoph Epikur und lieferte damit die perfekte Einleitung für jeden Anlegerskandal. Ein solcher ereignete sich im Ländle, beteiligt sind EN Storage, ein vermeintlich betrügender Wirtschaftsprüfer, die Zurich Deutschland und viele Juristen. Vorhang auf für den angeblich "größten Fall von Kleinanlegerbetrug in der Geschichte Baden-Württembergs".

Im Zentrum steht das ehemalige Unternehmen EN Storage, das über Jahre ein Schneeballsystem betrieben hat, wie die Stuttgarter Zeitung schreibt. Die Anlegergelder, im Laufe der Jahre wohl dreistellige Millionenbeträge, wurden nicht wie versprochen in den Kauf und die Vermietung von Datenservern gesteckt, sondern für die Auszahlung der neuen Anleger verwendet. Natürlich blieb ein großer Teil bei den Betreibern dieses Betrugssystems hängen.

 

Das sind der ehemalige Geschäftsführer des Unternehmens, dessen Frau, zugleich Buchhalter- und Steuerberater des Unternehmens, wie der technische Geschäftsführer Edvin Novalic. Der Prozess ist mittlerweile abgeschlossen, Novalic erhielt als treibende Kraft knapp acht Jahre Haft, die im Prozess geständige Buchhalterin zwei Jahre auf Bewährung, ihr Mann verstarb während der Haft auf natürliche Weise.

 

Bleiben die geprellten Anleger, die in nicht geringer Zahl vorhanden sind. Laut Insolvenzverwalter Holger Leichtle sind 8.500 Anleger betroffen, die Kauf- und Überlassungsverträge über sogenannte "Storage-Systeme" im Wert von insgesamt circa 63 Mio. Euro abgeschlossen hatten. Der Insolvenzverwalter beziffert den Gesamtschaden auf rund 95 Millionen Euro. Von dem Geld soll nichts mehr übrig sein, es wurden mehrmals "sechsstellige Geldbeträgen" im Kofferraum außer Landes geschafft.

 

Zurich mitten im Strudel

 

Gegen rund ein Dutzend von Mittätern ermittelt die Staatsanwaltschaft auch nach Beendigung des Hauptprozesses. "Weitere Anklagen sind zu erwarten", erklärte der Richter Hans-Jürgen Wenzle. Mehrfach erwähnt wurde vom Richter der ehemalige Wirtschaftsprüfer des Unternehmens, ein Herr Rolf B. Und an dieser Stelle kommt die Zurich Deutschland ins Spiel.

Der Wirtschaftsprüfer, laut Zeitung bei der Zurich geschäftlich versichert, hatte EN Storage "glänzende Geschäfte bescheinigt", und den Anlegern beglaubigt, dass ihr Geld "vertragsgemäß investiert worden" sei. 

 

An dieser Stelle wird die Geschichte etwas wirr. Die Stuttgarter Zeitung schreibt, dass sich die Zurich weigert, "den gerichtlich festgestellten Schaden zu übernehmen" und die Kanzlei von B. die Versicherung daraufhin verklagte. Im Fall eines Lehrerehepaares sei die Zurich "tatsächlich bereits verurteilt worden, den Schadenersatz zu zahlen".

 

Da offenbar zwischen Anleger und Zurich kein Vertragsverhältnis bestand, bleibt nur der Schluss, dass der Wirtschaftsprüfer B. zu Schadenersatz verurteilt wurde und diese Forderung an die Zurich weitergab.

 

Laut Zeitung habe "die Versicherung nicht überwiesen, sondern versucht, ebenfalls in zweiter Instanz das Urteil zu kippen". Die Zurich Deutschland selbst wollte sich auf Anfrage von VWheute keine Auskunft geben, "da es sich um ein laufendes Verfahren" handele.

 

Der Versicherer hat für die Verweigerung der Zahlung aber offenbar allen Grund. Laut Zeugenaussagen hatte B. bei den betrügerischen Geschäften von EN Storage "den Hut auf" und bei Betrug wäre der Versicherer leistungsfrei. Der Fall bleibt somit spannend.

Zurich Deutschland · Anleger · Millionenbetrug
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