Köpfe & Positionen

Stadler: "Das typische Vertreterklischee findet man heute kaum mehr"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Versicherungsbranche ist bekanntlich noch immer eine klassische Männerdomäne. Dies gilt bislang auch für den Vertrieb. Und dennoch: "Der Vertrieb hat sich längst gewandelt. Das typische Vertreterklischee findet man heute kaum mehr", glaubt Elisabeth Stadler, Vorstandschefin der Vienna Insurance Group (VIG), im GDV-Interview.

"Über die gesamte Branche ist das Verhältnis der Geschlechter zwar ausgeglichen, aber Frauen sind vor allem in der Verwaltung beschäftigt. Dabei sind sie gerade im Vertrieb sehr erfolgreich – und das sehr konstant", glaubt Stadler mit Blick auf das eigene Unternehmen. Dies bedeute konkret: "Bei den Männern gibt es regelrechte Umsatzwellen: Sie sehen genau die Sommermonate oder die Winterferien. Frauen arbeiten viel konstanter das ganze Jahr über durch." Zudem hätten Studien ergeben, dass Frauen ein Unternehmen im Schnitt erfolgreicher führen würden.

 

"So hat das Peterson Institute for International Economics einmal 21.980 Unternehmen in 91 Ländern untersucht. Ergebnis: Profitable Unternehmen mit mindestens 30 Prozent Frauen in der Führungsebene erzielen einen um einen Prozentpunkt höheren Nettogewinn als vergleichbare Firmen ohne Frauen in der Chefetage. Auch deshalb versuchen wir, mehr Frauen in Führungspositionen zu bekommen. Wir haben in den rund 50 Konzerngesellschaften der VIG bereits viele weibliche CEOs. In Osteuropa ist das verbreiteter als in Westeuropa", erläutert die VIG-Chefin im Interview.

 

Dies liege vor allem daran, dass  viele der früheren männlichen Führungskräfte ihre Position ausgenutzt nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Mittel- und osteuropa ausgenutzt hätten. "Korruption war weit verbreitet. Frauen galten dafür als weit weniger anfälliger. Deshalb ist auch der Anteil an weiblichen Führungskräften bei uns in Mittel- und Osteuropa höher als in Österreich", so Stadler. Einen Unterschied zwischen Mann und Frau sieht die Versicherungsmanagerin indes doch: "Wir sind nicht so risikobereit".

 

Auch die Anforderungen haben sich nach Ansicht der VIG-Chefin geändert - und zwar unabhängig vom Geschlecht. Wichtigstes Kriterium sei daher: "Kompetenz. Nicht nur fachliche, auch soziale Kompetenz. Das Bild der Führungskraft wandelt sich: Wir brauchen keine Starmanager mehr, sondern Teamplayer, die ihre Mitarbeiter um deren Meinung bitten und gemeinsam mit ihnen die Strategie entwickeln und umsetzen. Es gibt ja heute viel flachere Hierarchien: Viele Spezialisten kommunizieren bereits direkt mit dem Vorstand. Die benötigen keine Hierarchien und Personalführung mehr wie früher."

Versicherungsvertreter · Elisabeth Stadler
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