Ist die Zeit der Versicherer für die Solvency II-Übergangsregeln abgelaufen?
Ist die Zeit der Versicherer für die Solvency II-Übergangsregeln abgelaufen?Quelle: Bild von annca auf Pixabay 
Schlaglicht

Schickt Eiopa die deutschen Lebensversicherer in Scharen in den Run-Off?

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Artikel 77f der Solvabilität-II-Richtlinie sieht eine Überprüfung der Maßnahmen zu langfristigen Garantien, einschließlich der Übergangsregeln, bis zum 1. Januar 2021 vor." Dieser Satz der europäischen Aufsichtsbehörde Eiopa dürfte einigen hiesigen Lebensversichern das Blut gefrieren lassen. Er bedeutet, dass die Eiopa ein gewichtiges Wort dabei mitsprechen wird, ob die Solvency II-Übergangsregeln weiterhin Bestand haben werden.

Damit die deutschen Versicherer auch weiterhin von den Übergangsregeln profitieren können, dafür will sich der Bafin Exekutivdirektor Frank Grund einsetzten, wie er auf der diesjährigen Bafin Jahrespressekonferenz erklärte. Das scheint auch nötig zu sein, denn es sind mehr als nur Gerüchte, dass nicht alle europäischen Länder mit der Hilfe für deutsche Lebensversicherer einverstanden sind. Eine Nichtverlängerung der Solvency-Übergangsregeln kann daher nicht ausgeschlossen werden.

Die zum Januar 2016 eingeführten Regeln sollen den Versicherern eine reibungslose Umstellung auf das neue Regelwerk ermöglichen und wurden mit einer Laufzeit von 1 bis 16 Jahren konzipiert. Das System wurde also auf Endlichkeit ausgerichtet.

 

Eine Nichtverlängerung würde den einen oder anderen Versicherer in akute Gefahr bringen. "Es gibt eine Reihe von Lebensversicherern in Deutschland, die ohne Übergangsregeln insolvent wären, erklärte der Eiopa-Chefaufseher Gabriel Bernardino im letzten Jahr.

 

Zudem könnte die Anpassung der Richtlinie neue Anforderungen in den Bereichen Finanzen und Recht nach sich ziehen. Also mehr Vorschriften, Rückstellungen und Papierkrieg für die Versicherer.

Ein hochstehender Insider der Bafin kommentierte auf die Überprüfung von Eiopa angesprochen: "Wenn die deutsche Versicherungsbranche künftig genauso dasteht wie aktuell, sei bereits viel erreicht."

 

Eiopa die entscheidende Instanz

 

Laut Policen Direkt haben sich die Solvenzquoten der 84 Lebensversicherer im vergangenen Jahr im Schnitt um 9,57 Prozent verbessert. Zwölf Unternehmen mit einer Nettoquote unter 100 stehen weiter unter Beobachtung der Bafin, der sogenannten Manndeckung. Auch Eiopa hat die Entwicklung immer im Blick und berichtet "jährlich über die Anwendung und Auswirkungen der Maßnahmen zu langfristigen Garantien."

 

Die Versicherer benutzen die Übergangsregeln zu Stabilisierung in schwierigen Zeiten, fällt diese Krücke weg, wird es schwierig. Ob die Krücke fällt, hängt zu einem großen Teil an der europäischen Aufsicht. "Der Eiopa kommt eine wichtige Aufgabe zu, denn die Behörde wird gegenüber den entscheidenden europäischen Gremien eine Empfehlung abgeben", schreiben die Aufseher.

Der Zeitpunkt der Wortmeldung wird in einem Jahr sein, vorab wird es Gespräche geben. "EIOPA wird seine Stellungnahme im Juni 2020 abgeben. Eine Konsultation zur Stellungnahme ist von November 2019 bis Januar 2020 geplant."

 

Die Behörde wird sich nicht in die Karten schauen lassen, wie sie sich äußern wird. Bernardino äußerte sich im letzten Jahr gegenüber Frankfurter Wirtschaftsjournalisten, dass die Übergangsregeln dafür konzipiert wurden, die Versicherer zukunftsfähig zu machen.

 

Das Wort Übergang bedeutet in diesem Zusammenhang das Hinübergehen in eine Welt ohne die Solvency II-Krücke. Dieser Übergang kann Zeit in Anspruch nehmen, zu lange sollte der Versicherer allerdings nicht brauchen.

 

Wenn sich Eiopa dahingegen äußern wird, dass die Übergangszeit ausgeschöpft sei, wird der europäische Gesetzgeber wohl folgen. Denn genau für eine solche Einschätzung wurde der Experte Eiopa (auch) gegründet.

 

Ob einige deutsche Lebensversicherer ohne die Krücke standfest bleiben können, wird dann die Bafin entscheiden. Vielleicht werden nach der Eiopa-Einschätzung noch einige deutsche LV- Schwergewichte dem Generali Run-Off folgen.