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Märkte & Vertrieb

Rechtsschutz aus dem Automat: Anwälte fürchten um Ihre Jobs

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Law-, Jur- und Legaltechs greifen mit ihren Online-Angeboten sowohl die lokale Anwaltschaft als auch die Rechtsschutzversicherer an. Dementsprechend sind viele Rechtsawälte skeptsich was Ihre Zukunft angeht. Nur wenige würden Ihr Berufsfeld weiterempfehlen - lautet das Fazit einer Studie.

Seit 2013 stagnieren die Vertragszahlen in der Sparte Rechtsschutz. Trotz eines Booms beim Neugeschäft in den digitalen Direktabsatzkanälen, die Rechtsschutz als einfach, smart und mit hohen Provisionserträgen auch für sich entdeckt haben, schwächelt die Gesamtleistung von vormals bis zu 1,8 Mio. Neuverträgen. Die Gründe dafür? Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG 2013) und vier Beitragsangleichungsrunden in Folge haben die Freude an der Sparte im Vertrieb schwinden lassen, viele schadenfreie Versicherungsnehmer ohne positive Kundenerlebnisse haben die Versicherer verlassen.

 

Hinzukommt der Angriff der Legaltechs. Man hat schlicht unterschätzt, dass Kunden bei einem Portal wie flightright in rechtlich eigentlich klaren Fällen bereit sind 30% Erfolgshonorar abzugeben. Rechtsschutzversicherer müssen sich dementsprechend anpassen. Und was machen die Anwälte?  Die Digitalisierung wird in den kommenden Jahren eine der größten Herausforderungen sein, denen sich Kanzleien in Deutschland stellen müssen. Das sehen laut der Anwaltsstudie zum Thema „Legal Tech  - Hype oder Paradigmenwechsel?“ immerhin 69 Prozent der befragten Anwältinnen und Anwälte so. Wenn es um die Bewertung der Auswirkungen der Digitalisierung auf die zukünftige Entwicklung ihres eigenen Rechtsgebiets geht, ist das Bild aber deutlich differenzierter. 

 

Auf die im Rahmen der Studie gestellte Frage, ob sie jungen Anwälten ihr Rechtsgebiet als zukünftiges Arbeitsfeld empfehlen würden, sind die Verkehrsrechtler mit Abstand am zurückhaltendsten. „Auf einer Skala von 1 (stimme der Aussage gar nicht zu) bis 5 (stimme der Aussage voll zu) bleibt der erreichte Durchschnittswert für das Verkehrszivilrecht mit rund 2,4 deutlich hinter den Werten für die anderen Rechtsgebiete zurück“, sagt Alexander Kihm, Partner bei AdvoAssist, dem größten Online-Netzwerk für Terminsvertretung in Deutschland. „Eine optimistische Zukunftseinschätzung sieht anders aus“, ergänzt Hanns-Ferdinand Müller, Vorstand des Prozessfinanzierers FORIS AG. Die beiden Unternehmen haben die Legal Tech Studie gemeinsam erstellt. Die Spanne der an der Befragung beteiligten Kanzleien, reichte dabei vom Einzelkämpfer bis hin zu Partnergesellschaften mit mehr als 1.000 Anwälten. 

 

Insgesamt verfehlen neben dem Verkehrszivilrecht mit dem Verkehrsrecht, dem Bank- und Kapitalmarktrecht sowie dem Ehe- und Familienrecht noch drei andere Rechtsgebiete die als neutral einzustufenden Empfehlungswertung von 3. Sehr viel zuversichtlicher sieht es da im IT-Recht aus. „Bei den IT-Rechtlern liegt der erreichte Durchschnittswert bei rund 4,2 und damit sehr weit im positiven Bereich“, erläutert Jan Simon Raue, ebenfalls Partner bei AdvoAssist. Kein anderes Rechtsgebiet hat im Rahmen der Studie den Empfehlungswert von 4 übersprungen. Immerhin in die Nähe gekommen sind mit dem Erb- und dem Steuerrecht sowie dem Bau- und Architektenrecht und dem Handels- und Gesellschaftsrecht lediglich vier der insgesamt 21 analysierten Rechtsgebiete.  

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