Wachablösung am Buckingham Palace
Wachablösung am Buckingham PalaceQuelle: Andrea Damm  / www.pixelio.de / PIXELIO
Schlaglicht

Online-Versicherer gegen Allianz und Axa: Das Warten auf die Wachablösung

Von Martin ThalerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Neu ist diese Erkenntnis wahrlich nicht, doch an Bedeutung hat sie über die Jahre wenig eingebüßt: Nichts im Handel ist so beständig wie der Wandel. Es setzen sich also nur diejenigen Unternehmen durch, die sich am besten auf neue Umstände, Kundenwünsche etc. einstellen und ihr Geschäft entsprechend anpassen können.

Auch im Versicherungsgeschäft ist in den vergangenen Jahren eine Reihe neuer, digitaler Versicherer in den Markt getreten. Sie versprechen meist, Versicherungen für den Kunden einfacher und transparenter zu machen. Mit wenigen Klicks sind die Policen mittels PC oder Smartphone abgeschlossen, die AGBs sind übersichtlich und verständlich, die Verträge flexibel und jederzeit kündbar.

 

Investoren unterstützen die neuen Player auf dem Versicherungsmarkt mit teils zweistelligen Millionenbeträgen, getrieben von der Hoffnung, dass diese der etablierten Konkurrenz die Pfründe streitig machen können. Doch haben Coya, One und Co. wirklich das Zeug, die neuen Platzhirsche im Versicherungsgeschäft zu werden?

 

Respektabel klein?

 

Zugegeben: Die meisten der neuen Online-Versicherer können nach einem Jahr durchaus respektable Abschlusszahlen vorgelegen. Im Vergleich zur etablierten Konkurrenz fallen diese jedoch bescheiden aus. Nimmt man das Segment der Kfz-Versicherungen, kommt die Ergo-Digitaltochter „Nexible“ nach eigenen Angaben mittlerweile auf 50.000 Kunden. Beim Konkurrenten "Friday" heißt es, bislang seien 45.000 Kfz-Policen an den Mann bzw. die Frau gebracht worden.

 

Den Schwergewichten im Bereich Kfz-Versicherungen werden diese Zahlen wohl keine allzu großen Sorgen bereiten. Bei der Allianz konnte allein 2018 die Zahl der versicherten Fahrzeuge um 126.000 auf nun 8,6 Millionen gesteigert werden. Beim Branchenführer HUK-Coburg waren es im gleichen Zeitraum sogar 400.000 neue Fahrzeuge, die neu versichert werden konnten.

 

Hier offenbart sich nämlich eine der großen Herausforderungen für die neuen Player im Versicherungsgeschäft: Auch wenn viele den Anspruch formulieren, Versicherungen wieder sexy machen zu wollen, bleiben Versicherungen doch Push-Produkte. Die Anbieter müssen – gerade wenn sie auf den Vertriebskanal Makler verzichten – ihr Produkt aktiv anbieten, wenn sie sich von der etablierten Konkurrenz absetzen möchten.

 

Wollen die digitalen Versicherer also ihre potenziellen Kunden erreichen, fallen die Ausgaben für Werbemittel entsprechend hoch aus. So gab „Friday“ jüngst bekannt, neben den 75 Millionen Euro von ihrer Mutter Baloise weitere 39 Millionen Euro in Form eines Media-for-Equity-Deals vom German Media Pool sowie Sevenventures, dem Investment-Arm der Pro7-Sat1-Gruppe, erhalten zu haben. Kurzum: Werbung für Anteile. Auch bei anderen Startups dürften die Marketingkosten hoch ausfallen – der Online-Makler Knip scheiterte gar an diesen.

 

Die Großen schlafen nicht (mehr)

 

Zudem arbeiten auch die etablierten Versicherer an digitalen Abschlüssen und einfacheren Produkten. Die Erfolge, die die Allianz mit ihrer überarbeiteten, vereinfachten Kfz-Police feierte, dürften nur der Anfang gewesen sein. Gegenüber der neuen digitalen Konkurrenz können die etablierten Versicherer einige Trümpfe ausspielen: Neben einer üppigen Kapitaldecke hilft auch der bereits im Konsumentenbewusstsein verankerte Markenname.

 

Wenn die Versicherer es also schaffen, ihre alten IT-Systeme zu modernisieren, habe sie gute Chancen, den von den neuen Digitalversicherern angestoßenen Wandel zu überstehen und auch in Zukunft als Platzhirsch zu agieren.

Nexible · Friday · Allianz Deutschland · Kfz-Markt · Online-Versicherer
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