Hermann Hübner, Vorstandsvorsitzender der VEMA
Hermann Hübner, Vorstandsvorsitzender der VEMAQuelle: VEMA
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VEMA-Chef Hübner: "Diese Limonade hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Vor wenigen Tagen hatte der US-Onlineversicherer Lemonade angekündigt, nun auch in den deutschen Versicherungsmarkt einsteigen zu wollen - VWheute berichtete. Geplant ist dabei zunächst der Vertrieb einer Privathaftpflicht und einer Hausratversicherung als Bündelpolice.Dabei stoßen die Pläne des US-Insurtechs wohl nicht nur auf ungeteilte Freude. "Was neben dem nach außen gern zur Schau gestellten locker-flockigem Auftreten auffällt: Der Schutz ist ziemlich billig", glaubt VEMA-Vorstandschef Hermann Hübner.
"Beginnen wir mit der sehr unüblichen Beschränkung der maximalen Schadenerstattung von 2.000 Euro pro Gegenstand in der Hausratversicherung. Teurere Dinge, wie etwa ein hochwertiges Sofa, müssen extra eingeschlossen und vom Lemonade-Team genehmigt werden. Die Hausratversicherung sieht aber noch einige weitere Einschränkungen des Versicherungsschutzes vor. Hier einige Beispiele: Bargeld in der Wohnung ist nicht mitversichert. Gegenstände an Orten, die nicht zum Versicherungsort zählen, z. B. ein Rasenmäher im Gartenhaus, sind nicht mitversichert. Geborgte Gegenstände, wie etwa die Kreissäge des Nachbarn, sind nicht mitversichert", kommentiert Hübner das Hausrat-Angebot von Lemonade.   Kein gutes Haar lässt der VEMA-Chef indes auch an der Privathaftpflichtversicherung von Lemonade. So habe man es "mit Schutz zu tun, der ganz deutlich unter dem liegt, was als marktüblich bezeichnet werden darf: Schäden, die durch Haustiere verursacht werden, sind nicht versichert. Schäden, die mit Booten (auch kleinen) verursacht werden, sind nicht  versichert. Schäden, die mit Drohnen oder Fluggeräten wie Modellflugzeugen verursacht werden, sind nicht versichert". Kurzum: "Allein mit den aufgezählten Ausschlüssen entfernt sich Lemonade stark von dem, was am deutschen Versicherungsmarkt als normal angesehen werden darf. Nun wird es für Kunden, die nicht vom Versicherungsfach sind, sicherlich noch möglich sein, diese klaren Ausschlüsse mit dem gelebten Alltag abzugleichen (sofern sie überhaupt auffallen); problematischer wird es mit Ausschlüssen, die nicht sofort ins Auge springen und in viel Text versteckt sind."   Vielmehr sollte eine Versicherung "ein gutes Gefühl vermitteln, ein Gefühl, dass zumindest finanziell alles gut wird, wenn es denn mal „kracht“. Und zahlen muss sie dann natürlich auch. Dafür braucht es zweierlei: Ein gutes Bedingungswerk mit möglichst weitreichendem Schutz und eine solide Kalkulation der Beiträge. Das schafft Sicherheit beim Schutz, Sicherheit in der Finanzierbarkeit eines Schadens und Sicherheit hinsichtlich Stabilität der Beiträge", konstatiert Hübner.   "Ganz sicher haben viele etablierte Versicherungsunternehmen bei der Ansprache jüngerer Kundengruppen noch Optimierungsbedarf und man könnte den grauen Staub der vergangenen Jahrzehnte ruhig abschütteln. Nur mit Duzen hingegen, lockeren Texten und Onlinebeantragung allein ist es allerdings nicht getan. Da darf Lemonade seine Hausaufgaben noch machen. Wir hoffen, dass Kunden durch den löchrigen Schutz nicht zu arg geschädigt werden. Momentan hinterlässt diese Limonade jedenfalls einen zu bitteren Nachgeschmack", hofft Hübner.
VEMA · Lemonade
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