Blockchain - Fluch oder Segen?
Blockchain - Fluch oder Segen?Quelle: Gerd Altmann/ Pixabay
Politik & Regulierung

Führt die Blockchain zum Krieg oder zur besseren Welt?

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Deutschland muss sich bei Blockchain nicht hinter Asien verstecken." Das sagte kürzlich Philipp Sandner, Head des Blockchain Center an der Frankfurt School of Finance & Management. Der Experte sieht die Entwicklung der Technologie positiv, zwei andere Experten warnen aktuell, der Einsatz von Blockchain könne "bis zu Kriegen führen".

Viele sind überzeugt, dass die Blockchain in vielen Bereichen der Wirtschaft und des täglichen Lebens in naher Zukunft eine zentrale Rolle spielen wird – etwa bei der sicheren Übermittlung von Daten oder bei Überweisungen. Die Axa nutzt die Technologie bereits für eine Versicherungslösung, ebenso Ping An. Die Technik ist noch nicht final, wie Sandner bestätigt, aber sie ist auf dem richtigen Weg.

 

Kritik an der Blockchain

 

Die zwei "ausgewiesenen Blockchain-Experten" Robert Schwertner, Head of Business Development der europäischen Blockchain Plattform 0bsnetwork.com, und Prof. Alfred Taudes, wissenschaftlicher Leiter des Forschungsinstituts Krypto-Ökonomie der WU Executive Academy warnen allerdings vor den Schattenseiten.

 

Für Schwertner stellt der übertriebene Glaube an die Blockchain eine große Fehlentwicklung dar. Das werde "teilweise fast schon als Religion verstanden". Es sei ein Trugschluss, dass diese, zugegebenermaßen großartige Technologie die Mehrzahl der Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft lösen kann. "Jetzt erst wird langsam klar, was man damit wirklich machen kann und was nicht", ergänzt Taues. Er sieht hier Parallelen zu der Entwicklung des Internets am Beginn der 1990er Jahre.

 

Setze sich die Blockchain etwa im Geldverkehr durch, könne dies einen Ausschluss gewisser Bevölkerungsschichten bedeuten, die nicht mehr daran teilhaben können. "Ohne Computer und Internetzugang geht dann gar nichts mehr", erläutert Schwertner. Auch Taudes sieht die digitale Kluft als Problem. "Die Träume, dass man mit Kryptowährungen die Dritte Welt weiterentwickeln kann, sind naiv. Ohne Strom und ohne Handy ist das nicht möglich."

 

Krieg und Drogen

 

Hoher Energieverbrauch und die Verwendung von Bitcoin-Transaktionen für verbrecherische Geschäfte wie den Drogenhandel sind für Taudes weitere Schattenseiten.

"Wenn jemand einen illegalen Handel mittels Kryptowährung etwa im Darknet begleicht, entfällt die bei Kontoeröffnung für Banken obligatorische Überprüfung der Verfügungsberechtigten, auch erfolgen Überweisungen ohne Kontrollschritte durch die dazwischengeschaltete Bank."

 

Allerdings schränkt er das gerade gesagte im nächsten Satz direkt wieder ein. Die Probleme, die dadurch entstehen, würden "überschätzt". So würde ja auch das normale Bankensystem Ressourcen verbrauchen und die Möglichkeiten, illegale Transaktionen zu machen, "seien begrenzt". Des Weiteren seien die Behörden mittlerweile in der Lage, "Blockchain-Transaktionen effizient zu analysieren, um Adressen mit Geldern problematischer Herkunft zu identifizieren".

 

Es ist ein interessanter Punkt, in wie weit der Staat Zugriff auf Blockchain-Transaktionen hat und haben sollte. Eine zentrale Instanz würde dem Gedanken der Technik widersprechen, die auf Autonomie und gleichberechtigte Partner setzt.

 

Neue Art von Währungskriegen

 

Die Blockchain schaffe gewisse Möglichkeiten, sich aus bisherigen Systemen zu befreien bzw. sie zu erweitern – das könnte zu gefährlichen Gegenströmungen führen. "In Venezuela zahlen viele Leute nur noch mit Bitcoin, den Mächtigen taugt so eine Entwicklung natürlich nicht", nennt Taudes ein Beispiel. Konflikte zwischen jenen, die den Status quo einzementieren wollen, und den Nutzern neuer Anwendungen sieht auch Schwertner als dunkle Seite der Blockchain. "Das kann bis zu Kriegen führen." Spannungen könnte es auch zwischen einzelnen Staaten geben, wenn Blockchains beeinflusst werden – es drohe "eine neue Art von Währungskriegen".

 

Chaos durch totale Dezentralisierung

 

Schwertner sieht die übertriebene Hoffnung auf Dezentralisierung als Schwachpunkt. "Wir leben in einer realen Welt, nicht in einer idealen. Die totale dezentralisierte Nutzung des Blockchain-Netzwerks wird nicht kommen, denn das würde ins Chaos führen." Außerdem seien schon jetzt vielfach Strömungen erkennbar, die "eher zu einer Zentralisierung innerhalb der Blockchain-Entwicklung" führen. Taudes ergänzt: "Dazu passt, dass der Code zwar Open Source ist, aber nur wenige Entwickler die Richtung vorgeben – sie stimmen sich einfach untereinander ab."

 

Positives Fazit

 

Trotz der Probleme führt für Schwertner an der Blockchain kein Weg mehr vorbei: "Wir werden sehr bald eine Welt erleben, in der diese Technologie eine große Bedeutung haben wird – ganz unabhängig von Bitcoin." Taudes stimmt zu. "Eine gewisse Euphorie ist in dieser Hinsicht daher nicht schlecht, denn nun geht es um das Ausprobieren von konkreten Anwendungen."

 

Ob die Blockchain Euphorie "nicht schlecht ist" oder ein "übertriebener Glaube", in diesem Punkt müssen sich die beiden Autoren offenbar noch einig werden.

 

Wer eine Analyse zum jetzigen Zeitpunkt möchte, dem sei Sandner empfohlen: "Alle industriellen und finanztechnischen Anwendungen, die wir heute in der Blockchain kennen, sind im Anfangs- oder Frühstatus, mit Ausnahme der Kryptowährungen. Es gibt nur hier und da bereits kleine Anwendungen. Es ist sehr früh, erste Experimente sind bereits erfolgreich abgelaufen, aber wir sind noch weit von der Implikation großer Systeme in Unternehmen entfernt."

Blockchain · Philipp Sandner · Zukunftsforschung
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