Berlin - Sitz von Friday, Finleap, Wefox und Omnius
Berlin - Sitz von Friday, Finleap, Wefox und OmniusQuelle: Bild von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay 
Schlaglicht

"Wir können die Männerdominanz in der Tech-Branche ändern"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Berliner Insurtech-Welt ist international und männerdominiert. Das gilt insbesondere im sogenannten Tech- und IT-Bereich. Die Internationalität in Berlin ist gewünscht, die Männerdominanz soll durch begabte Frauen aufgebrochen werden. Ein Porträt über Berlin, Insurtech, Frauen und die Gesellschaft.

"Das bringt eine wunderbare Vielfalt in unser Leben" schreibt Wefox galant auf die Frage, in wie weit die 240 Mitarbeiter aus 25 Nationen ihre Arbeit bereichern. Bei Finleap entstammen die 800 Mitarbeiter 60 Nationen, bei Friday ist mehr als ein Drittel der 60 Angestellten international, bei Omnius (70) fast die Hälfte.

 

Alle Unternehmen sind sich einig, dass die Internationalität für die Arbeit und den Erfolg des Unternehmens einen wesentlichen Faktor darstellt, auch wenn die "Kommunikation manchmal etwas herausfordernd ist".

 

Alles sind sich einig, dass die Internationalität dem Unternehmen hilft. "Die Bereicherung spiegelt sich im Innovationsgrad, Markenidentifikation, der Arbeitsatmosphäre und dem Gestaltungsdrang wider", schreibt Friday stellvertretend.

 

Deutsche IT-Talente sind wie Brunnen in der Wüste

 

Genau so einig wie in der Bejahung der Internationalität sind sich Friday, Wefox, Omnius und Finleap bei der Frage, dass die Anwerbung von neuem Talent schwierig ist. Deutsche Kräfte reichen nicht aus, um den stetig wachsenden Bedarf zu stillen.

 

"In Deutschland finden wir leider nicht ausreichend qualifizierte Mitarbeiter", schreibt Omnius. Ein Satz der für (fast) alle befragten Unternehmen steht, die bei der Rekrutierung längst international arbeiten. Wefox sieht "viele deutsche Spezialisten", die allerdings direkt nach dem Abschluss "irgendwo unter Vertrag stehen"

 

Die Strategien für die Talentanwerbung sind vielfältig, Finleap fördert Schüler und betreibt eine Hochschulstrategie, Wefox hat eine Rekrutierungsoffensive gestartet. Einen KI-Hub für Datenwissenschaftler aus aller Welt hat Omnius aufgebaut. Friday setzt bei der Anwerbung fast ausschließlich auf das Ausland, 90 Prozent der Bewerbungen für IT-relevanten Vakanzen erreichen das Unternehmen mittlerweile aus dem Ausland.

 

Gesucht, die neue Ada Lovelace

 

In Deutschland gibt es zu wenige IT-Kräfte und die Branche ist fast ausschließlich männlich besetzt. Welcher Schluss muss aus diesen Tatsachen getroffen werden? Richtig, mehr Mädchen und Frauen müssen für den vielfältigen IT-Bereich gewonnen werden.

 

Carolin Gabor, Chief Commercial Officer bei Finleap, hat im langen Gespräch mit VWheute bereits deutlich gemacht, dass ihr die Förderung von Frauen sehr am Herzen liegt. Sie hat die Initiative Fintexx Women gegründet, eine Vereinigung, die Frauen in der Technologie und Finanzbranche fördern und vernetzen möchte.

 

Das Grundproblem ist aber weniger mangelnde Vernetzung, sondern ein veraltetes Frauenbild. "Eine Antwort zementiert sich auch heute noch oft in geschlechtstypische Rollenklischees. Die Annahme, dass Mädchen in Sprachen und in Kommunikation gut sind und dafür Mathe und Naturwissenschaften nicht so gut können, redet man Mädchen schon ab dem Kindergarten ein", erklärt Gabor. So fehle dann auch "schnell der Spaß an solchen Themen", was sich dann "bis in die Wahl des Studiums und letztlich bis in die Berufswahl zieht."

 

Unterstütz wird sie in ihrer Ansicht von Sofie Quidenus Wahlforss, CEO von Omnius: "In der IT ist das ähnlich wie in anderen technischen Berufen. Mädchen wird hier immer noch zu häufig direkt oder indirekt vermittelt, das ist etwas naturwissenschaftlich Mathematisches. Das können Jungs besser." Das ist natürlich Quatsch, aber es bleibt hängen."

 

Eigentlich unglaublich, dass im 21. Jahrhundert noch (teilweise) ein solches Denken vorherrscht. Wäre es nicht so traurig-tragisch, müsste man darüber lachen.

 

Die Lösung – oder zumindest ein Teil davon

 

Aller vier Unternehmen haben den Frauenmangel erkannt und gehen dagegen vor. Wefox, 20 Prozent Frauenanteil im Berliner Tech-Team, will das Thema aktiv angehen und fördert "Vielfalt und Integration". Zudem möchte das Unternehmen die Zahl der Frauen in den Bereichen Versicherung und Tech weiter erhöhen und setzt dabei unter anderem auf die Teilnahme an Fachmessen.

 

Frau Gabor will die Frauen besser untereinander vernetzten und für mehr Sichtbarkeit und Networking-Möglichkeiten sorgen. Es braucht einfach auch starken Support untereinander und starke weibliche Rollenbilder", erklärt sie. Die Förderung von IT-Fähigkeiten in der Schule unterstützt sie ebenso wie Frau Quidenus Wahlforss.

 

"Ich würde Programmieren als Schulfach einführen, wie eine zweite Fremdsprache. Dann können die Schülerinnen selbst herausfinden, ob ihnen das liegt. Und nebenbei würde es den Jungs sicher auch helfen auf dem Weg in den IT-Bereich", erklärt die Omnius-CEO.

 

Einen anderen Förderansatz hat Friday. Das Unternehmen ist sich sicher, dass das Aufzeigen und die Entwicklung der Vielfältigkeit von IT-Fachstellen helfen würde, denn bei kaum einem anderen Berufsbild sei "der Begriff 'Entwickler' so multiplex".

 

Das Schlusswort gehört Wefox, dürfte allerdings für alle vier Berliner Insurtechs gelten. "Wir erkennen, dass der der IT/Tech-Beruf traditionell männlich dominiert ist. Wir glauben jedoch, dass wir dies ändern können."

Friday · Finleap · Wefox · Omnius · Frauenquote · Frauenanteil · InSurTechs
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