Auto nach Unfall (Symbolbild)
Auto nach Unfall (Symbolbild)Quelle: Bild von Netto Figueiredo auf Pixabay 
Politik & Regulierung

Allianz bezahlt Monate nach Dashcam-Todesfahrt

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wurde der öffentliche Druck für die Allianz zu groß? Wenige Tage nach einem Bild-Bericht über einen tödlichen Autounfall, der per Dashcam aufgezeichnet wurde, hat die Allianz eingelenkt und bezahlt. Das behauptet zumindest das Boulevardblatt. Doch auch die Allianz hat dazu eine Meinung.

Das Unglück liegt bereits einige Zeit zurück. Am 8. Februar dieses Jahres war Frau W. (59) mit ihrer Tochter auf dem Weg von Berlin-Lichtenberg ins polnische Moryn, als es auf der Landstraße 33 zum tödlichen Unfall kam. Die beiden Frauen wollten einen Audi überholen, der während des Überholvorgangs ausscherte und den Skoda der Frauen an einen Baum drängte. Beide verstarben, gegen den Fahrer wird unter dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung ermittelt.

 

Die Allianz als Versicherer des Audifahrers hätte sich bisher geweigert, "die Bilder aus der Dashcam für ihre Zahlungen zur Klärung der Unfallursache zu akzeptieren". Die Münchener hätten der Opfer-Familien "keinen einzigen Cent überwiesen". Angeblich änderte sich die Ansicht des Versicherers, als die Bild sich einmischte und berichtete, behauptet zumindest das Boulevardblatt in aller Bescheidenheit von sich. Der Anwalt der Geschädigten, Radoslaw Niecko, erklärte demnach: "Der Vorgesetzte des Sachbearbeiters, der in dem Fall so vehement auf die Einhaltung des Datenschutzes gepocht hat, rief mich gestern im Büro an und stellte klar: Natürlich zahlen wir einen Vorschuss für die Hinterbliebenen Ihrer Mandanten. In Höhe von je 50.000 Euro."

 

Das sagt die Allianz

 

Nicht das VWheute Zweifel an der Aufrichtigkeit des Berichtes der Kollegen hätte, aber eine Nachfrage erschien zweckmäßig. Die Allianz schreibt: "Wir sind in Kontakt mit dem Anwalt der Hinterbliebenen, haben den Vorschuss gezahlt und die Haftung voll anerkannt. Wir bedauern die entstandenen Verzögerungen bei der Schadenregulierung. Durch die aktuelle Prüfung mussten wir feststellen, dass wir schon früher hätten regulieren können - auch ohne die Videoauswertung. Das tut uns sehr leid. Auch, dass wir die Familie durch die Wartezeit zusätzlich belastet haben. Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen. Grundsätzlich prüfen wir jeden Einzelfall und entscheiden nach der konkreten Sachlage. Dabei spielen unterschiedlichste Beweismittel eine Rolle wie Zeugenaussagen, Gutachteraussagen, Polizeiberichte und grundsätzlich auch Videoaufnahmen."

Allianz Deutschland · Kfz-Schadenregulierung · Dashcam
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