Trikot - Stein des Anstoßes (Symbolbild)
Trikot - Stein des Anstoßes (Symbolbild)Quelle: S. Hofschlaeger / www.pixelio.de / PIXELIO
Unternehmen & Management

"Natürlich kann der Verein die Trikots behalten und weiter verwenden" – HDI äußert sich zu Inklusivmannschaft-Trikotgate

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die HDI wolle einer Mannschaft von Behinderten ihre Trikots wegnehmen, so titelte gestern eine Zeitung. Der Aufschrei war groß, die Antwort des Unternehmens erreichte die VWheute-Redaktion nicht mehr rechtzeitig. Nun stellen die Hannoveraner klar: "Es geht und ging HDI zu keinem Zeitpunkt darum, den Sportlern die Trikots abzuverlangen oder gar gegen den Verein vorzugehen."

Im Wesentlichen ist es ein Streit mit einer ehemaligen Vertreterin und der Nutzung des HDI-Logos nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen. Eine Frau Graf war bis zum 31. Dezember 2018 als Versicherungsvertreterin im Ausschließlichkeitsvertrieb für HDI tätig und sponserte die Inklusionsmannschaft des TSV Musberg unter anderem mit einem Trikotsatz.

 

Auf der Brust der Sportler prangte der Name der Vertreterin plus der von HDI. Bis es zur Trennung kam, war das auch für alle Parteien akzeptabel. Nach der Scheidung verlangte die HDI unter Androhung ordnungsrechtlicher Maßnahmen die Werbung zu unterlassen. Als die Diskussion in die Medien kam, bot die HDI eine praktikable Lösung an, während Frau Graf davon sprach, dass man sie zwingen möchte, "den Behinderten die Trikots wegzunehmen". Doch so einfach ist die Geschichte nicht.

 

Die HDI spricht

 

Während des laufenden Vertragsverhältnisses ist es allen Vertretern von HDI selbstverständlich erlaubt, das Unternehmenslogo im Corporate-Design zu nutzen, erklärt der Versicherer. In diesem Zusammenhang sei es absolut üblich, dass Vertriebspartner regionale Sponsoringaktivitäten vornehmen. So weit, so nachvollziehbar.

 

 Frau Graf habe nach Beendigung Ihres Vertragsverhältnisses zu HDI die Sportler weiterhin als Werbeträger mit der Trikotbeflockung "Dr. Karin Graf HDI" für ihre neue Tätigkeit als unabhängige Maklerin auf ihrer Homepage eingesetzt. "Dieses Vorgehen, obwohl zu HDI weder eine Geschäftsbeziehung noch ein erneutes Vermittlungsverhältnis besteht, halten wir für fragwürdig."

Davon abgesehen ist die Werbung für ein konkretes Versicherungsunternehmen nicht mit der Stellung eines unabhängigen und neutralen Versicherungsmaklers vereinbar. Es bestehen also nicht nur wettbewerbsrechtliche, sondern auch standesrechtliche Bedenken, führt die HDI aus.

 

Versicherer fordert keine Trikots zurück

 

Diversität nicht nur zu verstehen, sondern sie zu leben, ist in der Haltung unserer Mitarbeiter im weltweiten Talanx Konzernverbund verankert, erklären die Hannoveraner.

"Wir verwahren uns insofern ausdrücklich gegen die Unterstellung von Frau Graf, dass eine Behindertenmannschaft nicht "schick genug" für Sponsoringmaßnahmen der HDI Gruppe sei." Das Unternehmen schätze nach wie vor das "soziale und gesellschaftliche Engagement von Frau Graf bei dieser Inklusions-Sportmannschaft".

 

Die betroffenen Sportler würden aktuell unwillentlich in einen rechtlich fragwürdigen Sachverhalt hineingezogen, an dem sie "nicht beteiligt sind und zu dem sie die Hintergründe nicht kennen".

Der Versicherer stellt klar: "Es geht und ging HDI zu keinem Zeitpunkt darum, den Sportlern die Trikots abzuverlangen oder gar gegen den Verein vorzugehen, auch dies haben wir Frau Graf gegenüber klar geäußert."

Die Unterlassungserklärung hätte sich explizit an die Ex-Vermittlerin gerichtet, die gegen vertragliche Vereinbarungen verstoßen hat - nicht etwa an den Verein oder weitere Dritte: "Natürlich kann der Verein die Trikots behalten und weiter verwenden." Jedoch sei es Frau Graf "vertraglich untersagt", dies in "ihrer Außendarstellung zu nutzen".

 

Die Ex-Vertreterin habe der HDI vor Erscheinen des Beitrags in der Stuttgarter Zeitung eine Lösung "im Sinne aller Beteiligten vorgeschlagen, mit der wir einverstanden waren". Insofern gäbe die aktuelle Berichterstattung den Stand der Dinge nicht vollständig wieder.

 

Damit das nicht so bleibt, hat VWheute sich dem Thema angenommen, das für alle Beteiligten ein gutes Ende gefunden hat.

HDI · Fußball-Sponsoring · Marketing
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